HOMEPAGE



Halle

ZWISCHEN HIMMEL UND HÖLLE

Ein Tanzabend der Choreografin Nanine Linning in Halle



2015 fand mit dem Ballett des Theaters Heidelberg die Uraufführung von "Hieronymus B." statt. Jetzt folgte die Einstudierung mit dem Ballett Rossa. Als Triptychon konzipiert, werden die Zuschauer Teil einer mystischen Bilderwelt.


  • "Hieronymus B." - Tanzabend von Nanine Linning mit dem Ballett Rossa und der Staatskapelle Halle Foto © Theater, Oper und Orchester GmbH, Anna Kolata
  • "Hieronymus B." - Tanzabend von Nanine Linning mit dem Ballett Rossa und der Staatskapelle Halle: Foto © Theater, Oper und Orchester GmbH, Anna Kolata
  • "Hieronymus B." - Tanzabend von Nanine Linning mit dem Ballett Rossa und der Staatskapelle Halle: Ayana Kamemoto Foto © Theater, Oper und Orchester GmbH, Anna Kolata
  • "Hieronymus B." - Tanzabend von Nanine Linning mit dem Ballett Rossa und der Staatskapelle Halle Foto © Theater, Oper und Orchester GmbH, Anna Kolata
  • "Hieronymus B." - Tanzabend von Nanine Linning mit dem Ballett Rossa und der Staatskapelle Halle Foto © Theater, Oper und Orchester GmbH, Anna Kolata

Als Triptychon konzipiert, wird das Publikum bei "Hieronymus B." Teil einer mystischen Bilderwelt des niederländischen Malers Hieronymus Bosch - und das sowohl vor der Bühne aus der Perspektive des Zuschauerraums als auch mittendrin im Geschehen, umringt von Bildobjekten, Fabelwesen und allegorischen Figuren. Es ist die Zeit zwischen Mittelalter und Renaissance und die Bildwerke von Bosch waren geprägt von der Erfindung der Buchkunst, Martin Luthers Übersetzung der Bibel, die Entdeckung Amerikas durch Kolumbus, von Albrecht Dürer und Leonardo da Vinci. Davon erfährt man als ZuschauerIn durch Videobilder, in denen Figuren aus den Bildern Hieronymus Bosch' in vielfältigen Formen miteinander verwoben sind und zuweilen auch etwas Erschreckendes an sich haben. Man ahnt, wie durch die Umwälzungen in dieser Zeit Ängste entstanden, die Hieronymus Bosch zu seinen Höllenwelten brachten.

Der auf der Bühne befindliche Teil der ZuschauerInnen ist umringt von sieben Objekten, die wie Jahrmarktsbuden aussehen, und belebt werden von den TänzerInnen, die Motive aus Bosch-Werken nachstellen: Ein Narr mit Schiffchen kurvt durch das Publikum, andere visualisieren die von Hieronymus Bosch symbolhafte Darstellung der sieben Todsünden. Die Gestaltung dieser Kabinette ist durch das Künstlerduo Les Deux Garcons mehr als gelungen. Aus dem Bühnenboden hebt sich unvermittelt ein Tanzpodium empor. Barockmusik erklingt und zwei Paare tanzen ihre Beziehungen - unter den Augen des Todes. Schon die ersten beiden Teile des Tanzabends machen deutlich, welches Konzept Nanine Linning verfolgt: die Verschmelzung verschiedener Künste - von Tanz, Musik, Design, Videokunst und bildender Kunst.

