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Dresden

POSTKARTENERZÄHLUNG

Alexander „Kelox“ Miller mit „Layover“ im Festspielhaus Hellerau



In seiner Master-Arbeit erzählt der Palucca-Absolvent Miller von Erinnerungen. Es sind Reisen, ganz verschiedene, die hier mit dem leisen Klimpern eines Stehaufmännchens beginnen, mit dem der Tänzer einen Dialog zu führen beginnt.


  • Alexander „Kelox“ Miller mit „Layover“ im Festspielhaus Hellerau Foto © Carsten Beier

Über der Bühne hängen sechs überdimensionierte schwarze Rahmen. Leer, ohne Inhalt. In jeden Rahmen gehört eigentlich ein Bild, ein Foto, etwas ganz Persönliches, vielleicht eine Erinnerung. Von diesen Erinnerungen erzählt Alexander „Kelox“ Miller in seiner Arbeit „Layover“ in Hellerau – Europäisches Zentrum der Künste in Dresden. Es ist seine Master-Arbeit, mit der er sein Studium der Choreografie an der Palucca Hochschule für Tanz Dresden abschließt. Und er versteht es, jene Rahmen mit ganz persönlichen Eindrücken zu füllen.
Es sind Reisen, ganz verschiedene, die hier mit dem leisen Klimpern eines Stehaufmännchens beginnen. Mit ihm führt Alexander Miller einen inneren Dialog, einen Austausch, für den er allerdings nicht seine Hände gebraucht. Nähe und Begegnung lässt sich auf verschiedene Weise herstellen.

Die Begegnungen in der Fremde, die darauf folgen, sind kaleidoskopisch. Mal klingt es aus den Lautsprechern, als befände man sich auf einem exotischen Basar, mal erzählt Miller von einer Fahrt durch Havanna in einem 52er Chevrolet. Überhaupt erzählt er viel, vermischt mehrere Sprachen innerhalb eines Satzes, gerät auch ins Mimisch-Gestische. Gleichzeitig leugnet er mit seinem Bewegungsvokabular seinen Hintergrund als Breakdancer („The Saxonz“) nicht. Warum auch? Das Ergebnis ist ein beständiger Wechsel aus äußerst kraftvollen Momenten, die neben ruhiger Innerlichkeit stehen. Stärke und Verletzbarkeit, Aktion und Verinnerlichung halten sich gekonnt die Waage. Er setzt sich selbst in den Rahmen, sozusagen.

Zum Schluss erhält jeder Zuschauer im Wortsinn ein ganz persönliches Bild. Dieses versteckt sich in Form einer Postkarte unter der Sitzfläche des Stuhls und zeigt jeweils eine Reiseimpression. Auf meinem Motiv ist handschriftlich vermerkt: „Peking, China 2018“. Da die Sache mit dem Reisen momentan ja eine recht heikle Sache ist, kann man sich eben diese Urlaubserinnerung in einen Bilderrahmen packen. Hat auch was Schönes. Schlussendlich zeigte sich, dass an diesem Abend jeder im Publikum woanders hingereist war. Kuba, China, Taiwan, Vietnam, Japan, Griechenland…

Veröffentlicht am 15.09.2020, von Rico Stehfest in Homepage, Gallery, Kritiken 2020/2021

Dieser Artikel wurde 362 mal angesehen.



Kommentare zu "Postkartenerzählung"



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