VORANKÜNDIGUNGEN



München

POLITIK DER ALGORITHMEN – KUNST, LEBEN, KÜNSTLICHE INTELLIGENZ

FESTIVAL / 11. BIS 16. JUNI 2019 KURATIERT VON CHRISTOPH GURK. IN ZUSAMMENARBEIT MIT ULLA HEINRICH, FABIAN PELZL UND DENNIS POHL



Mit der Digitalisierung und der Algorithmisierung sämtlicher Bereiche der Zivilisation erlebt die Menschheit einen Umbruch von enormer Tragweite. 6 Tage lang stellen die Münchner Kammerspiele eine Reihe von künstlerischen Ansätzen vor, die sich auf die Herausforderungen der Zeit einlassen.


  • Algorithmic Rituals (Prototyp), 2019 Foto © Markus Selg

Dazu gehören Konzerte, Installationen und Gastspiele. Vorträge und Panels mit Expert*innen runden das Programm ab. Eine Übersicht über alle Veranstaltungen finden Sie hier.

Dirk Baecker, Autor des im vergangenen Jahr erschienenen Bandes „4.0, oder Die Lücke die der Rechner lässt“, vergleicht den aktuellen Umbruch mit der Einführung des Buchdrucks. Der prominente Soziologe, einer der bedeutendsten Nachfolger des Systemtheoretikers Niklas Luhmann, wird das Festival „Politik der Algorithmen – Kunst, Leben, Künstliche Intelligenz“ mit einer Keynote eröffnen.
Gelingt es der Menschheit eines fernen Tages, die Gesamtheit ihrer kognitiven Fähigkeiten – erinnern, denken, fühlen, entscheiden, dichten, komponieren – auf Maschinen und Roboter zu übertragen, auf eine Superintelligenz, die den Homo Sapiens abhängt und unterwirft? Solche Fantasien befeuern schon lange die Produkte der Kulturindustrie. In der Wissenschaft wird dieser singuläre Umschlagpunkt, an dem wir die Kontrolle über die Technologie vollständig verlieren, als eher unwahrscheinlich angesehen. Aber schon die Gegenwart, in der wir leben, das Zeitalter des „Deep Learning“, birgt täglich Gelegenheit für Begegnungen mit nicht-humanen Entitäten und mehr als genügend Stoff zum Nachdenken.

Wie wollen wir die Koexistenz mit „anderen“ Wesen – von Dronen bis hin zu Sexroboter*innen – gestalten? Vollenden Computer und Netzwerke, Algorithmen und Roboter, als Werkzeuge einer selbstbestimmten Menschheit, die Moderne? Versprechen sie noch immer Freiheit, Transparenz und Teilhabe? Entlasten sie uns von Arbeiten, die sonst strukturell benachteiligte Bevölkerungsgruppen erledigen müssen? Schafft das alles Voraussetzungen für die Umverteilung von Geld und Freizeit?

Oder erfüllt „Künstliche Intelligenz“ vor allem die Wünsche reicher, alter Männer aus dem Silicon Valley? Sind wir nicht gefangen in den undurchschaubaren Netzen eines digitalen Kapitalismus, in dem Menschen nicht mehr als besondere Spezies vorkommen, sondern als datenbasierte Elemente von Netzwerken? Insbesondere die Vorurteilsstrukturen der elektronischen Informationsverarbeitung, etwa bei der Vorhersage von zukünftigem Verhalten, stehen unter dem Verdacht, bereits in der analogen Welt existierende Ungleichheit und Diskriminierung zu automatisieren und zu verstärken. Wie hintergehbar sind die Mechanismen und Strukturen dieser „Algorithmic Bias“? Lassen sie politische Steuerung noch zu?
Während Digitalität und Künstliche Intelligenz die Massenkultur, vor allem die Welt des Pop, grundlegend transformiert haben und sich in der Bildenden Kunst mit der „Post-Internet Art“ immerhin eine ganze Sparte herausgebildet hat, hält sich das Theater irrtümlicherweise für eines der letzten Residuen einer genuin analogen Kultur. Ist das der Grund, warum damit zusammenhängende Themen und Stoffe erst langsam in der Darstellenden Kunst anzukommen beginnen?

Sechs Tage lang öffnen sich die Münchner Kammerspiele für eine Reihe von künstlerischen Ansätzen, die sich auf die Herausforderungen ihrer Zeit einlassen. Vorträge und Panels beleuchten den Stand der Diskussion nicht nur im Hinblick auf gesellschaftspolitische Fragestellungen. Genauso zentral wird die Rolle der Welt der Algorithmen und der Robotik für die Entwicklung der Künste sein.


Veröffentlicht am 06.06.2019, von Anzeige in Vorankündigungen

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