HOMEPAGE



New York

DANCE!

Lucinda Childs wird 80 und wirkt heute noch radikal und neu



Die amerikanische Tänzerin, Choreografin und Legende des Postmodernen Tanzes wird heute 80 Jahre alt. Die Klassikerin der Postmoderne hält ein lebendiges, immer noch avantgardistisches Werk vor, das aktuell eine Renaissance erfährt.


  • "Grands Fugues" von Lucinda Childs Foto © Stofleth
  • "Grands Fugues" von Lucinda Childs Foto © Stofleth

Sie gehört zu der kleinen Gruppe von Choreograf*innen, die das damalige Verständnis von Tanz in den siebziger Jahren revolutionierte. Als waschechte New Yorkerin besucht Lucinda Childs eine private Mädchenschule in der Upper East Side Manhattens. Bereits mit sechs Jahren beginnt sie zu tanzen und wird unter anderem professionell von Hanya Holm und Helen Tamiris unterrichtet und ausgebildet. Außerdem studiert sie nach ihrem B.A. am privaten Sarah Lawrence College in New York unter anderem bei Merce Cunningham. Im Cunningham Studio trifft sie in den 1960er Jahren Yvonne Reiner und durch sie 1963 auf das Judson Dance Theater, das ihren künstlerischen Werdegang maßgeblich prägte und ihr den Weg zur Ikone der Postmoderne ebnete.

Anfang der 1970er Jahre gründet sie ihre eigene Kompanie, die Lucinda Childs Dance Company, die bis 2018 existierte, und ist bereits Anfang der 1980er Jahre als Choreografin weltweit gefragt. Grund dafür ist sicherlich vor allem das 1979 entstandene Stück „Dance“, das sie mit Konzeptkünstler Sol LeWitt und Komponist Philip Glass erarbeitete und das in die Tanzgeschichte einging. Sie rekonstruierte "Dance" selbst mit ihrer Kompanie im Jahre 2009 und tourte damit um die Welt. Bis jetzt erarbeitete sie über 50 Solo- und Gruppenstücke.

Ihre Arbeiten werden aktuell (nicht nur) durch ihre Nichte lebendig gehalten: „Lucinda Childs gilt als Ikone des Postmodern Dance und ist Mitbegründerin des Judson Dance Theater. Sie ist zufällig auch meine Tante.“ So Ruth Childs, die ihr eine große Ehre erwies: „Wir haben beschlossen, drei ihrer Solos, die sie in den 1960er Jahren in New York choreografiert und selbst getanzt hat, wiederaufzuführen: Pastime, Carnation und Museum Piece.“ (Ruth Childs) In „Pastime“, ihrer ersten choreografischen Arbeit aus dem Jahre 1963, studiert Lucinda Childs den angespannten Körper bis ins kleinste Detail und nimmt verwendet ihn fast quasi als Requisit. In „Carnation“ (1964) führt sie Küchen- und Putzutensilien ad absurdum und hinterfragt somit auch gleich die Rolle der Frau im privaten Haushalt. Und in „Museum Piece“ (1965) beschreibt sie Anwesenheiten und Positionen von Tanz, die sie in voller Körperbeherrschung und unglaublich klar darstellt. Lucinda Childs steht für ihre minimalistischen Bewegungen, die in ihren Arbeiten die Komplexität der zu verhandelnden Themen sogar noch unterstreichen.

2001 wird Lucinda Childs bei den New Yorker Bessie Awards für ihr Lebenswerk geehrt und 2017 bei der Tanz Biennale in Venedig. Bleibt zu wünschen, dass Lucinda Childs nach dem kürzlichen Verlust von Sally Banes der Tanzwelt noch lange erhalten bleibt. Zumindest ihr Werk wirkt lebendig weiter u.a. aktuell auch durch die Kompanie Dance On, die im Herbst diesen Jahres zu ihren Ehren einen Childs-Abend „Works In Silence“ kreieren wird. Darin tanzen die Tänzer*innen des Ensembles Childs Choreografien aus den 70er Jahren, die noch heute radikal und neu erscheinen. „Ich habe diese Stücke unterrichtet und selbst welche davon aufgeführt. Mehrmals hielt das Publikum sie für die Werke eines neuen Avantgarde-Choreografen. Entsprechend überrascht waren sie, dass die Stücke bereits in den Siebzigern entstanden waren.“, so der künstlerische Leiter des Dance On Ensembles, Ty Boomershine, im Interview mit dem Tagesspiegel. Pure Vorfreude!

Veröffentlicht am 25.06.2020, von tanznetz.de Redaktion in Homepage, Gallery, Leute

Dieser Artikel wurde 1741 mal angesehen.



Kommentare zu "Dance!"



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung



     

    LEUTE AKTUELL


    INTENDANTENWILLKÜR AUCH IN MAGDEBURG

    Vermutlich baldiges Ende für Gonzalo Galguera in Magdeburg
    Veröffentlicht am 30.04.2021, von Volkmar Draeger


    ABSCHIED VON URSULA BISCHOFF-MUßHAKE

    Die unermüdliche Tanzpädagogin starb im Alter von 94 Jahren
    Veröffentlicht am 25.03.2021, von Gastbeitrag


    TRÄUMEN MUSS MAN LIVE

    Renate Killmann im Gespräch mit Antoine Jully
    Veröffentlicht am 12.03.2021, von Renate Killmann



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    DANCE 2021

    Digital und weltweit: Das DANCE Festival vom 6. bis 16. Mai 2021

    DANCE, das internationale Festival für zeitgenössischen Tanz der Landeshauptstadt München, zeigt vom 6. bis 16. Mai mit einem fast ausschließlich digitalen – dafür weltweit zugänglichen – umfangreichen Programm die breite Vielfalt und neuesten Entwicklungen des zeitgenössischen Tanzes.

    Veröffentlicht am 26.01.2021, von Pressetext

    LETZTE KOMMENTARE


    INTENDANTENWILLKÜR AUCH IN MAGDEBURG

    Vermutlich baldiges Ende für Gonzalo Galguera in Magdeburg
    Veröffentlicht am 30.04.2021, von Volkmar Draeger


    EIN SCHWERER VERLUST

    Ismael Ivo ist gestorben
    Veröffentlicht am 09.04.2021, von tanznetz.de Redaktion

    MEISTGELESEN (7 TAGE)


    INTENDANTENWILLKÜR AUCH IN MAGDEBURG

    Vermutlich baldiges Ende für Gonzalo Galguera in Magdeburg

    Veröffentlicht am 30.04.2021, von Volkmar Draeger


    DEUTSCHER TANZPREIS FÜR HEIDE-MARIE HÄRTEL

    Ein zeitgemäßes Selbstverständnis spiegeln auch die Juryentscheide für Adil Larakis, Ursula Borrmann und Claire Cunningham

    Veröffentlicht am 28.04.2021, von Rico Stehfest


    HEUTE IST WELTTANZTAG

    „Unsere körperliche und mentale Beweglichkeit wird uns helfen, diese Krise zu bewältigen!“

    Veröffentlicht am 29.04.2021, von Pressetext


    "PEACE WILL COME"

    Marco Goeckes "Good Old Moone" und Jacopo Godanis "Hollow Bones" bei der Dresden Frankfurt Dance Company

    Veröffentlicht am 30.04.2021, von Rico Stehfest


    AUSZEICHNUNG FÜR JASON BEECHEY

    Jason Beechey erhält Ken McCarter Award for Distinguished NBS Alumni

    Veröffentlicht am 30.04.2021, von Pressetext



    BEI UNS IM SHOP