HOMEPAGE



Magdeburg

INTENDANTENWILLKÜR AUCH IN MAGDEBURG

Vermutlich baldiges Ende für Gonzalo Galguera in Magdeburg



Ist die momentane Praxis zum Austausch ganzer Ensembles bei einem Intendanzwechsel wirklich noch zeitgemäß?


  • Gonzalo Galguera Foto © Artyom Schlapschenko

Wieder ein Fall von Intendantenwillkür, diesmal in Magdeburg. Dort hat, so erfährt man aus der Magdeburger "Volksstimme", der designierte Theaterleiter Julien Chavaz dem langjährigen Ballettdirektor und Chefchoreografen Gonzalo Galguera mitgeteilt, er werde seinen Vertrag nicht über die kommende Spielzeit hinaus verlängern. Als Grund habe Chavaz eine künstlerische Neuausrichtung des Ballettensembles genannt, was immer das heißt.

Der Kubaner Gonzalo Galguera startete seine Tänzerkarriere in Deutschland, als ihn Tom Schilling 1990 ans Tanztheater der Komischen Oper Berlin engagierte und künstlerisch förderte. Nach der ersten Station als Ballettdirektor in Dessau feiert er seit 17 Jahren in Magdeburg Publikumserfolge mit einem vielseitigen Repertoire aus berührenden Uraufführungen und neuinszenierten Klassikern und strahlt mit seiner exzellenten Kompanie weit über die Landesgrenzen hinaus. Dafür sprechen auch jüngste Preise, die er in Italien erhalten hat. Ohne nähere Kenntnis von Gonzalo Galgueras Arbeit schafft ein theaterferner Generalintendant Fakten – und darf das gesetzlich auch. Es ist an der Zeit, diese Praxis gründlich zu befragen.

Veröffentlicht am 30.04.2021, von Volkmar Draeger in Homepage, Gallery, Leute

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Kommentare zu "Intendantenwillkür auch in Magdeburg"



    • Kommentar am 02.05.2021 20:46 von Bettina Krauß
      Ich finde es sehr schade, dass Gonzalo Galguera als Balldirektor das Theater Magdeburg verlassen muss. Als langjährige Freundin und auch Freundin des klassischen Tanzes, besuche ich und mein Mann regelmäßig das Ballett Magdeburg. Wir reisen extra aus Osterode am Harz an. Ich kann es nicht verstehen wie man so einen erfolgreichen Ballettdirektor und Chefchoreografen den Vertrag nicht verlängern kann. Aus meiner Sicht wird das ein großer Verlust für Magdeburg. Wir bleiben ihm weiterhin treu und vielleicht kommt er ja irgendwann näher an unsere Heimat. Wir werden ihm an seinen neuen Wirkungskreis folgen. Wir wünschen Gonzalo alles Gute.
    • Kommentar am 03.05.2021 20:23 von Annett
      Diese Entscheidung des neuen Intendanten und damit des Theaters Magdeburg ist absolut nicht nachvollziehbar. Gonzalo Galguera hat seit vielen Jahren die Ballettkunst mit seinen kreativen Choreographien in Magdeburg geprägt. Nicht nur wir Magdeburger haben die Liebe & Kunst zum Ballett wiederentdeckt, auch viele Andere aus Umgebung und Entfernung. Die weltweite Anerkennung samt Auszeichnungen sprechen für Galguera und seine Kompanie. Das Ziel, einer neuen Ausrichtung der Kompanie, hätte auch ein gemeinsamer Weg mit Galguera sein können. Doch wenn bestehende und funktionierende Strukturen auseinandergerissen werden, ist das kein gutes Zeichen. Eins ist jedoch klar, am Ende entscheidet das Publikum, ob diese neue Ausrichtung gewünscht wurde und einen Saal füllt. Ich wünsche Gonzalo Galguera viel Kraft und Energie in dieser schwierigen Zeit.
    • Kommentar am 04.05.2021 19:59 von viola hinz
      Gonzalo Galguera und seine Kompanie werden nicht mehr gebraucht. Gefeuert vom neuen Intendanten, ausgestattet mit uneingeschränkter Macht, noch nicht einmal im Amt!

      Er, sowie auch die neue Kultur-Beigeordnete haben die Arbeit des Ballettchefs und seines Teams noch nicht einmal erleben dürfen, Pandemie-bedingt.

      Gonzalo Galguera, ein außerordentlicher Choreograf, seit 16 Jahren verantwortlich für ausverkaufte Häuser, Kulturbotschafter für das Magdeburger Theater in Europa und Übersee, Magdeburger des Jahres, Träger vieler Tanzpreise des In- und Auslandes, beim Publikum überaus beliebt, muss gehen.

      Den Tänzerinnen und Tänzern und ihren Familien wird mitten in der Pandemie die Grundlage entzogen, der Lebensmittelpunkt geraubt, obwohl sie nichts falsch gemacht haben.

      Fadenscheinige Begründung: neue künstlerische Ausrichtung.

      Dem jungen Schweizer Intendanten kann man keinen Vorwurf machen, denn wer spielt nicht gern seine Macht aus und setzt seine Visionen in die Tat um, wenn man ihn lässt. Sicher kennt er auch so einige Leute, die einen neuen Posten brauchen.

