HOMEPAGE



Mannheim

NIE WIEDER HINFALLEN

„Fall(in)<-G“, Chroeografie-Teamwork im Mannheimer EinTanzhaus



Längst ist das Fallen im zeitgenössischen Tanz bühnentauglich geworden. Nun haben sich auch vier VertreterInnen der rührigen freien Tanzszene in Mannheim des Themas angenommen - Michelle Cheung, Jonas Frey, Julie Pécard und Joseph Simon.


  • „Fall(in)<-G“, Chroeografie-Teamwork im Mannheimer EinTanzhaus: Joseph Simon, Michelle Cheung, Julie Pécard, Jonas Frey Foto © Lys Y. Seng
  • „Fall(in)<-G“, Chroeografie-Teamwork im Mannheimer EinTanzhaus: Jonas Frey, Joseph Simon, Julie Pécard, Michelle Cheung Foto © Lys Y. Seng
  • „Fall(in)<-G“, Chroeografie-Teamwork im Mannheimer EinTanzhaus: Michelle Cheung, Julie Pécard Foto © Lys Y. Seng
  • „Fall(in)<-G“, Chroeografie-Teamwork im Mannheimer EinTanzhaus: Joseph Simon, Julie Pécard Foto © Lys Y. Seng

Fallen ist die Kehrseite des Tanzes – wenn es misslingt, der Schwerkraft ein Schnippchen zu schlagen. Längst ist das Fallen im zeitgenössischen Tanz bühnentauglich geworden; zum Beispiel in der mit dem Faustpreis ausgezeichneten Mainzer Produktion „Fall Seven Times“ (Maria Campos / Guy Nader), die auch schon im Pfalzbau gastierte, oder im Stück „Freier Fall“ des israelischen Choreografen Sharon Fridman, das mehrfach im Rhein-Neckar-Raum zu sehen war. Nun haben sich auch vier VertreterInnen der rührigen freien Tanzszene in Mannheim dieses Themas angenommen. Michelle Cheung, Jonas Frey, Julie Pécard und Joseph Simon tanzen nicht nur, sondern choreografieren auch gemeinsam. Und so ist mit „Fall(in)<-G“ ein 60-Minuten-Stück entstanden, das vom Fallen handelt – und zugleich davon, wie man gemeinsam ein Tanzprojekt stemmt, das besser nicht abstürzt.

Die Besetzung dieses Abends ist spannend und zeugt davon, wie das EinTanzhaus als Brennpunkt der freien Tanzszene unter Leitung von Eric Trottier in Mannheim funktioniert. Die beiden Damen, Michelle Cheung und Julie Pécard, sind ehemalige Mitglieder des Ensembles von Kevin O’Day – der sich auch gleich vor Ort davon überzeugte, was seine früheren Schützlinge heute treiben. Zusammengetan haben sie sich mit Jonas Frey und Joseph Simon, die beide aus dem urbanen Tanz kommen und schon gemeinsame Bühnenprojekte gestemmt haben. Im Spannungsfeld zwischen zeitgenössischem und urbanem Tanz muss man erstmal auf einen Bewegungsnenner kommen – und so schwanken die Vier zunächst ganz sachte im Kreis, bis sich allmähliche größere Bewegungen und spiralförmige Beschleunigung entwickeln. Beim Rennen und Flüchten passiert es, dass der eine oder die andere aus der Kurve getragen wird und tatsächlich fällt. Ab er es sind keine bösen Stürze – eher Ausrutscher, bei denen die Bewegung nach dem Aufstehen einfach weitergeführt wird.

Nein, gescheitert wird hier nicht; der Rest des Abends handelt überwiegen davon, wie man erst gar nicht fällt. Zum Beispiel, wenn die Tänzerinnen und Tänzer in blitzschnellen Sprints sich kreuzende Linien über die Bühne ziehen: Da braucht es vertrauensvollen Augenkontakt und perfektes Timing. Spannend wird es, wenn nach solistischen Einlagen Bewegungs-Teamwork zur Sturzvermeidung geprobt wird: Da lassen sich vor allem die beiden Damen vertrauensvoll auf die Unterstützung der beiden Herren ein. Die sind, mit ihrer Erfahrung in Tanzformen, die den Körperschwerpunkt sowieso dicht am Boden halten, eindeutig im Vorteil. Und so wundert es auch nicht, dass am Ende alle Vier wieder im Kreis stehen, aber dieses Mal die Bewegungen als weiche Wellen perfekt durch die Körper rollen lassen – die anpassungsfähigste Form der Balance.