Der dritte Teil des Tanzabends, der zugleich Hauptteil des Triptychons ist, fasziniert durch eine Choreografie zwischen Anmut und Aggressivität, Demut und Erlösung. In Tanzbildern, die besonders von Bewegungsformationen des Ensembles geprägt sind, stehen die von Bosch in seinen Bildern oft thematisierten sieben Todsünden Hochmut, Geiz, Wollust, Zorn, Völlerei, Neid und Faulheit im Mittelpunkt wie auch die tänzerische Visualisierung von Boschs Triptychon "Der Garten der Lüste", etwa die Vertreibung aus dem Paradies. Im tänzerischen Finale bekommt die Hoffnung durch einen Engel ein Gesicht. Adam und Eva schweben auf einem großen Granatapfel über dem Geschehen und das Ensemble strebt auf einer Himmelsleiter nach oben - begleitet vom Gesang Yulia Sokoliks. Die Staatskapelle Halle spiele mit viel Einfühlungsvermögen Werke von Dowland, Händel, Purcell, Scarlatti und eine Auftragskomposition des zeitgenössischen Komponisten Michiel Jansen. Es ist für die Tanzszene Mitteldeutschlands ein Glücksfall, dass die Choreografie "Hieronymus B." von Nanine Linning durch das Remake mit dem Ballett Rossa weiter gezeigt werden wird. Und so gibt es viel Beifall für einen besonderen Tanzabend mit dem herausragenden Ballett Rossa.

Veröffentlicht am 09.04.2019, von Herbert Henning in Homepage, Gallery, Kritiken 2018/2019

Dieser Artikel wurde 672 mal angesehen.



Kommentare zu "Zwischen Himmel und Hölle"



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung



     

    AKTUELLE KRITIKEN


    QUICKLEBENDIG

    "Die Kunst der Fuge" von Antoine Jully in Oldenburg
    Veröffentlicht am 19.06.2019, von Gastbeitrag


    AUS DEM TABU BEFREIT

    Die Transgenderperformance "Transparência" im T.NT in Lüneburg
    Veröffentlicht am 18.06.2019, von Annette Bopp


    AUF NEUEN WEGEN

    "Shakespeare-Sonette" von drei jungen Choreografen beim Hamburg Ballett
    Veröffentlicht am 18.06.2019, von Annette Bopp



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    GROßE PROGRAMMREIHE „OLD STARS - NEW MOVES" BEIM UNTERWEGSTHEATER

    Das UnterwegsTheater Heidelberg präsentiert 2019 ein hochkarätiges Programm mit Uraufführungen und Gastspielen

    Den Auftakt bildet "Reconstruction" von Jai Gonzales am 21. Februar 2019

    Veröffentlicht am 12.02.2019, von Anzeige

    LETZTE KOMMENTARE


    ENGAGEMENT VERLOREN

    Sergei Polunin nicht mehr im "Schwanensee" an der Pariser Oper
    Veröffentlicht am 15.01.2019, von tanznetz.de Redaktion


    RAUSCHEN VON SASHA WALTZ & GUESTS

    Uraufführung am 7. März 2019 in der Volksbühne Berlin
    Veröffentlicht am 01.02.2019, von Anzeige


    HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!

    Der Primaballerina Lynn Seymour zum 80. Geburtstag
    Veröffentlicht am 06.03.2019, von tanznetz.de Redaktion

    MEISTGELESEN (7 TAGE)


    >KREISE(N)<

    Ein Kommentar zum Tanzkongress 2019

    Veröffentlicht am 14.06.2019, von tanznetz.de Redaktion


    TANZKONGRESS? OHNE MICH!

    Warum der Tanzkongress und viele Bereiche der Tanzwelt für KünstlerInnen mit Familien inkompatibel sind

    Veröffentlicht am 03.06.2019, von Gastbeitrag


    PERFEKT SORTIERTES CHAOS

    Uraufführung von José Vidals "Emergenz" in der Hamburger Kampnagelfabrik

    Veröffentlicht am 08.06.2019, von Annette Bopp


    FREI SEIN? BESSER GANZ VORSICHTIG

    Guy Weizman und Roni Haver loten in ihrem Tanzabend die „Freiheit“ aus

    Veröffentlicht am 10.06.2019, von Isabelle von Neumann-Cosel


    WIEDERSEHEN MIT DEN ARMENIERN

    Dreizehn attraktive Auftritte von „Forceful Feelings“ in Zürich

    Veröffentlicht am 15.06.2019, von Marlies Strech



    BEI UNS IM SHOP