HOMEPAGE



Dresden/Frankfurt

KLEINE FINGERÜBUNG GEFÄLLIG?

Die Dresden Frankfurt Dance Company hält ihr Publikum fit



Mit dem Video-Trainingsprogramm "Simple Dance" für minimale Bewegungen und Koordination kann nun jede*r Teil der Dresden Frankfurt Dance Company werden. Aber auch für klassisch Zuschauende gibt es mit "#Alter Ego" etwas zu sehen.


  • "Simple Dance" von Jacopo Godani / Dresden Frankfurt Dance Company Foto © Jacopo Godani / Dresden Frankfurt Dance Company
  • "Simple Dance" von Jacopo Godani / Dresden Frankfurt Dance Company Foto © Jacopo Godani / Dresden Frankfurt Dance Company
  • "Simple Dance" von Jacopo Godani / Dresden Frankfurt Dance Company Foto © Jacopo Godani / Dresden Frankfurt Dance Company
  • "Simple Dance" von Jacopo Godani / Dresden Frankfurt Dance Company Foto © Jacopo Godani / Dresden Frankfurt Dance Company
  • "#Alter Ego / Ich bin deutscher Expressionismus" von Jacopo Godani / Dresden Frankfurt Dance Company; Leo Thiel Foto © Jacopo Godani / Dresden Frankfurt Dance Company
  • "#Alter Ego / Ich bin deutscher Expressionismus" von Jacopo Godani / Dresden Frankfurt Dance Company; Anne Jung Foto © Jacopo Godani / Dresden Frankfurt Dance Company
  • "#Alter Ego / Ich bin deutscher Expressionismus" von Jacopo Godani / Dresden Frankfurt Dance Company; Felix Berning Foto © Jacopo Godani / Dresden Frankfurt Dance Company
  • "#Alter Ego / Ich bin deutscher Expressionismus" von Jacopo Godani / Dresden Frankfurt Dance Company; Michael Ostenrath Foto © Jacopo Godani / Dresden Frankfurt Dance Company

Wenn Sie Ihre Hand flach auf den Tisch legen, schaffen Sie es, Ihren Ringfinger ohne zu zittern anzuheben, und wirklich nur den Ringfinger? Klingt vielleicht banal, ist es aber bei weitem nicht. Die Dresden Frankfurt Dance Company vereint Tänzerinnen und Tänzer, die schon ganz genau wissen, was sie machen, mit ihrem neugierigen Publikum. Und da den Tänzer*innen, zwangsläufig, in den letzten Monaten genauso die Decke auf den Kopf zu fallen schien wie dem Publikum, das schon so lange keins sein darf, gibt es jetzt auf Youtube eine kleine, feine Video-Serie "Simple Dance" der Kompanie, die Übungen zum nachturnen vermittelt. Und diese beginnen ganz simpel im Sitzen am Tisch. Es geht also erst einmal um die Finger, die Hände, doch auch die Atmung kommt nicht zu kurz. Darauf sollte man sich wirklich einfach einlassen. Es lohnt sich. Pro Woche gibt es zehn verschiedene Anleitungen. Das ist alles recht knapp gehalten und somit übersichtlich. Trotzdem sollte man am Ball bleiben. Nicht nur, dass am 8. Februar bereits Level 3 veröffentlicht wird. Ab dann geht es richtig los. Die Übungen steigern sich in ihrer Komplexität, und ab dem dritten Level heißt es schrittweise: Weg vom Tisch! „Die Schwierigkeitsstufe steigert sich langsam von Level zu Level, sodass Bewegung und Koordination stetig verbessert werden“, verspricht Jacopo Godani, Künstlerischer Leiter der Kompanie. „Es wird körperlich aber vor allem für die Koordination schon etwas anspruchsvoller.“

Was die Zuschauenden und Mitturnenden hier erleben, sind detaillierte Einblicke in den Alltag von Tänzer*innen. Natürlich findet der nicht im Sitzen am Frühstückstisch statt. Deutlich wird hier aber, welche Bedeutung jedem einzelnen Finger innerhalb komplexer Bewegungsvokabularien zukommt. Schon allein das Zuschauen ist erhellend. „Wir haben die Übungen auch mehrmals im gesamten Team gemeinsam ausprobiert, um sicherzugehen, dass sie für jedermann gut durchzuführen und nicht zu komplex sind. Einige Übungen haben wir nochmals angepasst. Die Übungen sind simpel und sollen dennoch die Sprache und Bewegung der Company widerspiegeln“, so Jacopo Godani. Insgesamt wird es fünf Levels geben, die im Wochenrhythmus veröffentlicht werden.