Gut, wenn man mit Steffen Dix und Peter Hinz zwei lokale Vollblutmusiker zur Seite hat, die von elektronischen Akzenten über minimalistische Schleifen bis zu rockiger Wucht alle Register ziehen können. Die Auftragskomposition hilft dem Abend über kleine Längen hinweg. Ansonsten ist sehenswert, was die vier gestandenen TänzerInnen auf die Bühne gestemmt haben – und das Publikum, das im Stuhlgeviert direkt um den Tanzboden platziert ist, sitzt beinahe mittendrin.

Veröffentlicht am 06.05.2019, von Isabelle von Neumann-Cosel in Homepage, Gallery, Kritiken 2018/2019

Dieser Artikel wurde 1053 mal angesehen.



Kommentare zu "Nie wieder hinfallen"



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung




    Ähnliche Beiträge

    DER NACKTE KÖRPER – SONST NICHTS

    „ZeitGeist“ – ein neues Tanzstück von Éric Trottier in der Mannheimer Trinitatiskirche

    Ein emotionales Stück, zugeschnitten auf den spirituellen Raum.

    Veröffentlicht am 07.11.2017, von Isabelle von Neumann-Cosel


     

    LETZTE BEITRÄGE 'TANZ IM TEXT'


    TANZ 31: CARMEN.MAQUIA

    Gustavo Ramírez Sansano ist zurück in Luzern und bringt eine Neufassung seines grossen Erfolgs «CARMEN.maquia» mit.
    Veröffentlicht am 17.09.2019, von Anzeige


    OPULENZ UND MAGIE

    Wiederaufnahme von John Neumeiers „Sommernachtstraum“ beim Hamburg Ballett
    Veröffentlicht am 17.09.2019, von Annette Bopp


    REBELLEN (UA)

    Tanzabend von Asun Noales, Tarek Assam und Jörg Mannes Musik von Steve Reich, Dmitri Schostakowitsch und Igor Strawinsky
    Veröffentlicht am 17.09.2019, von Anzeige



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    „DIE SOLISTEN“

    Dreiteiliger Abend von und mit Gabriela Ceceña, Daniele Ninarello, Marta Alstadsaeter und Kim-Jomi Fischer, Dozenten des Workshop-Programms TanzMetropoleTanz`19

    Für TanzMetropoleTanz`19 hat der Heidelberger Tänzer, Choreograph und Dozent Paolo Amerio vier in der internationalen Tanzszene profilierte Tänzer und Choreographen nach Heidelberg geholt, wo sie an drei Tagen Workshops für Profitänzer, Semiprofessionelle bzw. Laien mit sehr guter Vorerfahrung anbieten. Am Sonntag, den 22. September treten sie mir ihren eigenen Stücken in der Hebelhalle auf.

    Veröffentlicht am 11.09.2019, von Anzeige

    LETZTE KOMMENTARE


    ADOLPHE BINDER BEKOMMT AUCH IM BERUFUNGSVERFAHREN RECHT

    Neues in der Causa Tanztheater Wuppertal
    Veröffentlicht am 19.08.2019, von tanznetz.de Redaktion


    ENGAGEMENT VERLOREN

    Sergei Polunin nicht mehr im "Schwanensee" an der Pariser Oper
    Veröffentlicht am 15.01.2019, von tanznetz.de Redaktion


    HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!

    Der Primaballerina Lynn Seymour zum 80. Geburtstag
    Veröffentlicht am 06.03.2019, von tanznetz.de Redaktion

    MEISTGELESEN (30 TAGE)


    ADOLPHE BINDER BEKOMMT AUCH IM BERUFUNGSVERFAHREN RECHT

    Neues in der Causa Tanztheater Wuppertal

    Veröffentlicht am 19.08.2019, von tanznetz.de Redaktion


    ZU EHREN TERPSICHORES

    "Terpsichore-Gala I" im Nationaltheater zum 10jährigen Bestehen des Bayerischen Staatsballetts

    Veröffentlicht am 09.10.1999, von Katja Schneider


    SCHWERGEWICHTE

    Das Spielzeitheft Nr. 6 ist online

    Veröffentlicht am 02.09.2019, von tanznetz.de Redaktion


    „ONE FLAT THING, REPRODUCED“

    „Frankfurt Diaries“ vom Gärtnerplatz-Ballett in der Reithalle in München

    Veröffentlicht am 24.11.2015, von Malve Gradinger


    HELLMUTH MATIASEK FEIERT HEUTE SEINEN 85.GEBURTSTAG

    Pick bloggt über seinen langjährigen Intendanten Hellmuth Matiasek und reist in Gedanken von Rosenheim bis nach Japan

    Veröffentlicht am 15.05.2016, von Günter Pick



    BEI UNS IM SHOP