HOMEPAGE



Dresden

REDUZIERT IN REIZ UND ÄSTHETIK

Die Semperoper Dresden mit einem Ballett-Kalender 2021



Zwei Jahre lang mussten Tanzbegeisterte eine Durststrecke durchleben, in der die Semperoper ohne Ballett-Kalender auskam. Für das neue Jahr ist nun endlich wieder einer erhältlich, nur fällt das Ergebnis in jeglicher Hinsicht reduziert aus.


  • Die Semperoper Dresden mit einem Ballett-Kalender 2021 Foto © Semperoper Dresden

Zwei Jahre lang mussten Tanzbegeisterte eine Durststrecke durchleben, in der die Semperoper ohne Ballett-Kalender auskam. Für das neue Jahr ist nun endlich wieder einer erhältlich, nur fällt das Ergebnis in jeglicher Hinsicht reduziert aus. Auf Hochglanz wurde verzichtet, große Flächen in Pastelltönen neben viel Schwärze kontrastieren die freigestellten Tänzerinnen und Tänzer, die so nicht nur aus dem Kontext der choreografischen Arbeit gerissen, sondern in ihrer Wirkung auch auf eine Form der Figurine beschränkt werden. Zur Unterstützung der Farbästhetik wurden Fotos ausgewählt, auf denen die Tänzerinnen und Tänzer monochrome und damit ebenso reduzierte und grundlegend zeitgenössische Kostüme oder Probenkleidung tragen. Dank des großzügigen Formats (48 cm x 67 cm) ist die optische Wirkung eines jeden Blatts garantiert, bleibt allerdings unter den ästhetischen Möglichkeiten, die der Tanz generell bietet.

Inhaltlich, mit Blick auf die einzelnen choreografischen Arbeiten, ist die Auswahl der Fotos nur mit Mühe nachzuvollziehen. Dass Pina Bauschs „Iphigenie auf Tauris“ gleich mit drei Fotos vertreten ist, macht eine Gewichtung deutlich, die neben weniger bedeutenden Arbeiten wie „These Arms“ von Nicholas Palmquist inkonsequent wirkt. An diesem Punkt erscheint die Auswahl der Fotos nicht repräsentativ für künstlerische Höhepunkte des Hauses.

Die Qualität des Papiers in Kombination mit teilweise offenbar unzureichender Auflösung einzelner Fotos hat auf vielen Blättern einen Mangel an Konturenschärfe zur Folge, was durchaus als optisches Manko gewertet werden kann.

Ein weiterer Aspekt, der diesen Kalender leider nicht zu einem Liebhaberstück werden lässt, das über viele Jahre hinweg eine Wand schmücken kann, liegt in der Entscheidung für eine Klebebindung. Anders als bei einer Spiralbindung lassen sich die einzelnen Monats-Blätter hier nicht nach hinten wegklappen. Ist ein Monat abgelaufen, muss das jeweilige Blatt entfernt werden. Hier hätte ein nachhaltiger gewählter Ansatz vielleicht den Kaufreiz erhöhen können.


Der Semperoper Ballett-Kalender 2021 wurde ermöglicht durch die großzügige finanzielle Unterstützung der Ballettfreunde Semperoper e.V. und ist ab sofort zum Verkaufspreis von 25 Euro im Opernshop in der Schinkelwache sowie online unter semperoper-erleben.de erhältlich. Weitere Informationen unter semperoper.de.

Veröffentlicht am 23.11.2020, von Rico Stehfest in Homepage, Tanzmedien

Dieser Artikel wurde 487 mal angesehen.



Kommentare zu "Reduziert in Reiz und Ästhetik"



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung




    Ähnliche Beiträge

    POESIE UND TRAUM, ABSCHIED, TRAUER UND EIN FEUERWERK DES LEBENS

    Der neue Abend des Semperoper Ballett wird jubelnd gefeiert

    Veröffentlicht am 29.10.2012, von Boris Michael Gruhl


    EIN FEST FÜR FORSYTHE UND DEN TANZ IN DRESDEN

    Das Semperoper Ballett in Hochform

    Veröffentlicht am 29.02.2012, von Boris Michael Gruhl


    TANZGENUSS MIT ZUCKERGUSS

    Der neue „Nussknacker“ vom Semperoper Ballett in Dresden

    Veröffentlicht am 29.11.2011, von Boris Michael Gruhl


     

    LETZTE BEITRÄGE 'TANZ IM TEXT'


    DOPPELSPITZE

    Martine Dennewald und Jessie Mill zur künstlerischen Leitung ernannt
    Veröffentlicht am 27.01.2021, von Pressetext


    RIESENFREUDE

    MAD hat den OUTSTANDING ARTIST AWARD 2020 für Kulturinitiativen erhalten
    Veröffentlicht am 27.01.2021, von Pressetext


    IM STREAM WOMÖGLICH BESSER ALS ANALOG

    Micha Puruckers "flat rooms – flat dances / tracing action" als Live-Stream
    Veröffentlicht am 27.01.2021, von Vesna Mlakar

    MEISTGELESEN (7 TAGE)


    ZUR SPRACHE GEBRACHT

    Gedichtband „Kinder - Tanzgedichte“ erschienen

    Veröffentlicht am 11.01.2021, von Sabine Kippenberg


    “IN DANCING WE NEED TO DEVELOP THE HEART AND THE HEAD"

    An interview with Primaballerina assoluta Violette Verdy

    Veröffentlicht am 12.09.2012, von Annette Bopp


    BALLETTFILM ALS EIGENSTÄNDIGES KUNSTPROJEKT

    Goyo Montero, Ballettdirektor am Staatstheater Nürnberg

    Veröffentlicht am 26.01.2021, von Anna Beke


    SCHRITT FÜR SCHRITT

    Buchneuerscheinung: „Entwicklungsförderung durch Bewegung und Tanz"

    Veröffentlicht am 02.03.2020, von Sabine Kippenberg


    FACETTENREICH

    Buchbesprechung: "Gestische Forschung. Praktiken und Perspektiven"

    Veröffentlicht am 25.01.2021, von Gastbeitrag



    BEI UNS IM SHOP