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Bremen

JA, RENN NUR NACH DEM GLÜCK

„Will happiness find me?“ am Theater Bremen



Mit ihrem neuen Stück begeben sich Samir Akika und Unusual Symptoms auf Glückssuche. Dabei bewegen sie sich durch all die Trugbilder und Sehnsüchte vom sogenannten gelungenen Leben - was immer damit gemeint sein mag.


  • "Will happiness find me?" am Theater Bremen: Karl Rummel, Young-Won Song, Andor Rusu, Diego de la Rosa, Alexandra Llorens (hinten), Gabrio Gabrielli Foto © Jörg Landsberg
  • "Will happiness find me?" am Theater Bremen: Suetzsu und jayrope (hinten links), Diego de la Rosa, Gabrio Gabrielli, Karl Rummel (vorne), Norá Horváth Foto © Jörg Landsberg
  • "Will happiness find me?" am Theater Bremen Foto © Jörg Landsberg
  • "Will happiness find me?" am Theater Bremen: Karl Rummel, Alexandra Llorens, Gabrio Gabrielli, Young-Won Song, Norá Horváth Foto © Jörg Landsberg

„Vielleicht ist die Frage (nach dem Glück) nicht, wie wir daran arbeiten können, unseren Existenzen Sinn zu verleihen, sondern wo wir stehen müssen, damit uns das Glück beim Vorbeiziehen erwischt.“ Das fragt sich Samir Akika in seiner neuen Choreografie. Doch schließt das eine das andere nicht aus: Denn in dem Moment, in dem wir herausgefunden haben, wo und wie wir im Leben am besten stehen, haben wir oft auch ein Gefühl für die Sinnhaftigkeit unserer Existenz gefunden.

„Ja, renn nur nach dem Glück, doch renne nicht zu sehr, denn alle rennen nach dem Glück, das Glück rennt hinterher.“ Das hat Bertolt Brecht in seinem Lied von der Unzulänglichkeit so ähnlich ausgedrückt. Und schon geht es auf der Bühne los mit der „Rennerei“. Ein wenig wie ein verrückter Traum mutet all das wild überzogene, sonderbare, oft skurrile Treiben zunächst an. Doch schon bald erkennt man, dass alles Bemühen, Kämpfen und Tun alltäglicher ist, als man zuerst denken würde.

„I'm walking on the stars“ hört man gleich zu Anfang im wiederkehrenden Song, während dazu ein großes Gummibärchen in die heruntergekommene Vorgarten-Idylle (Bühne: Karl Rummel) tänzelt. Nach und nach folgen sieben weitere Ensemblemitglieder: manche bunt stilisiert wie aus Comics, andere ganz alltäglich gekleidet (Kostüme: Greta Bolzoni). Ein Pärchen wühlt in einem Sperrmüllberg, ein weiteres schlägt sich, jagt sich, schreit jauchzend. Jemand tanzt allein oder schaukelt in einem alten Autoreifen. Einer springt während eines Tanzsolos eine Kletterwand hoch, während am Boden ein anderer mit einem Staubsauger ringt. Drei stehen herum und lassen sich lange Nudeln aus den weit geöffneten Mündern ziehen. Mit Raumspray wird dem Leben ein glücklicherer Duft übergesprüht. Rote Plastikeimer und bunte Strumpfhosen kommen zum Einsatz und plötzlich wabert der Kunstrasen wie ein großes Organ zu psychedelischen Klängen.

Den Rhythmus gibt – wie so oft in den Choreografien Akikas – der Komponist und Performer jayrope an, diesmal zusammen mit der Musikerin und Performerin Suetzsu. Die Musik in „Will happiness find me“ ist hervorragend. Hoch oben über dem Geschehen hantiert das Musikerduo vor der Kulisse einer großen weißen Wolke mit Instrumenten und Stimme.

Dieser Tanzabend ist so überbordend abwechslungsreich und flüchtig wie das Glück. Geschickt bringt Samir Akika die gleichzeitig stattfindenden Szenen in einen Fluss. Die unterschiedlichen Themen und Darstellungsweisen - von Tanz über Schauspiel und Performance - ergeben ein flirrend lebendiges Ganzes. Gut sind auch die so unterschiedlichen Charaktere des neu zusammengestellten Ensembles in Szene gesetzt. Eineinhalb Stunden folgt das Publikum seiner bis ins Manische getriebenen Glückssuche, die schließlich unausweichlich ins Scheitern umschlägt. Was am Ende bleibt, ist eine Bilderflut, die Gefühle freisetzt, so unterschiedlich und flüchtig wie das Leben selbst. „Denn für dieses Leben ist der Mensch nicht anspruchslos genug“, heißt es bei Brecht weiter passend, „drum ist all sein Streben nur ein Selbstbetrug.“

Veröffentlicht am 26.03.2019, von Martina Burandt in Homepage, Kritiken 2018/2019

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