HOMEPAGE



Berlin

BILDER IN BEWEGUNG

Bernd Uhlig fotografiert Körperinszenierungen von Sasha Waltz



Zu sehen im Rahmen des Ausstellungsprojekts „Body Performance“ im Berliner Museum für Fotografie – und soviel sei vorweg genommen: ein absolutes Must für jede*n Kunstinteressierte*n über die Insiderszene von Tanz und Fotografie hinaus!


  • Das Ausstellungsprojekt "Body Performance" im Berliner Museum für Fotografie zeigt u.a. Bernd Uhligs Fotografien zu Sasha Waltz: "Dialoge" in den Sophiensaelen Berlin 1999 Foto © Bernd Uhlig
  • Das Ausstellungsprojekt "Body Performance" im Berliner Museum für Fotografie zeigt u.a. Bernd Uhligs Fotografien zu Sasha Waltz: "Körper" Foto © Bernd Uhlig
  • Das Ausstellungsprojekt "Body Performance" im Berliner Museum für Fotografie zeigt u.a. Bernd Uhligs Fotografien zu Sasha Waltz: "Körper" Foto © Bernd Uhlig
  • Das Ausstellungsprojekt "Body Performance" im Berliner Museum für Fotografie zeigt u.a. Bernd Uhligs Fotografien zu Sasha Waltz: "Körper" Foto © Bernd Uhlig
  • Das Ausstellungsprojekt "Body Performance" im Berliner Museum für Fotografie zeigt u.a. Bernd Uhligs Fotografien zu Sasha Waltz: "Dido & Aeneas" Foto © Bernd Uhlig
  • Das Ausstellungsprojekt "Body Performance" im Berliner Museum für Fotografie zeigt u.a. Bernd Uhligs Fotografien zu Sasha Waltz: "Dido & Aeneas" Foto © Bernd Uhlig
  • Das Ausstellungsprojekt "Body Performance" im Berliner Museum für Fotografie zeigt u.a. Bernd Uhligs Fotografien zu Sasha Waltz: "Dialoge" Foto © Bernd Uhlig
  • Das Ausstellungsprojekt "Body Performance" im Berliner Museum für Fotografie zeigt u.a. Bernd Uhligs Fotografien zu Sasha Waltz: "Dialoge" Foto © Bernd Uhlig

Von Stephanie Schroedter

Körper – zumeist in undefinierbaren Räumen, alltäglichen Rhythmen und Routinen enthoben, scheinbar schwerelos schwebend und doch gekrümmt, gebückt, verdreht, gestaucht oder gestreckt. Als ob diese Körper gegen unsichtbare Widerstände ankämpfen müssten – oder sich selbstvergessen von imaginären Kräften treiben lassen dürfen. Mit ihren schier endlosen und immer wieder neu frappierenden Bewegungsmetamorphosen bilden diese Körper den Nukleus zu Bildern einer Ausstellung, die der international viel beachtete (Musik-)Theater- und Tanzfotograf Bernd Uhlig in den letzten rund zwanzig Jahren aus Choreographien von Sasha Waltz destillierte und rekomponierte, indem er tänzerische Augen-Blicke vom Bühnenraum in einen fotografischen Raum überführte, dabei transformierte, wenn nicht sogar transzendierte.

Sie sind im Rahmen des äußerst ambitioniert konzipierten Ausstellungsprojekts „Body Performance“ in den Räumen der Helmut Newton Stiftung des Berliner Museums für Fotografie zu sehen – und soviel sei an dieser Stelle schon vorweg genommen: Es handelt sich hierbei um ein absolutes Must für jede/n entdeckungsfreudige*n Kunstinteressierte*n, weit über die Insiderszene von Tanz, Theater und Fotografie hinaus!

Da sehen wir Körper, die eine Bildfläche dominieren und sich gleichzeitig in ihr verlieren: schwarz auf weiß, scheinbar unscheinbar und mit Unschärfen versehen, die kontrastreiche Konturen evozieren. Der fotografischen Zweidimensionalität beharrlich trotzend muten diese Körperbilder durch ihre Plastizität wie Skulpturen an, gleichzeitig überwinden sie durch ihre eigenwillige Dynamik jegliche Distanz zu ihren Beobachter*innen. Diese Körper sind unmittelbar greifbar und doch seltsam unbegreiflich – Nähe und Ferne zugleich, um sich diesem Phänomen mit Walter Benjamins vielstrapazierten und doch so überzeugenden Begriffen von Spur und Aura zu nähern.

Nicht weniger gelingt es Uhlig, das suggestive Potenzial von Räumen fotografisch einzufangen: Räume, die in ihrer Weite und Höhe unbegrenzt erscheinen, und denen trotz Kargheit eine bezwingende, wenn nicht sogar überwältigend berauschende Intensität innewohnt. Räume, die Körper zum Verschwinden bringen können. Und doch sind es Körper, die diese Räume zuallererst (als Erfahrungsräume) entstehen lassen – erst durch sie erhalten diese Räume eine lebendige Dynamik, die scheinbar Unvereinbares miteinander verwebt: Stillstand und Bewegung. Gerade durch die fotografische Überformung der realen Körperinszenierungen mutet die choreografierte Bewegung merkwürdig still an, und erst der Stillstand offenbart die Quellen der tänzerischen Bewegungsimpulse.

