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Ludwigshafen

SO MELANCHOLISCH, SO SCHÖN

„Dance me“ - Im Pfalzbau erinnern Les Ballets Jazz de Montréal an Leonhard Cohen



Es hätte eine Huldigung zu Lebzeiten werden sollen: Leonhard Cohen hat die Produktion noch selbst abgesegnet. Aber der Dichter, Maler, Singer und Songwriter starb im November 2016 vor der Premiere der Tanzkreation im folgenden Jahr.


  • „Dance me“ - Im Pfalzbau erinnern Les Ballets Jazz de Montréal an Leonhard Cohen Foto © Thierry du Bois
  • „Dance me“ - Im Pfalzbau erinnern Les Ballets Jazz de Montréal an Leonhard Cohen Foto © Thierry du Bois
  • „Dance me“ - Im Pfalzbau erinnern Les Ballets Jazz de Montréal an Leonhard Cohen Foto © Thierry du Bois
  • „Dance me“ - Im Pfalzbau erinnern Les Ballets Jazz de Montréal an Leonhard Cohen Foto © Thierry du Bois

Für das Großprojekt hat Les Ballets Jazz de Montréal (BJM) - Kanadas populärste zeitgenössische Kompanie - finanziell und künstlerisch in die Vollen gegriffen und ein illustres Team zusammengestellt. Allein für die choreografische Umsetzung zeichnen drei choreografische Schwergewichte verantwortlich: der amtierende BMT-Direkter Louis Robitaille, der ehemalige Ballettdirektor der griechischen Nationaloper Andonis Foniadakis und die freie niederländische Choreografin Annabelle Lopez Ochoa. So weit treten die Drei hinter ihr gemeinsames Thema zurück, dass die choreografische Urheberschaft einzelner Beiträge im Programmheft nicht thematisiert wird. Eigentlich auch egal, wer für die die hochexplosiven, kraftvollen Streetdance-Zuckungen, wer für die spektakulären Pas de deux oder für die Gruppenszenen in bester Musical-Manier verantwortlich zeichnet; am Ende fügte sich eines bestens ins andere. Bühne, Kostüme, Lichtdesign, Video – alles vom Feinsten, alles ein Gesamtkunstwerk zu Ehren des populärsten Sohnes der Stadt Montréal.

Populäre Songs zu vertanzen ist eigentlich schon eine Garantie für den Publikumserfolg. Aber die BJM-Produktion „Dance Me“ schafft auf vielfältige Weise mehr als das: ein stimmungsvolles Portrait des so vielschichtigen, aber grundtraurigen Künstlers auf die Bühne zu zaubern. Der Kanadier jüdischer Abstammung sah sich wohl immer zuerst als Dichter und dann als Musiker – immerhin hat er nicht nur zahlreiche Gedichtbände, sondern auch den Kultroman „Beautiful Losers“ (1966) geschrieben. Weltruhm erlangte der Mann mit dem Fedora als Markenzeichen allerdings durch seine poetischen Lieder, die herzzerreißende ambivalente Gefühle in schlichten Folksongs tarnte. Seine rauchige, mit den Jahren immer heiser werdende Stimme, der von jeher die höheren Töne fehlten, hatte dennoch die beiden Qualitäten, die einen Ausnahmekünstler auszeichnen: Unverwechselbarkeit und hohe emotionale Ausdruckskraft. Ob „Suzanne“, „Lover, Lover, Lover“ oder „Dance me to the end of love” – Leonhard Cohen ist in jeder Hinsicht einmalig.

Der Tanzabend „Dance Me“ umfasst Lieder aus den unterschiedlichsten Schaffensperioden von Leonhard Cohen, und man darf den Choreograf*innen gute bis überragende Umsetzung attestieren – mit genügend künstlerischem Respekt, um das berühmte „Hallelujah“ live singen und die Tanzbeine das herausragenden BJM-Ensembles unterdessen still halten zu lassen.

Nach dem Gastspiel im ausverkauften Ludwigshafener Pfalzbau riss es die Zuschauer bis in die letzte Parkettreihe buchstäblich von den Stühlen. Für fünf Jahre hat sich die Truppe alle Rechte der tänzerischen Umsetzung von Leonhard Cohens Songs gesichert: Es wird mit Sicherheit noch viele Standing Ovations geben.

Veröffentlicht am 24.12.2019, von Isabelle von Neumann-Cosel in Gallery, Kritiken 2019/2020

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