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Düsseldorf / Duisburg

„EINE GNADE, EIN GLÜCK“

10 Jahre Martin Schläpfer beim Ballett am Rhein – ein filmischer Abschiedsgruß



Mit dem einstündigen Film „b.ye – Martin Schläpfer“ verabschiedet sich das Ballett am Rhein von seinem Direktor, der die Kompanie 10 Jahre lang mit 43 Programmen geprägt hat und jetzt nach Wien wechselt.


  • "b.ye – Martin Schläpfer" - ein Abschiedsfilm des Ballett am Rhein für ihren scheidenden Ballettdirektor Foto © Deutsche Oper am Rhein

Es ist ein ebenso behutsam-zärtlicher wie bunter Strauß an gesprochenen und getanzten Abschiedsgrüßen, den die Deutsche Oper am Rhein in Form des Films „b.ye – Martin Schläpfer“ ihrem langjährigen Ballettdirektor gewunden hat. Drei Uraufführungen hat Remus Sucheana dazu beigetragen, früher Ensemblemitglied und seit einigen Jahren als Ballettdirektor an der Seite Schläpfers tätig, eine Überraschung für den scheidenden künstlerischen Direktor vorzubereiten, der mit der nächsten Spielzeit das Ballett der Wiener Staatsoper übernimmt.

Die drei Stücke Sucheanas, die schon unter den geltenden Abstandsregeln entstanden sind, „Living Room 1, „Sarabande“ und „Living Room 2“, sind eingebettet in Grußworte sehr unterschiedlicher Art. Da ist natürlich Axel Kober, der Generalmusikdirektor, der mit Schläpfer zusammen gekommen ist und seine erste Produktion in Wien unterstützen wird. Und da ist der Generalintendant der Deutschen Oper am Rhein, Prof. Christoph Mayer, der nicht „Tschüss“ sagt, sondern ein bedeutungsvolles „Auf Wiedersehen“. Da sind Wegbegleiter*innen und Freund*innen aus aller Welt: Jürgen Wiebicke, Moderator bei WDR 5; Thomas Geisel, Oberbürgermeister der Stadt Düsseldorf; Sören Link, Oberbürgermeister von Duisburg; Hans-Georg Lohe, Kulturdezernent Düsseldorf; Joan Matabosch Grifoll, künstlerischer Direktor des Teatro Real Madrid; Richard Chen See, Ex-Tänzer und Repetitor der Paul Taylor American Modern Dances; Ted Brandsen, Direktor des Het Nationale Ballett Amsterdam; Marco Goecke, Choreograph; Young Soon Hue, Tänzerin, Choreografin, Pädagogin, die schon in Basel mit Schläpfer gemeinsam auf der Bühne gestanden hat und die 14 Jahre nach ihrem Bühnenabschied von ihm für seine „Schwanensee“-Adaptation in der Rolle der Mutter noch einmal auf die Bühne zurückgekehrt ist; Denys Prohayev, Pianist; Nadja Kadel, Dramaturgin; Gert Weigelt, Fotograf (der eine hinreißend charmant-verschmitzte Tanzhommage auf das Parkett seiner Küche legt); Hans van Manen („ich vermisse Dich nicht wirklich, ich gehe sowieso mit Dir nach Wien, aber das Publikum in Düsseldorf wird Dich vermissen ...“); Anne do Paço, Leitende Dramaturgin; Alexandra Stampler-Brown, Geschäftsführende Direktorin und Wienerin, gibt unschätzbar wertvolle Hinweise auf das verklausulierte Idiom in der österreichischen Hauptstadt, darunter mit am wichtigsten der Hinweis: „Wenn es heißt: ‚das werden wir schon sehen‘, rechne damit, dass es nicht stattfinden wird ...“, und: „Immer darauf achten: zwischendurch ausrasten!“ Das emotionalste und berührendste Grußwort kommt von Natalia Horecna, die der Corona-Lockdown daran gehindert hat, in Düsseldorf mit dem Ballett zu arbeiten, und die aus dem Stegreif aus ihrer Wohnung in Den Haag ungeschminkt und unprätentiös eine ungemein warmherzige Hommage an Schläpfer in die Kamera spricht: „Continue that amazing journey, wherever you are, you have tons of inspirations to bring, let it stream from inside of you ...“ Besonders bewegend auch ein Ausschnitt aus „El Adios“ mit der Tanzkompanie „Flamencos en Route“.

Die Bühne, so sagt Schläpfer, sei für ihn immer „ein sakraler Raum“ gewesen, und die Zeit in Düsseldorf und Duisburg „eine Ära für Nordrhein-Westfalen“, für den Tanz in Deutschland „eine wichtige“, in ihrer „Fülle und Vielfalt einzigartig in diesem Land – ich weiß nicht, ob das bewusst ist“. Jetzt habe er noch „die Kraft für einen neuen Schritt, nicht um das Ideal zu finden oder es besser zu haben“, Wien sei einfach „ein Kosmos“. Das Besondere des Balletts der Wiener Staatsoper sei „diese Einbettung in die Musikmetropole“. Es sei „die einzige Ballettkompanie weltweit“, wo die Tänzer*innen „auch Operetten-, Musical- und Operndienste leisten“. Für ein Ensemble dieses Ranges sei es „unsinnig zu trennen zwischen zeitgenössischem Tanz und Klassik oder Neoklassik“. Beides sei zu tanzen und in den Spielplan zu integrieren. Er wolle künftig die „breite Palette dieser Sparte zeige und viele ansprechen“. Glückauf, Martin Schläpfer!

Der Film ist unter diesem Link noch bis zum 31. August 2020 abrufbar.

Veröffentlicht am 13.07.2020, von Annette Bopp in Homepage, Gallery, Tanzmedien

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