HOMEPAGE



Stuttgart

DAS BAUHAUS AUF DIE TANZBÜHNE GEWUCHTET

Kooperation zwischen Weimar und Stuttgart: der neue Tanzabend "Aufbruch!"



Für den dreiteiligen Tanzabend "Aufbruch!", einer Koproduktion mit dem Deutschen Nationaltheater Weimar, hat der neue Ballettintendant Tamas Detrich drei höchst unterschiedliche ChoreografInnen eingeladen.


  • "Revolt" von Nanine Linning. Tanz: Angelina Zuccarini, Ensemble Foto © Stuttgarter Ballett
  • "Revolt" von Nanine Linning. Tanz: Foto © Stuttgarter Ballett
  • "Patterns in ¾" von Edward Clug. Tanz: Martí Fernández Paixà, Roman Novitzky, Fabio Adorisio, Adhonay Soares da Silva Foto © Stuttgarter Ballett
  • "Patterns in ¾" von Edward Clug. Tanz: Ami Morita, Fabio Adoriso, Hyo-Jung Kang, Roman Novitzky Foto © Stuttgarter Ballett
  • "It.Floppy.Rabbit" von Katarzyna Kozielska. Tanz: Diana Ionescu, Ciro Ernesto Mansilla Foto © Stuttgarter Ballett
  • "It.Floppy.Rabbit" von Katarzyna Kozielska. Tanz: Mizuki Amemiya, Moacir de Oliveira Foto © Stuttgarter Ballett
  • "It.Floppy.Rabbit" von Katarzyna Kozielska. Tanz: Mizuki Amemiya, Martina Marin, Aiara Iturrioz Rico Foto © Stuttgarter Ballett
  • "It.Floppy.Rabbit" von Katarzyna Kozielska. Tanz: Mizuki Amemiya, Diana Ionescu Foto © Stuttgarter Ballett

Im Jubiläumsjahr wirft das Bauhaus lange Schatten - selbst bis ins Stuttgarter Ballett. Für den dreiteiligen Tanzabend „Aufbruch!“, einer Koproduktion mit dem Deutschen Nationaltheater Weimar, hat der neue Ballettintendant Tamas Detrich drei höchst unterschiedliche ChoreografInnen eingeladen, sich von der Bauhaus-Ästhetik und speziell vom Aufbruchsjahr 2019 inspirieren zu lassen. Herausgekommen ist die erhoffte attraktive künstlerische Mixtur.

Wenn Katarzyna Kozielska ihre ehemaligen EnsemblekollegInnen tanzen lässt, dann sieht das immer schön aus. Nach 18 Jahren als Tänzerin in Stuttgart ist Spitzentanz für sie keine andächtige Traditionsfeier, sondern eine selbstverständliche Form der Fortbewegung auf der Bühne. Sie nähert sich den gewichtigen Bauhausthemen höchst unbefangen und spielerisch. Jubiläum hin, hehre Prinzipien her: Die eigentlichen Objekte der allgemeinen Begierde sind doch die Designklassiker, zum Beispiel die berühmte Wagenfeldleuchte. Sie bekommt bei Katarzyna eine lebendige und durchaus sexy interpretierte menschliche Gestalt.

Bühnen- und Kostümbildnerin Katharina Schlipf hat ebenfalls muntere Anleihen bei legendären DesignerInnen der Zeit genommen. Insgesamt zwölf TänzerInnen in extravaganten Pludershorts mit angesetzten kurzen Miedern lassen sich sehr hübsch von den Designattraktionen verführen, bis zum ironischen Schlussbild jeder seine Leuchte auf dem Tisch stehen hat. Die Musik eigens zu diesem Stück mit dem etwas aufgesetzten Titel „IT. Floppy. Rabbit“ (den man als Anspielung auf den Sprung von der Floppy-Disk bis zum 64-bit-Algorhythmus interpretieren könnte) komponierte Benjamin Magnin de Cagny. Der Musiker schreibt gern vorhandene Werke fort, in diesem Fall ein Violinkonzert von Steve Reich, dem er eine spannende Steigerung verpasste.

Minimal-Music, da waren sich alle drei TanzschöpferInnen an diesem Abend einig, passt am ehesten zu den Bauhausprinzipien. Die ehemalige Heidelberger Tanzchefin Nanine Linning, die mit „Revolt“ den letzten Teil des Abends beisteuerte, hatte sich mit „Weather“ von Michael Gordon eine eingängige Mischung aus Minimal und Popmusik ausgesucht; das Streicherkonzert wurde vom Stuttgarter Staatsorchester unter der Leitung von Wolfgang Heinz gar live gespielt.

In Nanine Linnings Choreografie bestimmt das Design den Umschwung. Blau ist die beherrschende Farbe auf der Bühne: In einem offenen Kubus mit blauer Rückwand agieren insgesamt 16 TänzerInnen, zunächst in hautengen blauen Ganzkörpertrikots, denen Modedesignerin und Kostümbildnerin Irina Shaposhnikova als Zeichen der neuen Zeit spektakuläre grafisch gestaltete Röcke verpasste. Nanine Linning setzt in ihren Bildern auf den langsamen Wandel, dem viel innere Spannung vorausgeht – abzulesen an gespreizten, abgeknickten oder gegen unsichtbare Wände gestemmten Händen. Ansonsten lässt sie barfuß, aber doch überraschend ballett-nah tanzen.

