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Heidelberg

EINS MIT SICH

Solos von Urs Dietrich und Susanne Linke in der Heidelberger Hebelhalle



"Ecoute Chopin" von Susanne Linke und "Thalamus" von Urs Dietrich beim UnterwegsTheater ist eine sehr spezielle akustische Begegnung.


  • "Ecoute Chopin" von und mit Susanne Linke Foto © Günter Krämmer
  • "Ecoute Chopin" von und mit Susanne Linke Foto © Günter Krämmer
  • "Ecoute Chopin" von und mit Susanne Linke Foto © Günter Krämmer
  • "Thalamus" von und mit Urs Dietrich Foto © Günter Krämmer
  • "Thalamus" von und mit Urs Dietrich Foto © Günter Krämmer
  • "Thalamus" von und mit Urs Dietrich Foto © Günter Krämmer

Sie sind beide prägende Persönlichkeiten des Ausdruckstanzes made in Germany: Susanne Linke, Mary Wigman-Schülerin und als ehemalige Leiterin des berühmten Essener Folkwang Tanzstudios und der Kreativschmiede Tanztheater Bremen seit Jahrzehnten weltweite Botschafterin des deutschen Tanzes; und ihr Bühnen- und Lebenspartner Urs Dietrich. Mit einem gemeinsamen Programm waren sie in der Reihe „Old Stars – New Moves“ des Heidelberger UnterwegsTheaters in der Hebelhalle zu Gast.

2011 hat die Grande Dame des Tanztheaters genau an diesem Ort zum letzten Mal ihr legendäres Solo „Im Badewannen“ (1980) selbst getanzt; inzwischen hat sie die Siebzig überschritten und tanzt immer noch – oder wieder. Zusammen mit Urs Dietrich hat sie einen Soloabend konzipiert, voller Gegensätze und doch auf einer verbindenden Grundlage. In ihrer beider Tanz zählt, was der Körper ausdrückt; nicht was der Körper kann, nicht was gut aussieht, nicht was auf den Beifall des Publikums abzielt.

Urs Dietrich und Susanne Linke haben sich jeweils auf eine sehr spezielle akustische Begegnung eingelassen. Aber während Linke romantische Klavier-Präludien gewählt hat („Ecoute … Chopin“) hat sich Dietrich ein von zeitgenössischer Zerrissenheit geprägtes elektronisches Sounddesign schneidern lassen (Wolfgang Bley-Borkowski). „Thalamus“ heißt sein Solo nach jener Region im Gehirn, die Sinneseindrücke filtert und ins Bewusstsein oder Unterbewusstsein verschiebt. Zwischen Techno und Rabenkrächzen, Fahrzeuggeräuschen und Glockenläuten mäandert der Großstadtsound hin und her, und Urs Dietrich – allein im dunklen Bühnenraum nur mit einer weißen Bank – scheint diesen Assoziationsstrom direkt in seinen Körper fließen zu lassen. Sein Thema ist das Ringen mit dem, was unter der Oberfläche verborgen brodelt und sich immer wieder in divergierenden Bewegungen und plötzlichen Ausbrüchen Raum sucht. Dabei beeindruckt die Präzision, mit der dieser Tänzer Zäsuren und Akzente setzt – und die Zuschauenden mitnimmt in eine Welt voller Brüche und Spannungen.

Wenn Susanne Linke dagegen Chopins Präludien hört, dann gibt es nur eines: ihre Füße müssen den perlenden Tönen folgen, in welchen emotionalen Raum sie auch führen. Mit großer, beeindruckender Klarheit gibt Susanne Linke dieser Musik in ihrem Körper Raum – ganz eins mit sich und der im wahrsten Sinn des Wortes unsterblichen Musik und deren melancholischer Leichtigkeit. Tanz weiter, scheinen die Klänge Susanne Linke zuzurufen, und ihr Körper hört die Botschaft. Großes Tanz-Kino, bei dem jede noch so kleine Bewegung des Körpers ihren Grund hat.

Veröffentlicht am 02.07.2019, von Isabelle von Neumann-Cosel in Homepage, Kritiken 2018/2019

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