Eine eindringliche Ambivalenz durchzieht diese Fotos – es geht niemals um klares Verstehen und eindeutiges Erkennen, stattdessen geben diese Bilder Rätsel auf, und mehr: sie eröffnen Fragen, die nicht unbedingt beantwortet werden wollen. Frei von dokumentarischen Zwängen scheinen diese Fotos vor allem danach zu fragen, was Körper ausmacht, wo sich Körper (durch Bewegung) bilden, was Körper (bei sich selbst und bei ihrem Gegenüber) bewirken (können) und wo sich Körper (durch Bewegung) auflösen.

Repetition als Wiederholung von Ähnlichem, aber niemals Gleichem, und Kontrapunkt als Gegenüberstellung gegensätzlicher und doch einander verwandter Formen oder Dynamiken sind zweifellos zentrale Parameter dieser Bildrhythmen. Skurrile Gestalten bis hin zu Kippfiguren und irritierende Körperformationen sind dabei willkommene Themen und Motive, die Ausgangspunkte zu den vielfältigen Variationen dieser Bildkompositionen bilden. Dennoch geht es nicht um Tänzerportraits, sondern um das wagemutige Unternehmen einer Portraitierung von Tanz – verstanden als künstlerisch gestaltete Körperbewegungen abseits alltäglicher Erfahrungswirklichkeiten (selbst wenn sie dort ihren Ursprung haben). Und so ist es letztlich vor allem unsere Wahrnehmung, die durch Bernd Uhligs Fotos in Bewegung gerät – und es ist unsere Imagination, die diese Körperbilder (bildlichen Körper) und Bildkörper (körperlichen Bilder) in Bewegung hält.

Veröffentlicht am 16.08.2020, von Gastbeitrag in Homepage, Gallery, Tanzmedien

Dieser Artikel wurde 757 mal angesehen.



Kommentare zu "Bilder in Bewegung"



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung



     

    LETZTE BEITRÄGE 'TANZ IM TEXT'


    NACHTMAHR BEI TAGE

    Maria Chiara de’Nobili macht mit „Almost nothing“ in Dresden Alzheimer sichtbar
    Veröffentlicht am 20.09.2020, von Rico Stehfest


    TANZENDE HÜHNER

    „Bildzerstörer“ von Bodytalk und Teatr Rozbark im Pumpenhaus Münster
    Veröffentlicht am 20.09.2020, von Gastbeitrag


    EIN RAUM FÜR ALLE

    Ein Studio für die freie Tanzszene in Heidelberg
    Veröffentlicht am 19.09.2020, von Alexandra Karabelas



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    FROM BERLIN WITH LOVE II

    Am 18., 19. und 20. September 2020 kommt mit FROM BERLIN WITH LOVE II das zweite Gala-Programm des Staatsballetts Berlin in der Staatsoper Unter den Linden zur Aufführung.

    Das zweite Gala-Programm des Staatsballetts Berlin in der Staatsoper Unter den Linden präsentiert geballte klassische Höchstleistung aus den Produktionen DON QUIXOTE, SCHWANENSEE, LE CORSAIRE und GISELLE.

    Veröffentlicht am 15.09.2020, von Anzeige

    LETZTE KOMMENTARE


    VORWÜRFE GEGEN TANZAUSBILDUNG

    Verdacht auf Missstände an der Staatlichen Ballettschule Berlin
    Veröffentlicht am 25.01.2020, von tanznetz.de Redaktion


    STAATLICHE BALLETTSCHULE BERLIN– KEIN ENDE IN SICHT

    Seyffert geht gegen Freistellung und Hausverbot vor. Bisher ohne Erfolg.
    Veröffentlicht am 19.05.2020, von tanznetz.de Redaktion


    STABEL WILL SCHULLEITER AN DER STAATLICHEN BALLETTSCHULE BERLIN BLEIBEN

    Der Gütetermin um freigestellten Ballettschuldirektor scheitert. Der Zwischenbericht der Untersuchungskommission sorgte vorab für kontroverse mediale Resonanz.
    Veröffentlicht am 12.05.2020, von tanznetz.de Redaktion

    MEISTGELESEN (30 TAGE)


    SCHRITT FÜR SCHRITT

    Buchneuerscheinung: „Entwicklungsförderung durch Bewegung und Tanz"

    Veröffentlicht am 02.03.2020, von Sabine Kippenberg


    GEWONNEN UND VERLOREN

    Ralf Stabel kehrt nicht an die Staatliche Ballettschule zurück

    Veröffentlicht am 03.09.2020, von tanznetz.de Redaktion


    ENDE UND NEUANFANG

    "From Berlin with Love I" am Staatsballett Berlin

    Veröffentlicht am 31.08.2020, von Hartmut Regitz


    STABEL WILL SCHULLEITER AN DER STAATLICHEN BALLETTSCHULE BERLIN BLEIBEN

    Der Gütetermin um freigestellten Ballettschuldirektor scheitert. Der Zwischenbericht der Untersuchungskommission sorgte vorab für kontroverse mediale Resonanz.

    Veröffentlicht am 12.05.2020, von tanznetz.de Redaktion


    XENIA WIEST KOMMT NACH SCHWERIN

    Das Mecklenburgische Staatstheater bekommt mit Xenia Wiest eine neue Ballettdirektorin

    Veröffentlicht am 01.09.2020, von tanznetz.de Redaktion



    BEI UNS IM SHOP