Dritter im Bunde und für das mittlere Stück des Abends verantwortlich ist Edward Clug, Direktor des Slowenischen Nationalballetts und gern gesehener Choreografiegast in Stuttgart. Für „Patterns in ¾“ macht er es den BauhauskünstlerInnen nach. Aus den Rhythmen der überaus stimmig wirkenden Musik (Steve Reich und Milko Lazar) schafft er eine choreografische Versuchsanordnung für sieben TänzerInnen nach Bauhausprinzipien. Schlichtes, aber höchst wirkungsvolles Design in Bühnenbild (Marko Japelj) und Kostümen (Leo Kulaš) und eine Bewegungssprache, die sich funktional auf das Wesentliche von Trio und Quartett beschränkt: So könnte Bauhaus funktionieren, heute noch. Nicht nur gemessen an Bravos und Beifalllautstärke war dies eindeutig der stärkste Teil des Abends.

Veröffentlicht am 30.03.2019, von Isabelle von Neumann-Cosel in Homepage, Gallery, Kritiken 2018/2019

Dieser Artikel wurde 611 mal angesehen.



Kommentare zu "Das Bauhaus auf die Tanzbühne gewuchtet"



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung




    Ähnliche Beiträge

    VIELSCHICHTIGER BLICK AUF DAS BALLET BLANC

    "Shades of White" beim Stuttgarter Ballett

    Fast drei Stunden genoss das Publikum ausschließlich Tanz auf Spitze, weiße Tütüs und Herren in Strumpfhose. Auf dem Programm standen Werke von Petipa, Balanchine und Cranko.

    Veröffentlicht am 15.10.2018, von Alexandra Karabelas


    MARCO GOECKE WIRD NICHT VERLÄNGERT

    Der Vertrag des Hauschoreografen des Stuttgarter Ballett läuft zum Ende der Spielzeit 2017/2018 aus

    Der designierte Ballettintendant Tamas Detrich, der ab September 2018 die Leitung übernimmt, möchte eine eigene künstlerische Richtung einschlagen.

    Veröffentlicht am 11.07.2017, von Pressetext


    NEUBERUFUNG

    Tamas Detrich wird Nachfolger des Ballettintendanten Reid Anderson am Staatstheater Stuttgart

    Andersons Vertrag endet im Sommer 2018. Seit 2004 ist Tamas Detrich ist bereits sein Stellvertreter.

    Veröffentlicht am 08.07.2015, von tanznetz.de Redaktion


     

    LETZTE BEITRÄGE 'TANZ IM TEXT'


    MÜNCHEN IM TANZFIEBER

    Vom Minifestival „depARTures“ weiter zur Ballettfestwoche, die das Bayerische Staatsballett sensationell mit „Jewels“ von Balanchine eröffnet.
    Veröffentlicht am 17.04.2019, von Vesna Mlakar


    FLUSS UND RHYTHMUS DES LEBENS

    Uraufführung im Großen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters
    Veröffentlicht am 16.04.2019, von Martina Burandt


    GENDER-UTOPIEN

    „Kylián/Goecke/Montero“ in Nürnberg
    Veröffentlicht am 15.04.2019, von Alexandra Karabelas



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    VOM FINDEN EINER NEUEN KÜNSTLERISCHEN HEIMAT

    Tanzabend „Muttersprache“ ab dem 13. April im Großen Haus des Mainfranken Theaters Würzburg

    Ballettdirektorin Dominique Dumais nähert sich gemeinsam mit der Tanzcompagnie des Mainfranken Theaters in „Muttersprache“ dem Spielzeitthema „Heimat“ auf sehr persönliche Weise.

    Veröffentlicht am 08.04.2019, von Anzeige

    LETZTE KOMMENTARE


    ENGAGEMENT VERLOREN

    Sergei Polunin nicht mehr im "Schwanensee" an der Pariser Oper
    Veröffentlicht am 15.01.2019, von tanznetz.de Redaktion


    RAUSCHEN VON SASHA WALTZ & GUESTS

    Uraufführung am 7. März 2019 in der Volksbühne Berlin
    Veröffentlicht am 01.02.2019, von Anzeige


    HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!

    Der Primaballerina Lynn Seymour zum 80. Geburtstag
    Veröffentlicht am 06.03.2019, von tanznetz.de Redaktion

    MEISTGELESEN (30 TAGE)


    DER MENSCH AUF EINER REISE INS UNGEWISSE

    "Mozartrequiem" als Ballett von Can Arslan mit Musik von Wolfgang Amadeus Mozart

    Veröffentlicht am 29.03.2019, von Herbert Henning


    ABSAGE AN DEN URBANEN TANZ

    Zekai Fenerci, Geschäftsführer und künstlerischer Leiter von Pottporus e.V. / Renegade wehrt sich öffentlich gegen Nicht-Förderung

    Veröffentlicht am 23.03.2019, von Pressetext


    RAUM, KLANG, TANZ

    Initiation der Elbphilharmonie-Foyers mit Sasha Waltz & Guests' „Figure Humaine“

    Veröffentlicht am 02.01.2017, von Annette Bopp


    MISSHANDLUNGEN AN DER BALLETTSCHULE DER WIENER STAATSOPER?

    Die Ballettakademie sieht sich mit schweren Vorwürfen konfrontiert

    Veröffentlicht am 11.04.2019, von tanznetz.de Redaktion


    ERSTE SCHRITTE UND GRAND JETÉS IN ALLER VIELFALT

    Frühlings-Matinee der Heinz-Bosl-Stiftung

    Veröffentlicht am 13.04.2019, von Sabine Kippenberg



    BEI UNS IM SHOP