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OHNE FREIHEIT IST ALLES NICHTS

Maura Morales mit „Exceso de la Nada“ im Mannheimer EinTanzhaus



Die Exil-Kubanerin Maura Morales hat ihr Heimatland vor über 20 Jahren verlassen. Obwohl sie in künstlerischer Hinsicht inzwischen in ihrer Wahlheimat Nordrhein-Westfalen bestens angekommen ist, leidet sie schwer an ihrem Herkunftsland.


  • Maura Morales mit „Exceso de la Nada“ im Mannheimer EinTanzhaus Foto © Klaus Handner

Die Exil-Kubanerin Maura Morales hat ihr Heimatland vor über 20 Jahren verlassen. Obwohl sie in künstlerischer Hinsicht inzwischen in ihrer Wahlheimat Nordrhein-Westfalen bestens angekommen ist, leidet sie schwer an ihrem Herkunftsland. In ihrem Solo „Exceso de la Nada / Überfluss es Nichts“, das zwanzig Jahre nach ihrem Weggang aus Kuba entstanden ist, überwiegen Trauer, Wut und Groteske. Beim Gastspiel im Mannheimer EintanzHaus machte sie auf kompromisslose Weise deutlich, dass sie auch nach zwei Jahrzehnten im Zorn nach Hause zurückblickt.

Kuba ist für sie ein Gefängnis mit dem Meer als verführerisches Gitter. So gibt es eingangs einen langen biografischen Text, in dem sie dem typischen kubanischen Lebensgefühl – der mitreißenden Musik, der Fröhlichkeit und den Träumen – den Kampf ansagt. Aber es ist nicht nur das Fehlen von Freiheit, es ist auch das Fehlen der Auflehnung gegen die bestehenden Verhältnisse, das sie umtreibt. Der morbide Charme Havannas, dem die Europäer gern verfallen, kommt dagegen bei ihr nicht einmal vor. Die Bühne ist leer bis auf einen nur scheinbar gemütlichen Schaukelstuhl und weiße Vorhänge im Hintergrund, die zugleich als Video-Projektionsflächen dienen. Zwei beleuchtete Wellblechstücke hängen über der Szene und beschwören Armut ganz unaufdringlich.

Kurze Momente versöhnlicher Erinnerung blitzen im Video auf, wenn eine ältere Frau – die Mutter vielleicht – ihr großes Kind im Schaukelstuhl wiegt. Aber für Maura Morales ist das Schaukeln viel zu sehr mit dem Sich-Fügen ins Unabänderliche verbunden: Bewegung auf der Stelle statt Bewegung nach vorn. Maura Morales hat sich von ihrem Hauskomponisten Michio Woirgardt, mit dem zusammen sie als Cooperativa formiert, einen einschlägigen Musikmix einspielen lassen. Beim Erklingen traditioneller kubanischer Musik zieht die Künstlerin die Mundwinkel gewaltsam in die Breite, bis endlich ein aufgesetztes Lächeln entsteht, das zum Klischee des folkloristisch geprägten Kuba und seinen mitreißenden Rhythmen passt.

Aber viel länger leidet, klagt und kämpft Maura Morales. Sie ist eine kraftvolle, höchst ausdrucksstarke Tänzerin mit einer starken Bühnenpräsenz, die in vielen Tanzstilen zuhause ist. So wird den BesucherInnen bang ums Herz im Gedanken an die mögliche Zukunft Kubas – aber auch ein bisschen in Sorge um die Tänzerin, die sich in diesem Stück bis an ihre physischen und psychischen Grenzen verausgabt.

Veröffentlicht am 27.10.2019, von Isabelle von Neumann-Cosel in Homepage, Kritiken 2019/2020

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Kommentare zu "Ohne Freiheit ist alles nichts"



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