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AKKULADUNG: 120 PROZENT

Louise Lecavalier mit "Stations" im Festspielhaus Hellerau



In ihrer neuen Arbeit, die musikalisch von treibenden Beats dominiert wird, durchläuft Louise Lecavalier vier Stationen, boxt sich durch und am Ende tanzt sie die Dunkelheit einfach weg.


  • Louise Lecavalier mit "Stations" im Festspielhaus Hellerau Foto © Dieter Wuschanski
  • Louise Lecavalier mit "Stations" im Festspielhaus Hellerau Foto © Dieter Wuschanski
  • Louise Lecavalier mit "Stations" im Festspielhaus Hellerau Foto © Dieter Wuschanski
  • Louise Lecavalier mit "Stations" im Festspielhaus Hellerau Foto © Dieter Wuschanski
  • Louise Lecavalier mit "Stations" im Festspielhaus Hellerau Foto © Dieter Wuschanski
  • Louise Lecavalier mit "Stations" im Festspielhaus Hellerau Foto © Dieter Wuschanski
  • Louise Lecavalier mit "Stations" im Festspielhaus Hellerau Foto © Dieter Wuschanski

Eigentlich ist es völlig egal, was Louise Lecavalier auf der Bühne macht. Ihre Ausstrahlung und Präsenz sind es, die die kanadische Tänzerin zu einem Magneten für das Publikum machen. Wer sie schon einmal erlebt hat, weiß, dass diese Frau komplett aus Energie besteht. Und das in einem Alter, in dem nicht nur Tänzer*innen schon lange in Rente gegangen sind.

In ihrer neuen Arbeit "Stations", die musikalisch von treibenden Beats dominiert wird, durchläuft Louise Lecavalier vier Stationen, ohne das eine Erklärung dieser notwendig ist. Jahreszeiten, Himmelsrichtungen - solche Lesarten spielen keine Rolle. Die Bühne ist und bleibt ihr ganz persönlicher Battleground. Und hier ist sie noch näher ganz bei sich selbst als in ihren bisherigen Arbeiten. Introspektiv arbeitet sie sich wie schon in "So blue" und "Battleground" in hauptsächlich geradlinigen Bewegungen über den Boden, der nur rechte Winkel zu bieten scheint. Teilweise wirkt es, als bewege sie sich auf einem Förderband. Es ist diese Fußarbeit, dieses Trippeln, das ihr so eigen ist.

Klar ist, dass sich diese Künstlerin bewegen muss. Die Bewegung ist unausweichlich. Bewegung ist ihr Sein. Das aber wirkt überraschend über einen Großteil der Arbeit hinweg fast konzeptlos, improvisiert. Im Vergleich zu ihren bisherigen Arbeiten scheint da etwas zu fehlen. Hört man allerdings auf, über diesen Frontalangriff nachzudenken und lässt einen intuitiven Zugang zu, wird zum Glück wieder deutlich: Sie weiß, was sie tut. Diese Beliebigkeit führt hinters Licht, denn sie ist nur eine vermeintliche.

Vier aufrecht stehende Pfosten begrenzen die Tanzfläche, allerdings herausgenommen aus der strengen Geometrie, fast wie willkürlich platziert. Irgendwann beginnen sie zu leuchten. Grün, eine Art Anzeige. Es ist der Ladezustand eines Akkus. Und der rutscht eben auch mal in den roten Bereich. Nur trifft das nicht auf die Energie der Tänzerin zu. Louise Lecavalier arbeitet ganz in schwarz gekleidet mit ihren bloßen Armen. Im Lauf des Abends zieht sie sich eine schwarze Jacke über. Damit bedeckt sie nicht nur ihre Arme. Es ist dieselbe Jacke, die sie bereits in "Battleground" trug. Das ist persönlich. Sehr persönlich. Sie erklärt aber nichts.

Erst gegen Ende hin, ganz unvermittelt, schwenkt Louise Lecavalier um, von der getriebenen Geschwindigkeit schaltet sie mehrere Gänge herunter und zeigt dann die Präzision, für die sie bekannt ist, ganz langsam und konzentriert. Und mit einem Mal ergibt alles Sinn. Sie boxt sich durch, im Wortsinn. Sie tanzt die Dunkelheit einfach weg. Mit Erfolg. Denn sie hat ganz augenscheinlich eine ganze Menge begriffen.

Veröffentlicht am 24.02.2020, von Rico Stehfest in Homepage, Gallery, Kritiken 2019/2020

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