KRITIKEN 2018/2019



Dresden

KOPFNOTE: TADELLOS

Die Palucca Hochschule für Tanz Dresden zeigt ihre jährliche Leistungsschau



Wenn die Palucca-Schule zu ihrer jährlichen Leistungsschau in die Semperoper Dresden lädt, ignorieren alle die Verführungen des sommerlichen Badewetters und finden sich zur Unterstützung des Nachwuchses ein.


  • "Vicious Circle" von Šimon Kubáň Foto © Ida Zenna
  • "Vicious Circle" von Šimon Kubáň Foto © Ida Zenna
  • "A Sweet Spell of Oblivion" von David Dawson Foto © Ida Zenna
  • "A Song for Europe" von Ihsan Rustem Foto © Ida Zenna
  • "Variation aus La Sylphide" von August Bournonville Foto © Ida Zenna

Alle Jahre wieder: Wenn die Palucca-Schule zu ihrer jährlichen Leistungsschau in die Semperoper Dresden lädt, ignorieren alle Verwandten die Verführungen des sommerlichen Badewetters und finden sich lückenlos zur Unterstützung des Nachwuchses ein. Zu Recht, wie man sagen darf, denn es lohnt sich immer, die unterschiedlichen Arbeiten der jeweiligen Jahrgänge zu erleben. So auch in diesem Jahr.

Den Auftakt macht das 3. Bild des 1. Aktes aus „La Bayadère“ in der Choreografie von Aaron Watkins, dem Leiter des Semperoper Balletts. Folgt man diesen jungen Tänzerinnen und Tänzern (1., 2. und 3. Jahr Bachelor Studiengang Tanz) in diesem klassischen, strengen Ballettvokabular nach Marius Petipa, beantwortet sich die Frage, warum so heute noch immer getanzt und diese Tradition gepflegt wird, obwohl diese Formensprache schon lange nicht mehr das Ballett von heute ausmacht. Unter der starken Ausleuchtung, die ganz ohne Effekte auskommt und auf der Basis der klar strukturierten Kostüme ist jeder noch so kleine Patzer deutlich zu sehen. Hier lässt sich nichts überspielen. Die TänzerInnen zeigen aber auch ganz klar, dass das gar nicht nötig ist. Alle verfügen ganz klar über die entsprechenden Fähigkeiten und das nötige Maß an Bühnenpräsenz. Besser kann man in einen solchen Abend mit immerhin ganzen elf Arbeiten kaum einsteigen. In den letzten beiden Jahren war jeweils „The Second Detail“ von William Forsythe als Aufmacher gesetzt worden, an dem sich mancher schon mal ein bisschen die Zähne ausbeißen konnte. Hier sitzt aber jeder Schritt.

Unbeschwert und völlig leichtfüßig setzt daran der 1. Jahrgang der Nachwuchsförderklasse mit einem altersgerechten „Stürmische Zeiten“ (Katrin Wolfram) an. Wieder einmal wird deutlich, dass die künstlerischen Ansätze und vertanzten Sujets in den Arbeiten die TänzerInnen in ihren jeweiligen Lebensphasen aufgreifen. Weder wird hier irgendjemand verniedlicht oder infantilisiert, noch verheben sich zu junge TänzerInnen an verkopften Konzepten. Das wird auch in Jason Sabrous Arbeit „Katrina“ deutlich, in der sich Studierende des 2. Jahrgangs im Master-Studiengang Tanzpädagogik in blauen Kostümen äußerst kantig durch verschiedene Lichtgassen bewegen. Der spiegelnde Tanzboden reflektiert und verdoppelt jeden Bewegungsansatz, sodass in dieser kalten Atmosphäre die TänzerInnen zu reinen Linien reduziert werden. Bei aller Vielfalt der Bildgestaltung der Choreografien beeindruckt diese strenge Arbeit künstlerisch am meisten.

Viel rhythmischer hingegen und mit fast schon gewohntem Witz begibt sich der 2. Jahrgang der Orientierungsklasse mit nicht zu übersehendem Spaß in einen „Loop“ von Angelika Forner. Diese treibende Choreografie steigert sich bis hin zu Bukovina-Klängen à la Shantel und kippt in seiner Leichtfüßigkeit fast schon in Electro-Swing um. Das ist ansteckend und schafft es, vor allem das jüngere Publikum anzusprechen. Die folgenden Arbeiten sind insgesamt eher von elegischem Charakter geprägt und mehr oder minder verhalten im Ausdruck, was besonders die jeweiligen Techniken deutlich herausstellt.

Die Veranstaltung ist auch in jedem Jahr Anlass für die offizielle Stipendienvergabe. Daniela Lehmann, die sich bereits in der freien Szene Dresdens einen Namen gemacht hat und momentan den Studiengang Choreografie belegt, erhielt gemeinsam mit Ioanna Skokou (Studiengang Tanzpädagogik) das Stipendium der Dresdner Stiftung Kunst & Kultur der Ostsächsischen Sparkasse Dresden. Das Deutschlandstipendium wurde von einem neuen Partner, der Battke Grünberg Rechtsanwälte, vergeben. Ausgezeichnet wurde damit Jasmin Arndt aus dem vierten Jahr der Nachwuchsförderklasse. Das DAAD-Stipendium ging an Taisia Muratore.

Veröffentlicht am 04.07.2019, von Rico Stehfest in Kritiken 2018/2019

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