VORANKÜNDIGUNGEN



Köln

ALL FOR ONE AND ONE FOR THE MONEY

The show must go on...line! Digitale Uraufführung von Richard Siegal / Ballet of Difference am Schauspiel Köln



Das übergreifende Thema ist die digitalisierte Gesellschaft, aber die Aufführungen finden ausschließlich live statt und werden auch nicht aufgezeichnet. Doch der virtuelle Charakter der Performance erlaubt es Menschen auf der ganzen Welt, die Vorstellungen zur gleichen Zeit zu verfolgen – und vor allem selbst (inter-)aktiv zu werden.


  • ALL FOR ONE AND ONE FOR THE MONEY von Richard Siegal / Ballet of Difference am Schauspiel Köln Foto © Thomas Schermer
  • ALL FOR ONE AND ONE FOR THE MONEY von Richard Siegal / Ballet of Difference am Schauspiel Köln Foto © Thomas Schermer
  • ALL FOR ONE AND ONE FOR THE MONEY von Richard Siegal / Ballet of Difference am Schauspiel Köln Foto © Thomas Schermer
  • ALL FOR ONE AND ONE FOR THE MONEY von Richard Siegal / Ballet of Difference am Schauspiel Köln Foto © Thomas Schermer

Von analog zu hybrid zu virtuell: Organisatorisch musste sich Richard Siegals neues Stück in den vergangenen Monaten den sich ständig verändernden Corona-Auflagen anpassen. Das Konzept und der künstlerische Kern blieben davon freilich unberührt. Schließlich war ALL FOR ONE AND ONE FOR THE MONEY von Anfang an auf die Interaktivität mit dem Publikum angelegt – die nun konsequent weiterentwickelt wurde für den virtuellen Raum. Siegal setzt hier die Beschäftigung mit einem Thema fort, für das Digitalität geradezu unabdingbar ist: Wie formen und verformen die sozialen Medien unsere Identität, unsere Werte?
Eine Frage, der sich Siegal bereits in seinem Stück ROUGHHOUSE aus dem Jahr 2018 widmete. Übrigens damals wie heute mit einem Produktionsensemble, welches das Ballet of Difference und das Schauspiel Köln vereint. Die Perfomer*innen reflektieren und dekonstruieren den Technokapitalismus unserer westlichen Gesellschaften auf vielfältigen Ebenen: tänzerisch, dramatisch, beim Gaming – und natürlich im Chat, an dem sich das Publikum hoffentlich sehr aktiv beteiligt.

The show must go on...line!

Vorbereitung ist alles. Die Premiere von Richard Siegals neuem Stück – damals noch unter dem Titel ONE FOR THE MONEY – hätte eigentlich bereits am 9. April 2020 gefeiert werden sollen. Zur Corona-geschuldeten Verschiebung in den November kam nun die erneute coronabedingte Schließung der Kulturinstitutionen. Immerhin hatten die vergangenen Monate Siegal genug Zeit gegeben, einen ausgefeilten Plan B zu entwerfen: seine erste rein für den virtuellen Raum konzipierte Live-Performance. Ein folgerichtiger nächster Schritt – denn der amerikanische Choreograph befasst sich schon lange mit der schönen neuen Welt des Digitalen. Bereits im Jahr 2005 lancierte er die partizipative Online-Plattform IF/THEN OPEN SOURCE. Und im vergangenen Jahr war seine Virtual Reality-Choreographie DAS TOTALE TANZTHEATER Teil des offiziellen Jubiläumsprogramms zu 100 Jahre Bauhaus.

Deshalb heißt es nun: Richard Siegal / Ballet of Difference go digital. Aber – und das ist Richard Siegal wichtig. ALL FOR ONE AND ONE FOR THE MONEY ist keine Dokumentation eines Bühnenstücks. Die Produktion ist gemacht für ein Medium, das im Entstehen begriffen ist. Das übergreifende Thema ist die digitalisierte Gesellschaft, aber die Aufführungen finden ausschließlich live statt und werden auch nicht aufgezeichnet. Doch der virtuelle Charakter der Performance erlaubt es Menschen auf der ganzen Welt, die Vorstellungen zur gleichen Zeit zu verfolgen – und vor allem selbst (inter-)aktiv zu werden.

Live Stream ohne Grenzen

Bei dieser Show ist vieles möglich – und nichts ist gewiss. ALL FOR ONE AND ONE FOR THE MONEY führt die Besucher*innen nicht durch den einen Live Stream mit festem Drehbuch. Das Publikum soll die virtuelle Sphäre des Stücks selbst erkunden und zwischen zeitgleichen Performances wählen. Da bewegen die virtuosen Tänzer*innen des Ballet of Difference ihre Körper auf der Schwelle zwischen virtueller und analoger Realität. Sie rekreieren die Sternstunden von Youtube und unterwandern die Logik eines omnipräsenten Techno-Kapitalismus. Alternativ kann man sich zu den Schauspieler*innen schalten, die vor Webcams sitzen, Online-Games spielen, sich mit dem Publikum über die postfaktische Gesellschaft austauschen oder eine letzte Beichte bei ihren Follower*innen ablegen.

Zur künstlerischen Verstärkung hat sich Siegal langjährige Kollaborationspartner*innen mit ins Boot geholt. Das „winning team“ besteht aus der futuristischen Modeschöpferin Flora Miranda, dem Licht- und Video-Designer Matthias Singer, der bereits für NEW OCEAN und OVAL (Berliner Staatsballett) spektakuläre Räume entworfen hat, sowie dem Musiker Lorenzo Bianchi Hoesch, der eigens für dieses Stück einen berührenden elektronischen Soundtrack komponiert hat.

Richard Siegal / Ballet of Difference und das Schauspiel-Ensemble Köln hoffen auf und freuen sich über aktive Teilnehmer*innen. Sie laden dazu ein, die Anonymität des Internets zu nutzen, alle Scheu abzulegen und den Verlauf der Performance mit zu beeinflussen. Sei es im Live-Chat oder beim Gaming: Mit ALL FOR ONE AND ONE FOR THE MONEY möchten sie gemeinsam mit ihrem Publikum den Cyber-Kapitalismus aus neuen und unerwarteten Perspektiven beleuchten. Sie möchten nachdenken über Gemeinschaft und Identitäten, ideelle und monetäre Werte im virtuellen Raum, über menschliche Beziehungen in den Social Media und nicht zuletzt die digitale Einsamkeit unserer Zeit.

Uraufführung am Freitag, 20. November 2020 um 20:00 Uhr. Weitere Termine werden in Kürze bekanntgegeben.
Alle Informationen unter www.schauspiel.koeln sowie der Link für dieTickets.

Veröffentlicht am 17.11.2020, von Anzeige in Vorankündigungen

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