Wem das trotzdem zu kompliziert erscheint und wer sich in der Rolle des Zuschauers eher aufgehoben fühlt, kann sich die zweite Video-Serie der Kompanie gönnen, bei der die einzelnen Tänzerinnen und Tänzer zu sich nach Hause einladen. Allerdings ist jeder Drehort verfremdet worden, hin zu „etwas Metaphysischem“, wie Jacopo Godani erklärte. Auf der Basis der Kostüme und der spezifischen Bewegungsvarianten der Choreografie „Alter Ego“, die im Oktober 2019 im Festspielhaus Hellerau zu sehen war. „#AlterEgo / Ich bin Deutscher Expressionismus“ zeigt mehr als zehn kurze Clips, die, inspiriert von Filmklassikern wie „Metropolis“ und „Nosferatu“ so düster wie beklemmend daherkommen. Für diese Form der filmischen Weiterführung der ursprünglichen Choreografie haben die Tänzerinnen und Tänzer klare Vorgaben gehabt, wie Felix Berning, Tänzer der Kompanie, erläutert: „Für mich ist mein Video eine Übersetzung des filmischen Expressionismus in den zeitgenössischen Tanz. Ich habe versucht, die Atmosphäre, und die Gestik in eine tänzerische Choreografie zu übertragen. Andere Tänzer*innen haben sich in ihren Videos dagegen mehr auf Schauspiel fokussiert. Es gab ganz unterschiedliche Herangehensweisen. Auch die Kulissen sind sehr unterschiedlich gewählt. Das hatte oft einen ganz praktischen Grund, dass man erst einmal einen geeigneten Hintergrund finden muss, nicht jeder Platz eignet sich gut dafür. Da muss man wirklich kreativ werden. Einige von uns haben beispielsweise ihre Keller als Drehorte gewählt.“ Die Ergebnisse sind äußerst beeindruckende Arbeiten, in denen jeweils ganz bewusst die Möglichkeiten des Films wie Kameraperspektive, Schnitte oder Blenden eingesetzt worden sind, um durch diese Zusätze die performative Grundlage ästhetisch-künstlerisch zu erweitern und in ihrer Aussage zu verstärken. Das Konzept geht derart gut auf, dass man sich tatsächlich wünscht, die Clips wären länger.

In einem Making-of verrät Jacopo Godani das Geheimnis hinter den merkwürdigen Extremitäten der Tänzerinnen und Tänzer. Aber wirklich wissen muss man das gar nicht. Um die Wirkung der Ergebnisse in vollen Zügen genießen zu können, genügt jeweils einer der Clips kurz vor dem Schlafengehen. Eine unruhige, sehr unruhige Nacht ist damit garantiert.

Die beiden Videoserien sind auf dem Youtube-Kanal der Dresden Frankfurt Dance Company abrufbar.

Veröffentlicht am 06.02.2021, von Rico Stehfest in Homepage, Kritiken 2020/2021

Dieser Artikel wurde 1366 mal angesehen.



Kommentare zu "Kleine Fingerübung gefällig?"



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung




    Ähnliche Beiträge

    "PEACE WILL COME"

    Marco Goeckes "Good Old Moone" und Jacopo Godanis "Hollow Bones" bei der Dresden Frankfurt Dance Company

    Die Kamera als Partner nutzend fächern Marco Goecke und Jacopo Godani die ganze Kunst des Tanzens auf und kreieren zwei Uraufführungen, die auch im Stream nichts an Kraft einbüßen.

    Veröffentlicht am 30.04.2021, von Rico Stehfest


    LABORERGEBNISSE

    Die Dresden Frankfurt Dance Company testet mit „Lapdance“ neue Möglichkeiten

    Spiel mit Positionen des Publikums und atmosphärischer Langsamkeit: Der zweiteilige Abend im Dresdner Festspielhaus Hellerau vereint „Metamorphers“ aus dem Jahr 2016 und Jacopo Godanis neue Choreografie „Satelliting“.

    Veröffentlicht am 02.02.2020, von Rico Stehfest


    DIESES WILDE TIER IST GEREIZT

    Die TänzerInnen der Dresden Frankfurt Dance Company zeigen in Hellerau eigene Arbeiten

    In fünf eigenen Choreografien zeigen Tänzer und Tänzerinnen der Kompanie eigene Impulse und Gedanken. Das tun sie alle auf hohem Niveau, nur individuelle Handschriften lassen sich nicht ablesen.

    Veröffentlicht am 28.06.2019, von Rico Stehfest


    FLUCH UND CHANCE DER EVOLUTION

    „Ultimatum“, der neue dreiteilige Abend der Dresden Frankfurt Dance Company

    Kraftvoll und sensibel: Die Frankfurter Premiere von Jacopo Godanis Uraufführungen „The small infinite“ und „Ultimatum Part II“ sowie der Neubearbeitung von „Unit in reaction“ wird jubelnd gefeiert.