      Schuld an der ganzen Situation, vollkommen am Bürger, am Steuerzahler vorbei, ist die bodenlose Ungerechtigkeit, die in den Theatern in Deutschland herrscht.

      Besonders die Tänzerinnen und Tänzer haben kaum Schutz durch Betriebsräte und Gewerkschaften. Die Allmacht der Intendanten lässt die Künstler schweigen, haben sie ja nur kurzzeitige Verträge und fliegen, wenn sie ihren Mund aufmachen. Im Job seit ihrem 8. Lebensjahr wollen sie nur eins, dem Publikum durch ihre Kunst Freude bereiten, tanzen, solange es ihr Körper mitmacht.

      Die Sparte Tanz muss mehr Rechte und Schutz bekommen.

      Es kann nicht sein, dass die meistens jüngsten Künstler an unseren Theatern, die aufopferungsvollen Tänzerinnen und Tänzer, die täglich ihre Gesundheit in die Waagschale werfen, die oftmals die kleinste Gruppe bilden, wie Sklaven ohne Rechte behandelt werden.



      Die Funkion eines Generalintendanten mit unbegrenzter Macht ist nicht mehr zeitgemäß und muss der Vergangenheit angehören!

      Kunst und Kultur sind im Grundgesetz der Bundesrepublik nicht ausreichend vertreten. Auch das muss geändert werden!













    • Kommentar am 05.05.2021 15:19 von Hans Henning Paar
      Sehr geehrte Leser*innen



      Auch hier am Theater Münster steht ein Intendantenwechsel zur Spielzeit 22/23 an, und auch hier wird die gesamte Leitungsriege und mit Sicherheit auch ein Großteil des Tänzerensembles ausgetauscht. Für die Künstler*innen, die zum Teil mit mir bereits 2012 ans Theater Münster gekommen sind und sehr erfolgreich für die Sparte Tanz gearbeitet haben, ist das sicherlich nicht einfach. Aber: In der Kusnt sollte es keinen Stillstand geben. Sie muss sich inmmer wieder erneuern, sonst treten wir irgendwann auf der Stelle. Tänzer*innen werden älter und können mitnichten diesen Knochenjob bis zur Rente machen. Auch Choreograf*innen fangen oft an sich zu wiederholen, wenn sie zu lange an einem Ort verweilen. Die Kunst braucht immer wieder neue Impulse und Inspiration. Wir, das Volk der Kunstschaffenden, sind seit eh und je auf der Walz, um immer wieder neue Eindrücke zu bekommen und zu verarbeiten. Kein Maler Komponist noch Schriftsteller verweilte während seiner gesamten Schaffensphase nur an einem Ort. Sicher, es ist bitter sein Publikum und die zusammengeschweißte Crew von Choreograf*in,Tänzern*innen, Assitent*innen und Dramaturg*innen auseinandergehen zu sehen, aber wir schulden der Kunst immer wieder neue Impulse insbesondere für unser Publikum. Theater ist auch ein Ort der Weiterbildung und sollte sich immer wieder versuchen neu zu erfinden, und dazu gehört leider auch der Intendantenwechsel mit seinen Konsequenzen. Leider fehlt zu oft den designierten Intendanten*innen das Feingefühl die Tänzer*innen und Spielleiter*innen mit ihrer Entscheidung nicht vor den Kopf zu stoßen, es wäre schon wünschenswert, wenn sich designierte Intendanten*innen wenigsten mit dem Geleisteten der "Vorgänger" empathisch auseinandersetzen würden. Aber das deutsche Vertragswerk der NV Bühne erlaubt den "Neuen" nicht die Leistung der "Alten" künstlerisch zu bewerten, wenn die Vertragsnichtverlängerungen, denn so heißt der korrekte Ausdruck des Verfahrens, aus Gründen des Intendantenwechsels stattfinden soll. Alle künstlerischen Verträge am Theater sind befristete Verträge, und das ist aus meiner Sicht als Choreograf auch gut so. Denn ich würde ungern mit einem(r) Tänzer*in auf Dauer arbeiten müssen, wenn man nach einiger Zeit merkt, dass die Zusammenarbeit nicht dauerhaft fruchtbar ist, das nützt keiner Seite.

      Jeder Tänzer*in, Choreograf*in weiß vom Beginn seiner Ausbildung , dass diese wunderbare Karriere, gerade im klassischen Tanz , eine sehr kurze ist. Zu wünschen wären mehr, und bessere Möglichkeiten der Transition, wenn die Karriere sich dem Ende zuneigt, oder es nicht möglich ist einen Neuen Vertrag an einem anderen Haus zu bekommen. Da werden die Tänzer*innen all zu oft allein gelasssen und fallen in ein tiefes Loch.

      Bedenkliche Verhaltensweisen gibt es nicht nur auf der Seite der Intendant*innen und Direktor*innen, sondern auch auf Seite der Tänzer*innen.

      Oft ist es zumal so, dass nicht Direktoren*innen oder Intendanten*innen die Verträge nichtverlängern, sondern die Tänzer*innen selbst, jenseits aller gesetzlichen Fristen um Vertragsauflösungen bitten.



      Hans Henning Paar

      Künstlerischer Leiter und Chefchoreograf

      TanzTheaterMünster

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