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Heidelberg

„GLOBAL WATER DANCES“

Für sauberes Wasser und ein nachhaltiges Leben tanzen



Weltweit versammeln sich Mitte Juni TänzerInnen, um für einen nachhaltigen Umgang mit Wasser zu tanzen.


  • "Global Water Dances" in Heidelberg Foto © Nora Abdel Rahman
  • "Global Water Dances" in Heidelberg Foto © Nora Abdel Rahman
  • "Global Water Dances" in Heidelberg Foto © Nora Abdel Rahman

Tänzerinnen und Tänzer haben am 15. und 16. Juni 2019 an mehr als 180 Orten weltweit tänzerisch das Wasser geehrt und für seinen Schutz demonstriert. In Heidelberg hat sich eine Gruppe unter der Leitung von Anette Mack, Heike Quitt und Ulrika Sulzbacher am Neckar zusammengefunden, um im Rahmen von „Global Water Dances“ im öffentlichen Raum zu tanzen.

Am Himmel stauen sich die Wolken immer wieder zu einer düsteren Decke zusammen. Es könnte jeden Moment regnen. Aber die Wolken reißen auf und geben den blauen Himmel frei. Bald fallen die Strahlen der Sonne auf die flanierenden Menschen und auf die vielen Nilgänse. Mit ihren Schnäbeln stochern die Tiere eifrig im saftigen grünen Gras am Heidelberger Neckar. Nach Afrika zieht sie nichts mehr zurück, denn sie haben in Heidelberg alles, was sie zum Leben brauchen: Wasser, nachwachsendes Gras, ein mildes Klima und keine Feinde. Warum also sollten diese Tiere ins heiße und trockene Afrika fliegen, wo Wasser knapp ist und die Bevölkerung, nehmen wir als Beispiel Ägypten, jedes Jahr um eine Million wächst? Die Nilgänse haben sich für die besseren Lebensbedingungen entschieden. Viele Menschen können dies nicht so einfach. Für Menschen, die in Regionen leben, die immer trockener werden, ist jetzt und in Zukunft entscheidend, wie sie an sauberes Wasser gelangen. Der Zugang zu sauberem Wasser wird über ihr Leben und die Qualität des Daseins entscheiden und auch darüber, ob Menschen an ihrem Lebensort bleiben oder ihn verlassen.

Eine Gruppe von Frauen und Männern hat sich neben den Nilgänsen ein Stück der Neckarwiese gesichert. „Global Water Dances“ ist auf einem Banner zu lesen, das ihre Tanzfläche eingrenzt. Während sich die Tänzerinnen vorbereiten – sie wärmen sich auf, positionieren Blumentöpfe und eine Wanne mit Wasser aus dem Neckar – kümmern sich andere um Musik, Filmkamera und Fotografie. Inzwischen bleiben erste PassantInnen interessiert stehen oder sind pünktlich zum Projekt der „Global Water Dances“ gekommen. Um Punkt 15 Uhr startet die Choreografie unter dem Spiel von Sonne und Wolken am Himmel, vor den prächtigen Kraichgauhügeln der Stadt Heidelberg und dem spiegelnden Wasser des Neckars. Immer wieder führen die Tänzerinnen ihre Arme nach oben, um die Achse zwischen Himmel und Erde zu bestätigen und ihren Körper zwischen dem Oben und dem Unten auszurichten. An anderer Stelle kriechen sie am Boden wie Suchende nach einem neuen Zugang zu dem Lebenselixier Wasser. Dann wieder hocken sie zusammen wie eine kleine Horde, aus der immer eine ausbricht, um schließlich wieder in die Gemeinschaft zurückzufinden. Oder sie bilden einen Kreis – das Symbol der Einheit – öffnen ihn und lassen andere in seiner Mitte tanzen. Mit einem großen blauen Tuch sind alle acht Tänzerinnen verbunden und formen Wellen in den Stoff, um das Bild vom Wasser zu nähren.  
   
Seit der Gründung des Projekts 2011 finden die „Global Water Dances“ alle zwei Jahre statt. Initiiert von international vernetzten TänzerInnen und ChoreografInnen, die an das Laban / Bartenieff Institute of Movement Studies (LIMS) in New York angegliedert sind, hat sich diese Tanzidee vervielfältigt. Inzwischen tanzen in über 120 Orten auf der Welt Menschen, um andere für das Thema Wasser zu sensibilisieren. Dazu haben die Gründer der „Global Water Dances“ eine Choreografie geschaffen, die über das Internet heruntergeladen werden kann und von MitstreiterInnen überall auf der Welt einstudiert wird. In einem weiteren Schritt erarbeitet jede Gruppe zu der globalen Choreografie noch einen eigenen tänzerischen Teil. Damit erhält die globale Dimension auch eine individuelle und eigenständige Note. In Heidelberg hat sich eine Gruppe von acht Tänzerinnen sowie eine Musikerin und ein Team aus Fotografen und Filmern mit dem Netzwerk von „Global Water Dances“ solidarisiert. „Auch in unserer Region haben wir im vergangenen Jahr zu spüren bekommen, wie es sich anfühlt, wenn es monatelang nicht mehr regnet oder wenn das Trinkwasser plötzlich verunreinigt ist“, sagt die Tanzpädagogin und Mitinitiatorin der Heidelberger Gruppe. „Gemeinsam zu tanzen, ist eine wunderbare Chance, um andere Menschen zu inspirieren und zum Nachdenken anzuregen. Mit dem Körper kann man sehr schnell fühlen, wie begrenzt und wie wichtig unsere natürlichen Ressourcen für unser Überleben sind“, erläutert Mack die Motivation der Heidelberger Gruppe.

Wasser ist ein Menschenrecht. Aber für viele Millionen Menschen gehören Wasserknappheit und mangelnde Hygiene zum Alltag. Die Vereinten Nationen wollen das ändern und bis 2030 allen Menschen auf der Welt Zugang zu sauberem Trinkwasser ermöglichen. Für die Tanzschaffenden von „Global Water Dances“ gehört dieses Bemühen zum Konzept. Ihre Tanzbotschaften stehen im Einklang mit dem Motto der Vereinten Nationen: „Wasser für alle“. 

Veröffentlicht am 21.06.2019, von Nora Abdel Rahman in Homepage, Kritiken 2018/2019

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