    Veröffentlicht am 11.03.2019, von Boris Michael Gruhl


    POESIE UND ERSCHRECKEN

    Jacopo Godanis „Extinction Of A Minor Species“ für die Dresden Frankfurt Dance Company im Bockenheimer Depot

    In seiner neuen Kreation nimmt Godani eine Erforschung der Möglichkeiten des Tanzes vor und verbindet Techniken des Balletts mit denen zeitgemäßer Ausdrucksmittel des modernen Tanzes.

    Veröffentlicht am 02.05.2017, von Boris Michael Gruhl


    DIE EIGENE ARBEIT MIT KREATIONEN VON WILLIAM FORSYTHE IN BEZIEHUNG SETZEN

    Die Dresden Frankfurt Dance Company startet in Frankfurt

    Die Spannung im Bockenheimer Depot in Frankfurt war spürbar in Bezug auf „The Primate Trilogy“, die erste Produktion der neu besetzten Kompanie unter ihrem von Forsythe selbst erwählten künstlerischen Direktor und Choreografen Jacopo Godani.

    Veröffentlicht am 04.10.2015, von Boris Michael Gruhl


     

    AKTUELLE NEWS


    ERFOLG FÜR TANZ.MEDIA

    Die Mitgliederversammlung des Dachverband Tanz wählt mit größtmöglicher Zustimmung Nina Hümpel von Tanz.Media in seinen Vorstand.
    Veröffentlicht am 22.09.2021, von tanznetz.de Redaktion


    NEUER FOKUS FÜR "TANZ IM AUGUST"

    Ricardo Carmona übernimmt ab 2023 die Künstlerische Leitung des Berliner Festivals
    Veröffentlicht am 22.09.2021, von tanznetz.de Redaktion


    FOLKWANG BERUFT HENRIETTA HORN

    Henrietta Horn ist Professorin am Institut für Zeitgenössischen Tanz
    Veröffentlicht am 18.09.2021, von tanznetz.de Redaktion



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    ECTOPIA

    Choreographie Richard Siegal 2021, aufgeführt mit SHOOTING INTO THE CORNER (2008-09) von Anish Kapoor

    Seit 2015 bringt das Tanztheater neben Stücken aus dem Repertoire von Pina Bausch auch Kreationen verschiedener Gastchoreograph*innen auf die Bühne.

    Veröffentlicht am 16.09.2021, von Anzeige

    LETZTE KOMMENTARE


    INTENDANTENWILLKÜR AUCH IN MAGDEBURG

    Vermutlich baldiges Ende für Gonzalo Galguera in Magdeburg
    Veröffentlicht am 30.04.2021, von Volkmar Draeger


    ZUSAMMENARBEIT

    Staatliche Ballett- und Artistikschule Berlin und Staatsballett Berlin schließen Kooperationsvertrag
    Veröffentlicht am 10.07.2021, von Pressetext


    EIN SCHWERER VERLUST

    Ismael Ivo ist gestorben
    Veröffentlicht am 09.04.2021, von tanznetz.de Redaktion

    MEISTGELESEN (7 TAGE)


    KINDERBRILLE AUFSETZEN!

    Tanzplan veröffentlicht "Tanzkind" von Andrea Simon und Achim Reissner

    Veröffentlicht am 17.08.2021, von Sabine Kippenberg


    AUSZEICHNUNGEN FÜR IVAN LIŠKA UND JIŘI KYLIÁN

    Die Republik Tschechien ehrt verdiente Choreografen.

    Veröffentlicht am 18.09.2021, von Pressetext


    VORWÜRFE GEGEN TANZDIREKTORIN

    Eine Compliance-Kommission prüft Vorwürfe von Tänzer*innen gegen Mei Hong Lin am Landestheater Linz.

    Veröffentlicht am 17.09.2021, von tanznetz.de Redaktion


    „DAMALS LEBTE ICH NOCH IM PRÄSENS“

    Skoronel Reloaded/Judith Kuckart: „Die Erde ist gewaltig schön, doch sicher ist sie nicht“ in der „Wartburg“ Wiesbaden

    Veröffentlicht am 20.09.2021, von Gastbeitrag


    ALFONSO PALENCIA WIRD BALLETTDIREKTOR IN BREMERHAVEN

    Ab der Spielzeit 2022/2023 tritt der Spanier Alfonso Palencia die Nachfolge von Sergei Vanaev an.

    Veröffentlicht am 14.09.2021, von tanznetz.de Redaktion



    BEI UNS IM SHOP