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Manheim

SELFIE MIT MONA LISA

Die „Choreografische Werkstatt“ von und mit TänzerInnen des Nationaltheaters Mannheim



So durchweg interessant wie dieses Mal ware die choreografischen Beiträge aus dem Mannheimer Ensemble noch nie. Die Kreativität kannte keine Grenzen.


  • "Choreografische Werkstatt" des Tanzensembles des Nationaltheaters Mannheim; Mahomi Endoh Foto © Hans Jörg Michel
  • "Choreografische Werkstatt" des Tanzensembles des Nationaltheaters Mannheim; Emma Kate Tilson & Joseph Caldo Foto © Hans Jörg Michel
  • "Choreografische Werkstatt" des Tanzensembles des Nationaltheaters Mannheim; Ensemble Foto © Hans Jörg Michel
  • "Choreografische Werkstatt" des Tanzensembles des Nationaltheaters Mannheim; Ensemble Foto © Hans Jörg Michel
  • "Choreografische Werkstatt" des Tanzensembles des Nationaltheaters Mannheim; Alberto Terribile & Alexandra Chloe Samion Foto © Hans Jörg Michel
  • "Choreografische Werkstatt" des Tanzensembles des Nationaltheaters Mannheim; Paloma Galiana Moscardó & Jamal Callender Foto © Hans Jörg Michel
  • "Choreografische Werkstatt" des Tanzensembles des Nationaltheaters Mannheim; Alberto Terribile, Andrew Wright, Mahomi Endoh & Lorenzo Angelini Foto © Hans Jörg Michel
  • "Choreografische Werkstatt" des Tanzensembles des Nationaltheaters Mannheim; David Lukas Hemm & Emma Kate Tilson Foto © Hans Jörg Michel

Da hängt sie, die lächelnde Schönheit – auf der Bühne des Mannheimer Tanzhauses in Käfertal. Und die TänzerInnen des Nationaltheaters in der Rolle jugendlicher MuseumsbesucherInnen machen schnell noch ein Selfie mit Mona Lisa. Nachts im Museum passiert allerdings Ungewöhnliches, beinahe filmreif. Mona Lisa entsteigt dem Bild, um sich mit ihrem Liebhaber zu treffen – niemand anders als Rodins „Denker“. „Der Schrei“ von Edvard Munch entpuppt sich als Ausdruck eines Mannes mit Angst vor der Dunkelheit – und Bankskys „Mädchen mit dem Ballon“ möchte nicht zerschreddert werden, sondern einfach nur den roten Luftballon fliegen lassen… Lorenzo Angelini hat für die traditionelle „Choreographische Werkstatt“, in der die Mannheimer TänzerInnen selbst choreografieren, mit „Quadri“ eine amüsante und höchst eigenwillige Interpretation berühmter Kunstwerke beigesteuert.

Ungewöhnlich und originell war bereits der Auftakt des Abends, die lebendige Installation „Flat Waves“, in der die Ensemblemitglieder nach einem Konzept von Saori Ando mit allerlei Hindernissen und Behinderungen im Raum kämpften, mit Verschnürungen, gefährdetem Gleichgewicht, geheimnisvollen Objekten, also mit Trennung und Verbindung der unterschiedlichsten Art.

Damit war schon eine hohe Messlatte angelegt für die übrigen Beiträge des Abends. Und tatsächlich: So durchweg interessant waren die choreografischen Beiträge aus dem Ensemble noch nie. Paloma Galiana Moscardó beispielsweise hat sich eine attraktive Flamenco-Hommage auf den zierlichen Leib geschneidert, verpackt in eine Begegnung mit Jamal Callender als Vertreter des zeitgenössischen Tanzes. Der wiederum hat ein Zusammentreffen der besonderen Art choreografiert, im Wartezimmer oder zufälligen Zugabteil des Lebens: „Between here and there“ werden Emma Kate Tilson und Joseph Caldo ordentlich innerlich und äußerlich durchgerüttelt. Die Trainingsleiterin des Ensembles, Zoulfia Choniiazowa, lässt in ihrem routiniert gearbeiteten, witzigen kleinen Stück „Table for Four“ ebenfalls das Innere nach außen kehren. Emma Kate Tilson hat – wieder – einen kurzen Tanzfilm gedreht (Video: Frederic Zinkgraf), optisch einprägsam auf den Punkt gebracht: In „Entwine“ windet sie sich selbst aus einer Beziehung, die schon längst nicht mehr tragfähig ist.

Und dann gibt es – ein absolutes Novum für das Format dieses Abends – ein Stück, in dem das gesamte Mannheimer Ensemble beteiligt ist (und als Kostüme-Macherin sogar die Ex-Tänzerin Julia Headley – ein Beleg für die lebhaft verknüpfte Mannheimer Tanzszene). Rubén Julliard, auch selbst verantwortlich für den musikalischen Soundtrack, hat sich die Frage gestellt „What If“ … Was wäre, wenn in einer Welt nach dem finalen ökologischen Kollaps die Überlebenden das letzte Fünkchen Hoffnung aus dem Erleben von Gemeinschaft sichern?

Große Begeisterung beim Premierenpublikum, und die Einsicht: Der Mannheimer Ballettchef Stephan Thoss, der sich konsequent und erfolgreich um die Förderung junger ChoreografInnen bemüht, braucht sich um kreative Talente in seiner eigenen Truppe keine Sorgen zu machen.

Veröffentlicht am 11.07.2019, von Isabelle von Neumann-Cosel in Homepage, Kritiken 2018/2019

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Kommentare zu "Selfie mit Mona Lisa"



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