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Zum Tanzkongress 2019



Dresden soll anders werden. Eines stimmt: Reden, Diskussionen, Vorträge gibt es im Tanzkontext übers Jahr immer reichlicher. Tänzerinnen und Tänzer wurden bei jedem Kongress seit 2006 vermisst. Von mir jedenfalls. Und jetzt?


  • Tanzkongress 2019 Foto © tanznetz

Mein heutiger Bildschirmschoner präsentiert mir eine Art buddhistisches Foto von aufeinandergestapelten Kieselsteinen. Ein Sinnbild für Balance, ein Resultat von ruhigen Händen. Ob das passt? Ich fahre nach Dresden zum Tanzkongress. Warum? Welche Brocken werden dort gestapelt oder umgeworfen?

Weil ich bislang bei jedem Tanzkongress seit seiner Neuerfindung war. Das war groß und wichtig damals, 2006. In Hannover vor drei Jahren leierte die Wissenschaftlerin Krassimira Kruschkova vor riesigem Auditorium einen Vortrag, der nicht auf den Punkt kam und das offensichtlich auch nicht wollte, es war eine Pein. Aber es gab auch anderes. Und abends Aufführungen. In den Pausen, die man gern ungeplant verlängerte, traf man Leute.

Dresden soll anders werden. Eines stimmt: Reden, Diskussionen, Vorträge gibt es im Tanzkontext oder um die Performing Arts vor allem der Freien Szene herum übers Jahr immer reichlicher. Schon die Tanzplattform tendiert zum Kongress. Die Tanzmesse auch ein bisschen. Die TanzwissenschaftlerInnen mögen wahrscheinlich ausgesprochen wissenschaftliche Kongresse lieber. Also: theaterwissenschaftliche. Tänzerinnen und Tänzer wurden bei jedem Kongress seit 2006 vermisst. Von mir jedenfalls. Und jetzt?

Weniger reden? Den Verstand abschalten? Unter sich bleiben, die „Tanzwelt“, also noch mehr als sonst? Das ist doch nicht unbedingt das, was es braucht. Was ist denn nötig? Basierten die frühen Tanzkongresse nicht auf mehr Notwendigkeit? Sind kongressmäßige Auseinandersetzungen gar nicht mehr nötig, weil sich die Teilbereiche und Einzelteile, also Künstlerinnen etc. alle irgendwie eingerichtet haben? Die damaligen Partys der redeerschöpften Abende zum Ausgangspunkt des diesjährigen Kongresses zu erklären, ist doch eine Ausrede. Wie denn soll der Tag zur Nacht werden?

Also fahre ich aus Neugier hin, wie immer auf eigene Kosten. Auch um mir vorzugaukeln, zum Jetset zu gehören, zu all den Wichtigtuern, denen die Arbeitgeber die Reise bezahlen. Apropos Reisen: Wann beginnt die „Tanzwelt“ über ihren sogenannten ökologischen Fußabdruck nachzudenken? Vor allem den im Himmel? Wird doch immer noch oder immer mehr in der Welt herumgeflogen, wenn die Tanzkunst gemeint ist, die über den lokalen oder regionalen Bedeutungslevel irgendwie hinaus ist. Will doch jeder - Prue Lang fing vor etlichen Jahren mit der Idee an, im Rahmen eines Stückes - elektrische Energie selbst herzustellen.
Ich komme zu spät.

Statt heute morgen anzureisen und einzutauchen in was auch immer, musste ich wegen einer Zahngeschichte umplanen. Dem Verfassen zweier Artikel mit Deadlines tat das gut. Was haben die in Hellerau angefangen? Großes Beschnuppern? Anlauf zum Aufeinanderstapeln, Aneinanderbalancieren?

Melanie Suchy, Tanzjournalistin, am 6.6.2019, im ICE hinter Fulda, ah, hier Bad Hersfeld. Regen

Veröffentlicht am 06.06.2019, von Melanie Suchy in Homepage, Blogs

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