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München

FA(U)NTASTISCH

Abtauchen in Pans Universum bei der Performance "[Faun]"



Im Gasteig München zeigt Matteo Carvone die neue Arbeit "[Faun]". Darin widmet er sich dem Mythos der bekannten Figur mit Tanz, Theater und Installation.


  • "[Faun]" von und mit Matteo Carvone Foto © Aime Vivere
  • "[Faun]" von und mit Matteo Carvone Foto © Aime Vivere
  • "[Faun]" von und mit Matteo Carvone; Búi Rouch Foto © Aime Vivere
  • "[Faun]" von und mit Matteo Carvone; Búi Rouch Foto © Aime Vivere
  • Matteo Carvone Foto © Aime Vivere

Ein Rasenfleck für ein Leben. Der grüne, mit Kunstrasen bezogene Kubus dominiert die Mitte der Black Box. Vogelgezwitscher erfüllt den Raum. Auf dem exponierten Winkel Natur faulenzt ein schwarzgekleidetes Wesen. Der Blick unter seiner fellgefütterten Pudelmütze im diffusen Zwielicht zwischen Tag und Nacht ist gen Himmel gerichtet. Noch während man als Zuschauer rund um das so simple wie stimmungsschwangere Bühnenarrangement Platz nimmt, steigt die Lust nach dem, was einen hier wohl die nächsten 50 Minuten erwartet.

Tatsächlich steckt erstaunlich viel in Matteo Carvones neuem Performance-Projekt „[FAUN]“, das am 13. September seine Uraufführung erlebte. Vor allem aber gibt es unterhaltsame Kurzweil bei einem durchweg professionell aufbereiteten Mix aus Tanz, Theater und Installation. Auf der eng begrenzten Fläche steigern sich Verfolgungsjagden ausgelassen-riskant ebenso wie ein rhythmisch ausgefinkelter, lautstarker Disput. Das Publikum bleibt lediglich zum Schluss außen vor. Da nämlich machen es sich die beiden Faun-Interpreten Búi Rouch und Choreograf Matteo Carvone selbst zu Nina Simones Song „My Way“ auf einem weißen Laken mit Picknickkorb, Wein, Obst und einem Buch zum Schmökern richtig gemütlich – wie Zootiere durch einen Graben in ihrem sprachlich wie körperlich eigenen Kosmos von uns Beobachtern abgetrennt.

Inspiriert haben Carvone – neben unzähligen mythischen Geschichten über das mondverliebte göttliche Mischwesen Pan – Stéphane Mallarmés symbolistisches Gedicht „Nachmittag eines Fauns“ („L’Aprés-midi d’un faune“). Was Claude Debussy vertonte und Vaslav Nijinsky tänzerisch zu einem produktiven Skandal machte, findet sich nun als Zitat clever in Spielszenen eingebaut wieder. Aber auch Eduard Manets berühmtes Gemälde „Das Frühstück im Grünen“ und szenische Situationen à la Samuel Beckett sind geistige Paten dieser unheimlich atmosphärischen Produktion. Sie beginnt damit, dass Búi Rouch, der größere der beiden Tänzer, der von der Färöer Inselgruppe stammt, ganz langsam – den Hintern voran – in einem Loch versinkt. Es ist der unsichtbare Keller des wenige Quadratmeter großen Kreativ-Lofts und choreografisch findig ausgenutzte Abtauchstation, aus der es bisweilen gehörig rumpelt.

Carvone, ehemaliger Gärtnerplatz-Tänzer und freischaffender Choreograf – federführend bei Konzept, Choreografie und Set – hat das Stück trotz Ablehnung seines städtischen Fördermittelantrags durchgeboxt. Nun als Veranstaltung der Gasteig München GmbH, für die er zuletzt im Juni 2018 die „Faust-Sinfonie“ von Liszt für Orgel in der Philharmonie im Gasteig choreografisch umsetzte. Insgesamt ist ihm das Duo „fa(u)ntastisch“ gelungen.

Veröffentlicht am 19.09.2019, von Vesna Mlakar in Homepage, Kritiken 2018/2019

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Kommentare zu "fa(u)ntastisch"



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