NEWS 2019/2020



Hamburg

KULTURAUSTAUSCH ZUR FLUCHT MISSBRAUCHT

Probleme beim internationalen Tanzaustausch



Die Verweigerung der Einreise für die Tanzschüler*innen aus der Elfenbeinküste zur Teilnahme an der 7. Biennale Tanzausbildung fällt zusammen mit dem Bekanntwerden der Flucht junger Tänzer in Berlin.


  • "Das Sandwich Syndrom - Pris en sandwich entre deux continents" von Franck Edmond Yao Foto © Franck Edmond Yao

Seit Montag, den 17. Februar, steht Hamburg ganz im Zeichen der 7. Biennale Tanzausbildung, dem Tanztreffen der AK|T Ausbildungskonferenz Tanz, und dem Tanzfestival "FOKUS TANZ" auf Kampnagel. Hamburg wurde zur "City of Dances", so das diesjährige Motto der beiden Veranstaltungen. Überschattet wurde das internationale Treffen jedoch bereits bei der Eröffnung am ersten Abend, als bekannt wurde, dass die Tänzer*innen der GLS_LA fabrique culturelle aus Abidjan, Elfenbeinküste keine Visa erhalten hatten. Lediglich der Leiter der Schule, Franck Edmond Yao, und sein Schüler Djédjé Éric Gbadie, die durch frühere Projekte bereits über Einreisevisen für Europa verfügten, konnten ihre Schule repräsentieren. Amelie Deuflhard, Intendantin von Kampnagel, kritisierte dieses restriktive Vorgehen der Behörden in ihrer Eröffnungsrede deutlich und verwies auf die große Bedeutung des internationalen Austauschs für Kunstschaffende. Dieses Vorgehen sei leider immer häufiger anzutreffen und erschwere internationale Kulturprogramme zunehmend. Auch Hamburgs Kultursentor Carsten Brosda betonte seine Solidarität mit den jungen Künstler*innen und sicherte seine Unterstützung bei zukünftigen Projekten zu. Meist geht es bei der Verweigerung der Einreisvisa um den "Rückkehrwillen" der Reisenden, der von den Behörden in Frage gestellt werde.

Dass diese Befürchtungen leider nicht immer unbegründet sind, zeigt ein parallel zur Eröffnung der Biennale bekanntgewordener Vorfall aus Berlin. Im Rahmen eines Kulturaustauschprogrammes zwischen der Jugendtheaterwerkstatt Spandau und der Kompanie "Les Pieds dans la Mare" aus Abidjan, sind fünf junge Tänzer untergetaucht. Jenny Mezile, die Leiterin der ivorischen Kompanie, ist enttäuscht über diesen Verlauf des Projekts. Leider ist ihr diese Situation jedoch nicht unbekannt, auch wenn die Flucht junger Künstler*innen in den meisten Fällen allen Beteilligten schade, wie die Berliner Zeitung berichtet.

In den letzten Tagen wurde so geballt deutlich, vor welchen (neuen) Herausforderungen die internationale Kunstszene steht. Die jungen Tanzkünstler*innen auf der Biennale engagieren sich bereits jetzt mit Unterschriftenaktionen wie unter anderem die taz berichtete. Wie weit sich die etablierten Akteur*innen der Tanzszene auch außerhalb der gerade stattfindenen Festivals Gehör verschaffen können und welche Unterstützung sie von seiten der Politik erfahren werden, bleibt abzuwarten.

Veröffentlicht am 21.02.2020, von tanznetz.de Redaktion in News 2019/2020, Homepage, Gallery

Dieser Artikel wurde 2735 mal angesehen.



Kommentare zu "Kulturaustausch zur Flucht missbraucht"



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung



     

    LETZTE BEITRÄGE 'TANZ IM TEXT'


    BETTINA MASUCH GEHT NACH ST. PÖLTEN

    Ab 2022 übernimmt Masuch die Künstlerischer Leitung des Festspielhaus St. Pölten
    Veröffentlicht am 30.10.2020, von tanznetz.de Redaktion


    IM AMT

    Kündigung von Gregor Seyffert nicht rechtmäßig
    Veröffentlicht am 29.10.2020, von tanznetz.de Redaktion


    WEITERTANZEN

    TANZPAKT RECONNECT fördert 51 Maßnahmen mit 5,5 Millionen Euro
    Veröffentlicht am 29.10.2020, von Pressetext



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    STEPHAN HERWIG :: IN FELDERN

    Das neue Tanzstück von Stephan Herwig feiert am Donnerstag, 29. Oktober 2020, in München Premiere.

    Das differenzierte Zusammenspiel von Tanz, Raum und Licht prägt Stephan Herwigs Choreografien - für seine neue Arbeit ergänzt und bereichert durch ein Objekt mitten im Bühnenraum.

    Veröffentlicht am 11.09.2020, von Anzeige

    LETZTE KOMMENTARE


    VORWÜRFE GEGEN TANZAUSBILDUNG

    Verdacht auf Missstände an der Staatlichen Ballettschule Berlin
    Veröffentlicht am 25.01.2020, von tanznetz.de Redaktion


    STAATLICHE BALLETTSCHULE BERLIN– KEIN ENDE IN SICHT

    Seyffert geht gegen Freistellung und Hausverbot vor. Bisher ohne Erfolg.
    Veröffentlicht am 19.05.2020, von tanznetz.de Redaktion


    STABEL WILL SCHULLEITER AN DER STAATLICHEN BALLETTSCHULE BERLIN BLEIBEN

    Der Gütetermin um freigestellten Ballettschuldirektor scheitert. Der Zwischenbericht der Untersuchungskommission sorgte vorab für kontroverse mediale Resonanz.
    Veröffentlicht am 12.05.2020, von tanznetz.de Redaktion

    MEISTGELESEN (7 TAGE)


    “IN DANCING WE NEED TO DEVELOP THE HEART AND THE HEAD"

    An interview with Primaballerina assoluta Violette Verdy

    Veröffentlicht am 12.09.2012, von Annette Bopp


    BALLETTWELT IM UMBRUCH

    Ein pädagogisches Konzept für die Münchner Ballett-Akademie

    Veröffentlicht am 20.10.2020, von Anna Beke


    NIEMAND IST EINE INSEL

    Zum Tanzabend „My Island“ von Stephan Thoss in Mannheim

    Veröffentlicht am 24.10.2020, von Isabelle von Neumann-Cosel


    LIEBE UND ANDERE UNANNEHMLICHKEITEN

    In Cottbus lotet Oliver Preiß die Untiefen unserer Gefühle aus

    Veröffentlicht am 26.10.2020, von Volkmar Draeger


    SCHRITT FÜR SCHRITT

    Buchneuerscheinung: „Entwicklungsförderung durch Bewegung und Tanz"

    Veröffentlicht am 02.03.2020, von Sabine Kippenberg



    BEI UNS IM SHOP