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Chemnitz

ZUCKERSÜß

Theater Chemnitz zeigt das "Nussknacker"-Ballett



Tschaikowskis "Nussknacker" in Chemnitz. Alles auf bunt! Sabrina Sadowska, Ballettdirektorin am Theater der sächsischen Stadt, lässt es krachen, knallen und eiskalt knacken.


  • "Der Nussknacker" von Sabrina Sadowska Foto © Dieter Wuschanski
  • "Der Nussknacker" von Sabrina Sadowska Foto © Dieter Wuschanski
  • "Der Nussknacker" von Sabrina Sadowska Foto © Dieter Wuschanski
  • "Der Nussknacker" von Sabrina Sadowska Foto © Dieter Wuschanski
  • "Der Nussknacker" von Sabrina Sadowska Foto © Dieter Wuschanski
  • "Der Nussknacker" von Sabrina Sadowska Foto © Dieter Wuschanski
  • "Der Nussknacker" von Sabrina Sadowska Foto © Dieter Wuschanski

von Peggy Fritzsche

Dafür erntet sie donnernden Applaus. Pünktlich zum Advent hat Sabrina Sadowska den Tanzfreunden ein Geschenk gemacht. Für vorerst elf Vorstellungen in dieser Saison bestückt sie die Bühne mit dem ganz großen Besteck: Spitzentanz, Spitzensoli, Spitzen-Pas-de-Deux zum Schluss. Die Ballettchefin des Theater Chemnitz, nutzt den von Pjotr Iljitsch Tschaikowski vertonten Zweiakter, um den Menschen in der Stadt eine Portion Selbstvertrauen zu verpassen, um BesucherInnen der Stadt zu zeigen: Schaut her, das sind wir. Das können wir. Das ist unsere DNA. Denn es sind weder Clara noch Mascha, die in ihrer Inszenierung beim Patenonkel feiern, bis der Nussknacker ins Traumland bittet. Es sind die Kinder, Freunde und Wegbegleiter der noch immer im Chemnitzer Alltag gegenwärtigen Industriellenfamilie Esche, die auf der Bühne den Weihnachtsabend genießen.

Sadowska holt die Handlung in die Glanzzeiten ihrer Stadt Chemnitz. Dorthin, wo zu Zeiten der Moderne namhafte Unternehmer Weltgeschäfte eintüten. Dorthin, wo Produzentengattinnen jugendstilschicke Villen-Wendeltreppen herab schreiten. Dorthin, wo Fabrikantenerfolg bahnbrechende Architektur, progressive Kunst und visionäre Technik generiert. Bühne und Kostüme dafür schaffen Charles Cusick Smith und Phil R. Daniels. Sie treiben es bunt, projizieren in güldene Rahmen den Vorkriegsprunk der Stadt Chemnitz - teils in bewegten Bildern, teils in historischen Aufnahmen, die Sadowska eigenhändig aus Archiven kramte. Sie lassen Esches PartybesucherInnen in rauschenden Kleidern antanzen, schmelzen mit Kindern im Nussknacker- und Engelsoutfit Publikumsherzen, entführen zu einer Weltreise zu turbanbemützten Indern oder reishutbestückten Chinesen. Klar ist das Klischee. Natürlich ist das so süß, dass die Zuckerfee vor Neid zerklirren kann. Aber hey, es ist Weihnachten!

Und doch so gar kein Zuckerschlecken: Sabrina Sadowska hat die Chemnitzer Kompanie zu einem Ensemble geformt. Was auf der Bühne so leise, leicht und liebenswert schwebt, ist Knochenarbeit. Für das Publikum nussknackert es romantisch. Die Tänzerinnen und Tänzer dagegen knacken die Nüsse. Sie knien sich in einen knallharten Job, der Konzentration und Körperbeherrschung, Athletik und Ausdruck erfordert. Bis zur letzten Minute der Generalprobe sitzt die Ballettchefin hochkonzentriert am Choreografie-Pult, schreibt Anmerkungen auf, schiebt die Brille von der Nase auf die Stirn und wieder zurück. Können wir hier noch optimieren? Da noch verbessern? Dabei lassen sich die zur ultimativen Probe zugelassenen KollegInnen und JournalistInnen schon nicht mit Zwischenapplaus zurückhalten.

Das Premierenpulikum will die Kompanie später gleich gar nicht von der Bühne abgehen sehen. Es springt aus den Sitzen, johlt und klatscht. Weil es eben eine Spitzenleistung ist, wenn eine etwa 20-köpfige Crew länger als zwei Stunden am Stück hebt und dreht und springt - streng nach den Regeln des klassischen Tanzes, achsentreu, perfekt platziert, auf spitzer Sohle. Es ist zunächst ein kurzes Aufführungszeitfenster, welches sich dem Publikum öffnet. Denn schon nach Weihnachten kommen die Nussknacker-Kulissen wieder ins Magazin. Die werden aber im kommenden Jahr wieder herausgeholt, verspricht es die Theaterverwaltung. Das Publikum wird es danken.

Veröffentlicht am 03.12.2019, von Gastbeitrag in Homepage, Kritiken 2019/2020

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