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TANZWUNDER

Egon Madsen zum 77. Geburtstag



Am 24. August 2019 wurde der dänische Balletttänzer Egon Madsen 77 Jahre alt. Günter Pick und die tanznetz.de-Redaktion gratulieren ihm ganz herzlich.


  • "Egon Madsen 75 - Ein Tanzabend für eine Legende" am Theaterhaus Stuttgart: Mauro Bigonzettis "Cantata", Egon Madsen mit Gauthier Dance Foto © Simon Wachter
  • "Egon Madsen 75 - Ein Tanzabend für eine Legende" am Theaterhaus Stuttgart: Christian Spucks "Don_Q." mit Eric Gauthier und Egon Madsen Foto © Holger Reuker

Als Egon 75 wurde, habe ich leider verpasst, ihm meine Verehrung zu seinen schönen Füßen zu legen! Er bleibt einer der ersten Wunder des Stuttgarter Balletts, dieser außergewöhnliche Schauspieler in Schläppchen, dem die Welt zu Füßen lag und immer wieder, wenn er die Bühne betritt.

Was für eine Karriere und ich habe mich oft gefragt, wieso das Königliche Ballett in Kopenhagen so einen Künstler weglaufen ließ. Allerdings wusste ich nicht, dass er nicht in der Talentschmiede der dortigen Schule war, sondern mit zehn Jahren in einer Privatschule von seinem Vater angemeldet wurde, weil er nicht zu bremsen war. Vielleicht war es auch besser so, denn er holte seine ersten professionellen Auftritte im Pantomimen Theater (Pantomimeteatret) im Tivoli in Kopenhagen, neben einer Nachwuchstruppe von Elsa Marianne von Rosen.

John Cranko übernahm ihn 1961 nach Stuttgart. Das war auch bald das erste Mal, dass ich ihn auf der Bühne sah, neben den Größen, die aber alle noch keinen großen Namen hatten, wie z.B. Richard Cragun, dem ich ansah, dass er Anfänger war, als er Solo tanzte. Cranko hatte einen 7. Sinn für Begabungen und wusste, wie sie einzusetzen waren. Z.B. für eine Vorstellung, die nicht in Stuttgart, sondern in Viersen stattfand, nicht weit von Essen, wo ich zur Folkwangschule ging.

Schon 1962 wurde Egon Madsen Solist und tanzte in Crankos wunderbarer „Romeo & Julia“-Inszenierung, zuerst Paris und dann Mercutio. Eine Paraderolle für ihn, sowie in „Jeu de Cartes“, das ohne ihn als Joker weniger eindrucksvoll oder besser: durch ihn höchst amüsant war.

Es würde zu weit führen, wenn ich alle Produktionen aufzählen wollte, die er in Stuttgart getanzt hat, es waren mindestens 60 Choreografien plus verschiedene Rollen darin. Aber in Crankos wunderbarer „Onegin“-Produktion bleibt mir die Rolle des Lenski im Gedächtnis. Ein junger Liebender, der das Opfer des arroganten Onegin wird; das war weit eindrucksvoller als die Titelrolle.

Ähnlich war es mit Kenneth MacMillans „Lied von der Erde“. Und zwei Stücke sollte ich noch nennen, weil Egon einer der Partner für die Fonteyn war in dem Stück „Poeme de l‘extase“ in der Ausstattung von Jürgen Rose, der gerade fünf Jahre älter geworden ist als Egon! Trotzdem, Gremio in Crankos „Der Widerspenstigen Zähmung“ kann man nie vergessen. Glücklicherweise gibt es davon Aufnahmen vom Sender in Stuttgart.

Viele Jahre später, nachdem er Ballettchef in Frankfurt wurde, bis der Intendant Michael Gielen einen Choreografen (Billy Forsythe) als Direktor wollte (einen Ehrgeiz, den Egon wohl nie hatte), übernahm er die Direktion des Königlichen Balletts in Stockholm, dann in Italien beim Teatro Comunale in Florenz, bis Jiří Kylián ihn zum NDT 3 holte.

Fünf Jahre gab es diese Kompanie. Ich fand die Idee, eine Truppe für betagte Tänzer aus der Taufe zu heben, hervorragend, aber den Choreografen fiel nicht ein, wie man dieses Tanz-THEATER in die Richtung Schauspiel hätte lenken sollen. Mal abgesehen von einem der letzten Stücke von Jiří: „Birth Day“, in dem Egon wieder dem Komödianten freien Lauf lassen durfte. So kam es, dass er sich in Stuttgart wiederfand, wo Eric Gauthier eine Kompanie gegründet hatte und Christian Spuck eine hinreißende Version von „Don Q.“ für Egon und Erik als Sancho Panza erfand. Ein Volltreffer für Komödianten mit ausweglosen Hintergedanken, die schon Cervantes um 1600 erfunden hat. Und dazu noch wunderbares Tanzspektakel von Mauro Bigonzetti Cantata mit herrlicher Volksmusik.

Ich könnte noch ewig so weiterschreiben, aber das würde zu weit führen. Egon hat nach dem Engagement in Florenz seinen Wohnsitz in Italien beibehalten, mit seiner wunderbaren Ballerina Lucia Isenring, die schon 1981 seine Frau geworden war und das Klima in Schweden nicht ertrug. Sie hatte schon in Stuttgart einen Jungen zur Welt gebracht, der last but not least für die glücklichen Eltern inzwischen ein ausgewachsener Mann sein müsste.

Veröffentlicht am 28.08.2019, von Günter Pick in Homepage, Leute

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Kommentare zu "Tanzwunder"



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