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München

ERFRISCHEND

Das Bayerische Junior Ballett im Livestream



Die Juniorkompanie brilliert in einem Dreiteiler mit „Unsterbliche Geliebte“ in der Choreografie von Jörg Mannes, „Stimmenstrahl Trio“ von Maged Mohammed und „UnHeaven“ von Martina La Ragione.


  • Bayerisches Junior Ballett München: Anna Greenberg in "UnHeaven" von Martina La Ragione Foto © Wilfried Hösl
  • Bayerisches Junior Ballett München: Phoebe Schembri und Jacopo Iadimarco in "Stimmenstrahl Trio" von Maged Mohammed Foto © Wilfried Hösl
  • Bayerisches Junior Ballett München: Hélian Potié und Phoebe Schembri in "Unsterbliche Geliebte" von Jörg Mannes Foto © Wilfried Hösl

10 Jahre Bayerisches Junior Ballett München - wenn das kein Grund zum Feiern ist, oder etwa nicht? Erst recht, lautete die erfrischende Antwort dieses jungen Ensembles, das „eine wichtige Brücke schlägt zwischen dem Ende der Ausbildung und dem Anfang einer professionellen Karriere“, wie es in den Prinzipien des Bayerischen Junior Balletts München heißt. Dank des perfekten Zusammenspiels zwischen der Heinz-Bosl-Stiftung in Kooperation mit dem Bayerischen Staatsballett und der Ballett-Akademie der Hochschule für Musik und Theater werden inspirierende Aufführungen ermöglicht - zuletzt am 1. Februar per Livestream aus der Bayerischen Staatsoper in der Reihe „Montagsstücke XII“.

Mit „Unsterbliche Geliebte“, einem Ballett im neoklassischen Stil und an Balanchine erinnernd, eröffnet der Abend. In Anspielung an die „Unsterbliche Geliebte“, die Beethoven in einem Brief erwähnte, steht dieses konkrete Dreiecksverhältnis, das Beethoven zu einer verheirateten Frau pflegte, hier zwar nicht im Vordergrund. Doch deutet der Choreograf Jörg Mannes diese mysteriöse Beziehung als Spannung zwischen Ideal und Realität, zwischen aufbrausender, fast unbändiger Hingabe und unvermittelter brüsker Zurückweisung. Sinnigerweise oder rein zufällig wählt er als Symbol für diese ominöse Dreiecksbeziehung die Form des Dreiecks, dargestellt von Tänzer*innen im Stehen und im Liegen. Zudem wechseln spiegelbildliche und synchron getanzte Phasen einander ab - parallel zu den Tonleiterläufen und den Solokadenzen des Klavierkonzerts.
Mit der Pianistin Julia Hermanski, als Solistin des 4. Klavierkonzerts von Beethoven, begleitet vom Bayerischen Staatsorchester tut sich eine kongeniale Verbindung zwischen Ballettkompanie und Musiker*innen auf. Hermanskis perlendes, niemals vordergründig plätscherndes Klavierspiel war sicherlich Quelle und Inspiration für das junge, dynamische Tanzensemble, wie man selbst am Bildschirm wahrnehmen konnte. Doch auch die Tänze*rinnen selbst verbreiten Aufbruchstimmung, trotz schlicht gehaltener Bühne oder gerade deshalb. Auch der klugen Lichtregie in allen drei Stücken ist es zu verdanken, dass einzelne Formationen, einzelne Paare oder Solisten buchstäblich aus ihrem Schatten heraustreten in Lichtkegel oder Lichtflächen.
Die „Unsterbliche Geliebte“ ist weit mehr als Schwarzweiß-Malerei, auch wenn Susanne Stehle die Akteur*innen in schwarzen Zweiteilern auftreten lässt. Und doch lebt das Stück von seinen Kontrasten, der wechselnden Beziehungen und dem Widerstreit zwischen Ideal und Realität: Solistische Paare finden sich und lösen sich im nächsten Moment abrupt voneinander in rasender Geschwindigkeit. Auseinanderfallende, sich auffächernde Reihen - als (wiederholendes) strukturgebendes Element korrespondierend zu Beethovens musikalischer Form in seinem Klavierkonzert lässt das Publikum die musikalische Partitur auf der Bühne optisch nachvollziehen. Für eine Überraschung gut ist Mannes mit seiner Idee, bei Michael Jackson zu ‚spicken‘: Jacksons legendärer Rückwärtsschritt als geistreiche und witzige Einlage, eingeflochten in den neoklassischen Kontext hätte Beethoven sicherlich auch nach seinem 250. Geburtstag in Feierlaune versetzt.

Von jener Diesseitigkeit in die Transzendenz ist es nur noch ein kleiner Schritt. Mit Maged Mohameds „Stimmenstrahl-Trio“ zum Thema Trinität eröffnet sich dem Publikum eine neue, in blaue Farbe getauchte elysische Sphäre. Bewegliche Lichtkegel, im Einklang der agilen Bewegungen der drei Tänzer*innen, sind Quell einer besonderen Dynamik, die Expressivität und Individualität der jeweiligen Tänzerpersönlichkeit fordert und den Spannungsbogen des dreiteiligen Werks bis zuletzt aufrecht erhält. Im dritten und letzten Teil dieses Werkes kehrt das „Vergehen der Zeit langsam wieder zu seiner normalen Geschwindigkeit zurück, bis der Marien-Choral von Rachmaninow (hier als Stimmenstrahl gesehen) einsetzt“, so der Komponist Jacopo Salvatori. Diese Choreografie ist ein weiterer Beleg dafür, wie sehr die Tänzer*innen neben exzellenter Technik auch ihre Ausdrucksstärke unter Beweis stellen können. Hier offenbart sich das breite Ausbildungsspektrum, mit dem die Ensemblemitglieder auf ihre herausfordernde berufliche Zukunft vorbereitet werden. Das „Stimmenstrahl-Trio“ ist musikalisch wie tänzerisch weit mehr ist als eine experimentelle Spielwiese.

Federleicht, auch taumelnd, träumend schweben die Tänzer*innen barfuß in Martina La Ragiones Tanztheater „UnHeaven“ über die mit Federn bedeckte Bühne, die einer Mondlandschaft gleicht. Im Zentrum dieser Choreografie stehen Grenzgänge im Universum. Es geht um die Erhaltung der Lebenskraft. Passend zu dieser Ursprünglichkeit greift La Ragione musikalisch Carl Orffs „Tanzende Faune“ und Carl Orffs und Gunhild Keetmans “Musica Poetica“ auf. Hier können die jungen Tänzer*innen ihr Spektrum um die Form des Tanztheaters erweitern und diese mit Leben füllen.

Ein großes Lob an das virtuos tanzende und wandlungsfähige Bayerische Junior Ballett München mit ihren Choreograf*innen und den ausgezeichneten Musiker*innen. Ovationen hätten ihnen allen gut getan.

Wiederholung bis zum 3.3.2021 um 18.59 Uhr im Rahmen von Staatsoper.TV unter Video-on-Demand

Veröffentlicht am 08.02.2021, von Sabine Kippenberg in Homepage, Kritiken 2020/2021, Tanz im Text

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Kommentare zu "Erfrischend"



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