HOMEPAGE



Ludwigshafen

THE SHOW GOES ON

Zum Tanz-Gastspiel von Philippe Decouflé im Ludwigshafener Pfalzbau



Tanz, Gesang, Klavierspiel, Akrobatik und die Rezitation japanischer Gedichte fügt der französsische Choreograf gekonnt zu einem Abend voller kleiner Träumereien zusammen.


  • "Nouvelles Pièces Courtes" von Philippe Decouflé Foto © Laurent Philippe

Während die großen Theater in der Region noch in der Corona-Schockstarre verharrten, präsentierte der Ludwigshafener Intendant Tilman Gersch bereits mit dem Mut der Verzweiflung ein ehrgeiziges Programm für den Herbst, denn als reines Gastspielhaus ist der Pfalzbau auf internationalen künstlerischen Import angewiesen. Der Anlauf scheint sich gelohnt zu haben: Im Pfalzbau wird wieder (fast) normales Theater gespielt. Zum Saison-Auftakt konnte ein im Frühjahr aufgefallenes Tanzgastspiel nachgeholt werden. Die "Nouvelles Pièces Courtes", produziert 2017 und daher ohne alle Abstandsvorbehalte, brachten erfrischende Normalität auf die Bühne – während im Zuschauerraum natürlich ein ausgeklügeltes Hygienekonzept waltete.

Mit Philippe Decouflé gastierte eine der schillerndsten Figuren im Showgeschäft, die die Nahtstelle zwischen Musik, Tanz, Zirkus, Varieté und Film eindrucksvoll besetzt. Der Mann, der mit der Gestaltung der Olympischen Eröffnungs- und Schlussfeiern in Albertville 1992 einen weltweit beachteten künstlerischen Daumenabdruck hinterließ, ist zugleich künstlerischer Leiter des Pariser Kabaretts "Crazy Horse" und Direktor der Compagnie DCA. Wer hier mitmachen will, muss mehr als ein künstlerisches Talent mitbringen; dafür werden auch Künstler*innen eingebunden, die gängigen Erwartungshaltungen in Sachen BMI oder Alter zuwiderlaufen. So mischte in den "Novelles Pièces Courtes", Tanz, Gesang, Klavierspiel, Akrobatik und die Rezitation japanischer Gedichte lässig mit einander verbinden, der fast 60jährige Choreograf selbst mit.

Der Abend beginnt wie eine hingetupfte kleine Träumerei in einem Nachtlokal, einem Flirt mit Klavier, Gesang, Tanz und Artistik, bei dem selbst das Tasteninstrument auf einer beweglichen Drehscheibe das Tanzen lernt. Die hohe Kunst der Leichtigkeit prägt – mit spezifisch französischer Atmosphäre - auch die übrigen kleinen Stücke, die nur durch ein raffiniertes Bühnenbild zusammengehalten werden. Eine Art bühnenhohes Regal mit klappbaren Lamellentüren im Hintergrund ist für optische Überraschungseffekte gut, und im Einsatz von Licht und Filmelementen zeigt Decouflé die Handschrift eines erfahrenen Meisters in der Erschaffung von Traumwelten. Darin dürfen die Zuschauer*innen zumindest in Gedanken nach Belieben herumwandern. Als Gegenstück zu den vielfachen Reglementierungen in Pandemie-Zeiten machte sich diese elegante künstlerische Spielerei besonders gut.

Veröffentlicht am 06.09.2020, von Isabelle von Neumann-Cosel in Homepage, Gallery, Kritiken 2020/2021

Dieser Artikel wurde 860 mal angesehen.



Kommentare zu "The Show goes on"



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung




    Ähnliche Beiträge

    IM VARIETÉ-WUNDERLAND

    Philippe Decouflés „Contact“ als deutsche Erstaufführung in Ludwigshafen

    Von fast allem ein bisschen was steckt in seiner neuen Produktion. Es ist eine Bühnenshow über eine Bühnenshow, also ein Stück, in dem nicht das Ergebnis, sondern der künstlerische Prozess im Mittelpunkt steht.

    Veröffentlicht am 17.02.2015, von Isabelle von Neumann-Cosel


     

    AKTUELLE NEWS


    AUSLOBUNG DEUTSCHER TANZPREIS 2021

    Vorschläge ab sofort möglich
    Veröffentlicht am 14.01.2021, von Pressetext


    FORSYTHE FÜR LEBENSWERK AUSGEZEICHNET

    Deutscher Theaterpreis per Livestream
    Veröffentlicht am 23.11.2020, von tanznetz.de Redaktion


    SCHWARZE BALLERINA ERLEBT DISKRIMINIERUNG

    Rassismus-Vorwürfe am Staatsballett Berlin
    Veröffentlicht am 23.11.2020, von tanznetz.de Redaktion

    MEISTGELESEN (30 TAGE)


    “IN DANCING WE NEED TO DEVELOP THE HEART AND THE HEAD"

    An interview with Primaballerina assoluta Violette Verdy

    Veröffentlicht am 12.09.2012, von Annette Bopp


    SPITZENTANZ ZUM NEUEN JAHR

    Online-Premiere "Paradigma" beim Bayerischen Staatsballett

    Veröffentlicht am 07.01.2021, von Anna Beke


    SCHRITT FÜR SCHRITT

    Buchneuerscheinung: „Entwicklungsförderung durch Bewegung und Tanz"

    Veröffentlicht am 02.03.2020, von Sabine Kippenberg


    DER TANZ LEBT WEITER – TROTZ CORONA

    Die digitale Tanzwelt erblüht

    Veröffentlicht am 20.03.2020, von Deike Wilhelm


    ZUR SPRACHE GEBRACHT

    Gedichtband „Kinder - Tanzgedichte“ erschienen

    Veröffentlicht am 11.01.2021, von Sabine Kippenberg



    BEI UNS IM SHOP