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Ludwigshafen

HOMMAGE AN DREI MUSIK-HEROEN

Die Michael Clark Company tanzt in Ludwigshafen viel mehr als Rock’n Roll



Punk und klassisches Ballett: Seinen Ruf als „Rock Star“ hat der Londoner Choreograf längst begründet. In „To a simple, rock ‘n‘ roll…song“ beschwört er drei musikalischen Heroen, die seinen Werdegang geprägt haben.


  • Die Michael Clark Company mit „To a simple, rock ‘n‘ roll…song“ im Pfalzbau Ludwigshafen: Harry Alexander und Benjamin Warbis Foto © Hugo Glendinning

Der Londoner Choreograf Michael Clark hat seinen Ruf als „Rock Star“ damit begründet, den Spagat zwischen Punk und klassischem Ballett perfekt zu schaffen. Mit seiner eigenen, achtköpfigen Company – alles Ausnahme-TänzerInnen – beschwört er in seinem Ballettabend „To a simple, rock ‘n‘ roll…song“ drei musikalischen Heroen, die seinen Werdegang geprägt haben. Der Titel des 2016 entstandenen Tanzabends stammt aus einem Songtext von Patti Smith; neben ihr kommen Erik Satie und David Bowie zu Gehör.

Der französische Komponist Satie gilt dank seines Kunstgriffs, pure Töne auf dem Piano einzeln anklingen zu lassen, als Begründer der Minimal Music. Im ersten Teil des Abends „Satie Studs / Ogives Composite“ setzt Michael Clark dieser Musik eine choreografische Entsprechung entgegen. Pure Bewegungen, effektvoll synchron, versetzt oder spiegelbildlich ausgeführt, füllen den Bühnenraum mit einer faszinierenden Ordnung. Die Tänzer im strengen Schwarzweiß der Klaviertasten zeichnen mit ihren höchst unterschiedlichen Körpern dennoch perfekt aufeinander bezogene geometrische Linien. Ein kontinuierlich wechselnder Farbverlauf taucht die Bühne in suggestives Licht: Das hat in den besten Momenten Trance-Qualität.

Im Patti Smith gewidmeten Mittelteil „Horse Power“ (in Anspielung auf das Album „Horses“, das ihr den Durchbruch brachte), sind die wilden 70er los – mit raffinierten Schlaghosen und sexy Hüftschwüngen, gebändigt durch die Disziplin des klassischen Bewegungsvokabulars. Auf der Bühnen-Rückwand läuft die Video-Installation „Painting by Numbers“ von Charles Atlas. Der Multimedia-Künstler hat sich vielfach mit dem Thema Tanz auseinandergesetzt; auf der Documenta 8 zeigte er eine Videoinstallation über Michael Clark als enfant terrible der Londoner Kulturszene.

Am Anfang des letzten, David Bowie gewidmeten Teils „my mother, my dog and CLWONS!“ ist Zeit für Trauer, für David Bowie als „Blackstar“ in seinem letzten, direkt vor seinem Tod veröffentlichten Album: die TänzerInnen in dunkelglänzenden Trikots scheinen von abgründiger Trauer gefangen. Aber der Schluss gehört dem pulsierenden Leben. In feuerroten, regelrecht flammenden Kostümen mit bizarren, clownesken Einlagen feiert die Choreografie eine Hymne an die wilde, fröhliche Unberechenbarkeit des Lebens. Die Botschaft kommt an – und wurde auch im ausverkauften Pfalzbau reichlich beklatscht.

Veröffentlicht am 02.04.2019, von Isabelle von Neumann-Cosel in Homepage, Kritiken 2018/2019

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