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Magdeburg

DAS GEHEIMNISVOLLE DES GRAFEN DRACULA

„Dracula“ von Gonzalo Galguera am Theater Magdeburg



In seiner Choreografie setzt Gonzalo Galguera auf Mihael Belilov als Dracula und Grettel Morejòn, Primaballerina des Nationalballetts Havanna als Mina Murray. Beide TänzerInnen machten den Abend zu einem tänzerischen Erlebnis.


  • „Dracula“ von Gonzalo Galguera am Theater Magdeburg: Mihael Belilov Foto © Nilz Böhme
  • „Dracula“ von Gonzalo Galguera am Theater Magdeburg: Mihael Belilov, Anastasia Gavrilenkova Foto © Nilz Böhme
  • „Dracula“ von Gonzalo Galguera am Theater Magdeburg: Mihael Belilov, Grettel Morejòn Foto © Nilz Böhme
  • „Dracula“ von Gonzalo Galguera am Theater Magdeburg: Adrián Román Ventura, Grettel Morejòn, Mihael Belilov Foto © Nilz Böhme
  • „Dracula“ von Gonzalo Galguera am Theater Magdeburg: Andreas Loos, Mihael Belilov, Adrián Román Ventura Foto © Nilz Böhme

„Ein Biss genügt und die Schönen und Reichen sind dem geheimnisvollen Fürsten der Finsternis für immer verfallen“. So lässt sich verkürzt die Legende von Dracula, der sein Unwesen treibt, beschreiben. Als Vampir geistert er durch die Nacht, ist furchterregende Legende und Held in unzähligen Filmen (Lee, Kinski, Lugosi) und auf der Musicalbühne. Auch Silvana Schröder schuf im letzten Jahr in Gera ein Dracula-Ballett.

Nun also folgt ein weiteres Handlungsballett, in dem Dracula im Mittelpunkt steht. Die Choreografie und die Inszenierung stammt vom Magdeburger Ballettdirektors Gonzalo Galguera und beruht auf Motiven des legendären Romans von Bram Stoker aus dem Jahre 1897. Wesentliche Inspiration für die tänzerische Umsetzung erhielt er durch Musik von Sergej Rachmaninow, Jean Sibelius, Ralph Vaughan Williams, Edward Elgar, Elizabeth Maconchy, George Lloyd, Franz Schreker und Leon Gurvitch. Weit mehr als eine Collage beindruckt die Musik in ihrem Zuschnitt auf die Bühnenhandlung, insbesondere auf die musikalische Charakterisierung der Personen. Dies macht im Zusammenspiel mit Bühnen- und Kostümbild, das nach „Le Corsaire“ (2016/2017) und „Raymonda“ (2017/2018) wiederum Darko Petrovic verantwortet, die Aufführung zu einem Erlebnis. In den faszinierenden Bühnenräumen, die der neugotischen Architektur Englands nachempfunden sind, himmelwärts strebend und in düsteren Farben gehalten, wird durch Videosequenzen das Irrationale und Ambivalente der Situation visualisiert. Wenig Dekoratives lenkt von dem Gruftigen in Draculas Schloss in Transsylvanien oder dem Gespenstischem auf den Straßen von London ab. Galguera gelingt hier eine faszinierende Einheit von Tanz, Bühne und Musik für „seine“ Geschichte von Dracula. Er zeigt Dracula als ambivalente Figur, die Verletzungen und Demütigungen erfahren hat. Die geheimnisvolle Aura, die ihn umgibt, ist anziehend und kann zum Verhängnis werden.

Die Geschichte wird exemplarisch an der Beziehung von Dracula zu dem Liebespaar Jonathan und Mina sowie Lucy und Abraham van Helsing erzählt. Das sind über weite Strecken wundervolle Bilder in schwarz-weiß. Was die tänzerischen Szenen zwischen Mina und Dracula und Mina und Jonathan sowie Dracula und Jonathan betrifft, hat die Choreografie die Form eines Kammerballetts. Das Besondere an Galgueras Ballett ist, dass er kein Ballett über Dracula ist und Gewaltexzesse beschreibt. Er beschreibt mit den Mitteln einer exzessiven Tanzsprache die Wirkung Draculas auf andere Menschen.

Insgesamt ist die Ensembleleistung rundum gelungen. Herausragend ist allen voran als Dracula und Mina Mihael Belilov a.G. und die Primaballerina des Nationalballetts Havanna Grettel Morejòn. Beide tanzen kraftvoll und elegant mit akrobatischer Beweglichkeit in Hebungen und Drehungen. Dabei zeigt Mihael Belilov eine besondere Ausdrucksstärke und Körperbeherrschung. Dies gilt auch für Adrian Roman Ventura als Jonathan und Andreas Loos als Professor Abraham van Helsing. In den Schlafwandler-Szenen überzeugt besonders Anastasia Gavrilenkova. Temperamentvoll wirbeln als drei Vampirinnen Julie Bruneau, Narissa Course und Antanina Maksimovich über die Szene. Für die Tänze der Fabelwesen im Schloss von Dracula und Lucys Ball in London hat Gonzalo Galguera effektvolle Tänze und Gruppentableaus choreografiert, die von der Kompanie wirkungsvoll interpretiert wurden. Zum Erfolg trägt wesentlich die Magdeburger Philharmonie bei. Svetoslav Borisov dirigiert mit ständigem Blick auf das Tanzgeschehen. Unter seiner musikalischen Leitung wirkt die Partitur aus den verschieden Kompositionen wie aus einem Guss.

Veröffentlicht am 08.04.2019, von Herbert Henning in Homepage, Kritiken 2018/2019

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