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ICH SEHE HIN ZU DIR

"Flowers (we are)“ bei PACT Zollverein als Deutschlandpremiere



„Ungewöhnliche Verquickungen“ sind laut Programmheft eine Spezialität von Claire Croizé / ECCE. In "Flowers (we are)" bleibt es aber eher bei einem Nebeneinander.


  • "Flowers (we are)" von Claire Croizé / ECCE Foto © Julie De Meester
  • "Flowers (we are)" von Claire Croizé / ECCE Foto © Julie De Meester
  • "Flowers (we are)" von Claire Croizé / ECCE Foto © Julie De Meester
  • "Flowers (we are)" von Claire Croizé / ECCE Foto © Marc Wellens

Menschliche Begegnungen gehören wahrscheinlich zu den häufigsten Themen der Kunst. Für den Tanz bieten sie sich vielleicht sogar besonders an, können doch nur wenige Kunstformen so direkt mit dem Zusammentreffen von Körpern arbeiten. Und so ist es eigentlich nicht überraschend, dass sich mit Claire Croizé erneut eine Choreografin diesem komplexen Thema widmet. In ihrer jüngsten Arbeit "Flowers (we are)“ geht es ihr dabei um nichts weniger als um die Untersuchung der Grundfesten zwischenmenschlicher Beziehungen.

Thematisch passend werden dann auch Fallen, Festhalten und Auffangen zu den dominierenden Bewegungsmustern. Die drei TänzerInnen (Emmi Väisänen, Claire Godsmark und Gorka Gurrutxaga) treffen in verschiedenen Konstellationen aufeinander, führen sich gegenseitig ein Stück weit, um dann wieder in einzelnen Soli ganz bei sich zu sein. Das alles geschieht mit einer hohen Aufmerksamkeit, die von Respekt und Interesse den PartnerInnen gegenüber zeugt und ist bewegungstechnisch sauber ausgeführt. Und wenn dann Eine den Anderen mit großer Konzentration zusieht, deren Bewegungen und Raumwegen folgt, wird man als ZuschauerIn zum stillen, distanzierten Beobachter. Diese Momente intensiver Kommunikation zwischen den TänzerInnen entwickeln in ihrer Ausklammerung theatraler Repräsentation einen ganz eigenen Reiz, gewinnen der Thematik jedoch weder inhaltlich noch tänzerisch-choreografisch neue Dimensionen ab.

Kombiniert werden die Duette und Trios der drei PerformerInnen mit ins Englische übertragenen, leicht modifizierten und leider akustisch schwer zu verstehenden Texten von Rainer Maria Rilke und Kompositionen von Johann Sebastian Bach und Matteo Fargion. Ist Fargion spätestens seit seinen Arbeiten mit Jonathan Burrows in der Tanzszene kein Unbekannter, überzeugt er auch hier nicht nur durch seine elektronischen Modulationen und Verzerrungen von Bachs Werken, sondern ebenso durch seine performative Präsenz, wenn er die musikalische Gestaltung seiner Tochter Francesca Fargion überlässt und sich zu den TänzerInnen gesellt. Ein „Duett für 2 MusikerInnen und 3 PerformerInnen“ soll „Flowers (we are)“ nach Croizés eigenen Worten sein. Tritt Fargion als Performer in Erscheinung, geht dieses Konzept auf. In den übrigen Momenten sind die TänzerInnen zu sehr auf sich bezogen, um eine Beziehung zur Musik aufzubauen, die über die gemeinsame äußere Struktur einzelner Kompositionen und Episoden hinausgeht.

Wieso das alles vor der Kulisse eines auf einen Silbervorhang projizierten Bergprospekts mit kreisrundem Mond über den Gipfeln stattfindet und damit eine fast kitschige Note bekommt, bleibt am Ende genauso unklar wie das zu einem Fisch zusammengerollte glitzernde T-Shirt oder die kleine Silberflasche, die eine magische, Sehen-machende Substanz zu enthalten scheint. Dieses Nebeneinander unterschiedlicher Elemente, das sich durch das Stück zieht, lässt „Flowers (we are)“ letztendlich etwas zu beliebig erscheinen, um wirklich zu überzeugen und tief in die Komplexität menschlichen Zusammenlebens einzudringen.

Veröffentlicht am 24.03.2019, von Anja K. Arend in Homepage, Kritiken 2018/2019

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