VORANKÜNDIGUNGEN



Linz

CINDERELLA

Tanzabend von Mei Hong Lin feiert am 29. Februar 2020 am Landestheater Linz Premiere.



Ein unterdrücktes Mädchen emanzipiert sich Kraft ihres eigenen Willens sowie mit Unterstützung überirdischer Mächte und findet Ihr Glück – und heiratet dazu noch den Prinzen. Und wenn sie nicht gestorben sind…


  • Foto © Sakher Almonem
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KINDER BRAUCHEN MÄRCHEN – ERWACHSENE SOWIESO!

Seit Bruno Bettelheim wissen wir, dass Märchen Kindern die Möglichkeit geben, innere Konflikte auf dem Weg der geistigen und seelischen Entwicklung zu erfassen, fantasievoll auszuleben und damit zu lösen. In seiner populärsten Publikation The Uses of Enchantment verfechtet Bettelheim die Auflösung der Irrationalität in den Märchen als eine große Chance, weil sich die Kinderseele hier mit ihren eigenen Ängsten, Sehnsüchten, Visionen und Hoffnungen aufgehoben und verstanden fühlt. Das wunderbare aber scheint zu sein, dass Märchen sich für jede*n Leser*in in den unterschiedlichen Lebensstufen anders rezipieren lassen und Sinnbedeutung(en) geben. Somit können Märchen zu (Über-)Lebenshilfen werden, mit der Vision des glücklichen Ausgangs einer Situation. Natürlich lässt sich nun ins Feld führen, dass Märchen grausam und sadistisch sind, vielleicht vermitteln sie - durch ihre zahlreichen Veränderungen und Fassungen - oft das Zerrbild einer bürgerlichen Gesellschaft, die nicht nur mit Strafe droht, sondern Konflikte gar mit Gewalt löst. Die Märchenwelt kann brutal sein.

Bettelheim setzt dem entgegen, dass die Märchen den Menschen dazu verführen, Konfliktsituationen und Mühsale, als solche anzuerkennen und einen Lösungsansatz zu suchen und überhaupt: Das Leben ist kein Ponyhof - manchmal ist es eben ein ziemlich dorniges Gestrüpp. Leben Sie ihr Leben – oder lebt ihr Leben Sie? „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute“ – hierin formuliert sich die erlaubte Hybris, die Sehnsucht nach dem ewigen Leben. Märchen weisen uns einen Weg, wie wir dieses Leben in den Grundfesten der bürgerlichen Tugenden, Respekt, Moral und Toleranz meistern können – mit der Gewissheit, dass am Ende das Gute gegen das Böse siegen wird. Märchen konfrontieren uns mit menschlicher Niederträchtigkeit, primitiven Trieben sowie hoher Emotionalität und verlangen dazu von uns eine Haltung, eine Positionierung.

Märchen geben vor allem eines: Hoffnung. Hoffnung und Visionen sind das, was wir als Menschen in unserer krisenbehafteten und zerbrechlichen Gegenwart brauchen – vielleicht auch, um diese Gegenwart zu verändern und zu gestalten: um unser eigenes Leben endlich aktiv in die Hand zu nehmen und aus dem unansehnlichen Dornengestrüpp wieder einen duftenden Rosenstock zu zaubern. Märchen sind einfache Geschichten, aber auch universelle Erzählungen und bilden somit ein großes Narrativ der Menschheit. Sie erzählen von unseren Träumen und unserer Verzweiflung, mit Lösungsansätzen utopischer Art, um als Mensch überleben zu können, in einer schnelllebigen Zeit von Überforderung und Unruhe sowie politischen und wirtschaftlichen Katastrophen. Märchen appellieren an die Unvernunft und die Möglichkeit, wieder an das Gute und den Umsturz zu glauben.

Mei Hong Lin erzählt in ihrer Cinderella die Geschichte von der Sehnsucht nach Glück, nach Geborgenheit, nach Liebe und einem glücklichen Leben sowie dem Aufstieg zum Ruhm aus eigener Kraft heraus, allen Umständen und Irrwegen zum Trotz. Cinderella zeigt großen Mut. Mei Hong Lin beweist choreografisch erzählerisch, dass das bekannte Zitat aus Schuberts Wanderer (Text von Georg Philipp Schmidt von Lübecks), „dort, wo du nicht bist, dort ist das Glück“, nicht zutreffen muss, wenn man mit Mut und etwas Geschick, das Leben neu hinterfragt und beschließt seine Sehnsüchte und Wünsche zu leben. Ein wenig erzählt Mei Hong Lin aber auch von sich selbst, aus ihrer eigenen Biografie, von ihrem Weg aus Taiwan nach Europa, auf die großen Tanztheaterbühnen der Welt. Nichts ist unmöglich, wenn man daran glaubt! Ein Tanztheaterstück für ALLE die Märchen lieben und sich vom Leben nicht (mehr) abschrecken lassen wollen.


Premiere Samstag, 29. Februar 2020, 19.30 Uhr
Großer Saal Musiktheater


Die weiteren Vorstellungstermine:
4., 15., 21., 28. März, 1., 4., 12., 13., 17., 30. April, 26., 29., 31. Mai, 5., 19. Juni 2020

Musikalische Leitung: Marc Reibel
Choreografie und Inszenierung: Mei Hong Lin
Bühne und Kostüme: Dirk Hofacker
Lichtdesign: Johann Hofbauer
Dramaturgie: Thorsten Teubl

Veröffentlicht am 27.02.2020, von Anzeige in Vorankündigungen

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