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LIVE-STREAM, VIDEO-STREAM ODER TANZFILM?

"Dreams of Landscape" von Lotem Regev als tanzfilmisches Werk überarbeitet



Die Streaming-Premiere des Hessischen Staatsballetts entpuppte sich als filmkünstlerisches Tanzwerk.


  • "Dreams of Landscape" von Lotem Regev. Tanz Alessio Pirrone, Taulant Shehu, Kristín Marja Ómarsdóttir Foto © De-Da Productions

Die Leitung des Hessischen Staatsballetts hatte am Donnerstagabend, zur üblichen Theaterzeit also, zu einer Streaming-Premiere geladen. Gezeigt wurde ein Tanzfilm, der das Tanzstück „Dreams of Landscape“ künstlerisch zu erfassen suchte, das im November eine hausinterne Premiere hatte. Der damalige, begeisterte Applaus von Ensemble-Mitgliedern wurde nahtlos an diesen Film angehängt und vermittelte auch den daheim am Bildschirm zuschauenden Personen etwas vom Premierenfeeling. Allerdings war das irritierend, denn es war ein Film und keine live gestreamte Theaterpremiere. Beim nachträglich geschaffenen, künstlerischen Ansatz des Videofilmers stand die Mitbewegung der Kamera und Nahsicht auf die Tanzenden im Fokus, der Applaus samt nachfolgendem Gespräch zwischen Choreograf Lotem Regev und Dramaturg Lucas Herrmann erfolgte abrupt aus der starren Zuschauerraum-Perspektive. Das wollte erst mal verstanden und sortiert sein.

Der israelisch-ungarische Choreograf Lotem Regev hatte das Motiv Landschaften vor Augen, erzählt er im Gespräch, zu denen er die drei Tänzer im zweiwöchigen Probenprozess auch hat improvisieren lassen. Die jeweiligen Orte der Herkunft erzeugen unterschiedlichste Erinnerungen, die in Farben und Bewegungsformen Ausdruck finden. Aus dem Erleben des Einzelnen wird allmählich ein Miteinander, bei dem die Drei in einen fast meditativen gemeinsamen Bewegungsfluss kommen. Passend zum sphärisch friedvollen Sound. Wellenförmiges ist als Motiv gut zu erkennen, ein anderes Mal scheinen sie Berge zu erklimmen und sich gegenseitig Halt zu geben, oder sie versuchen einander zu fassen und ducken sich weg. Die Kameraführung ist dabei sehr eigenwillig, umkreiste die Tänzer gern, ging auf sie zu und blendet damit ins schwarze Off, um woanders wieder aufzublenden, zeigte gemeinsam mit den Tanzenden viel Bodennähe und schnitt oft genug die Köpfe ab.

Auf Nachfrage heißt es vom Leitungsteam: „Es handelt sich um keine gefilmte Version der Bühnenaufführung, sondern ein eigenständiges tanzfilmisches Kunstwerk. Gemeinsam wurde zwischen Kameramann Denislav Kanev von De-Da Productions, Choreograf Lotem Regev und dem Leitungsteam des Hessischen Staatsballetts ein tanzfilmisches Konzept für die Bühnenchoreografie entwickelt.“ Es besteht bei allen Beteiligten weiterhin die Hoffnung, die Bühnenversion von „Dreams of Landscape“ vor Publikum zu spielen. Der Film soll auch noch mehrmals gestreamt werden, die Termine sind der Theater-Homepage zu entnehmen.

Irgendwann werden Presseabteilungen, Kritik und Publikum in der Lage sein Live-Stream, Video-Stream und Tanzfilm gestreamt oder On Demand und die verschiedenen Mischformen, die durch Video Stream mit Live-Gesprächen entstehen, zu unterscheiden und zu benennen. Bis dahin wird es sicher Irritationen geben, was an der einen oder anderen Präsentation nun eine Live-Performance war oder nicht.

Veröffentlicht am 29.03.2021, von Dagmar Klein in Homepage, Gallery, Kritiken 2020/2021

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Kommentare zu "Live-Stream, Video-Stream oder Tanzfilm?"



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