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Bremen

DURCH DIE WELT DES SCHLAFES GETANZT

„Schlafwandler 1999/2019“ von Helge Letonja in der Schwankhalle Bremen



20 Jahre nachdem Helge Letonja das Tanzduett für die beiden ehemaligen Mitglieder des Bremer Tanztheaters Anne Minetti und Ziv Frenkel kreierte, nimmt er mit ihnen das Stück wieder auf und schreibt es mit neuen Fragen fort.


  • "Schlafwandler" von Helge Letonja mit Anne Minetti und Ziv Frenkel Foto © Sebastian Wolf
  • "Schlafwandler" von Helge Letonja mit Anne Minetti und Ziv Frenkel Foto © Marianne Menke
  • "Schlafwandler" von Helge Letonja mit Anne Minetti und Ziv Frenkel Foto © Marianne Menke
  • "Schlafwandler" von Helge Letonja mit Anne Minetti und Ziv Frenkel Foto © Marianne Menke
  • "Schlafwandler" von Helge Letonja mit Anne Minetti und Ziv Frenkel Foto © Sebastian Wolf
  • "Schlafwandler" von Helge Letonja mit Anne Minetti und Ziv Frenkel Foto © Sebastian Wolf
  • "Schlafwandler" von Helge Letonja mit Anne Minetti und Ziv Frenkel Foto © Sebastian Wolf

Müde vom Alltag, legt sich ein Paar zum Schlafen, taucht in seine unbewussten Welten ein und findet sich in einem Strudel längst verdrängter Erinnerungen wieder. Auf eigenwillige Weise vermischen diese sich in skurrilen Ausbrüchen und Ausdrucksweisen neu. Sie gehen auseinander und finden plötzlich wieder zusammen in einer empfindlichen Balance, die jederzeit unvermittelt in die ein oder andere Richtung kippen kann.

Zunächst macht es einfach Freude, das gealterte Tänzerpaar zu sehen. Anne Minetti hat das Haar zu drei langen Zöpfen gebunden; Ziv Frenkels kurzer Schopf ist ergraut. Während sich Frenkel, auf dem Boden liegend, wie im Schlaf dreht und wendet, schreitet Minetti über, neben, um ihn, als würde sie durch Träume wandern.

Plötzlich steht sie, am ganzen Körper vibrierend, zitternd da und er ruft „Gecco!“ Was dies bedeuten soll, weiß vielleicht der Nachthimmel. Und schon steht Frenkel auf, geht und scheint unvermittelt in eine Welt voller Verbeugungen und Danksagungen gestellt. Derweil beginnt Minetti, mit sich selbst zu kämpfen, fällt und schreit. Frenkel bemüht sich, zu ihr zu robben, verschwindet dann aber auf einer imaginären Toilette. Als er wieder auftaucht, zieht sie ihm Unmengen von weißen Federn aus der Bauchgegend. Dann wird ein Walzer in Zeitlupe getanzt.

In dieser siebzig Minuten dauernden Choreografie sehen wir in lang gehaltenen Bildern, was ein Paar im Traum alles so machen und erleben kann. Diese Welten sind so überraschend wie wir es aus Träumen kennen. Poetische Momente entstehen, wenn die ganze Bühne mit einem weißen Tuch bedeckt wird, das von Luftströmen wie eine Meeresoberfläche bewegt und mit unterschiedlichen Farben zum Leuchten gebracht wird. Ganz winzig wirkt das Tänzerpaar, das sich zu Spieluhrmusik - wie aus dem Kinderzimmer - darunter legt, wie unter eine riesige Bettdecke.

Die Musikauswahl in „Schlafwandler 1999/2019“ ist wunderbar. Schuberts „Unvollendete“ Sinfonie in h-Moll unterstützt das Unbestimmte und Schwebende einer Traumnacht. Doch gerät der Tanzfluss ins Stocken, da das Stück oft sehr lange in seinen Bildern verweilt. Vielleicht hat sich Helge Letonja, besonders im zweiten Teil seiner Choreografie, zu sehr an Schuberts spiralförmiger Langsamkeit und zielloser Nachdenklich orientiert. Und der endlose Monolog von Anne Minetti, in französischer und englischer Sprache ist ermüdend.

Mag das Vage in der Musik auch perfekt sein, so ist es der Gleichklang allein für ein Tanzstück nicht immer. Auf die Dauer wirkt das dann eher einsilbig und begrenzt. Dabei gäben die entwickelten Bilder weit mehr an Bewegungsideen und Weiterführen der Geschichte her. Tempowechsel und Akzente würden der Spannung gut tun, wie eine abwechslungsreichere Bewegungssprache, die nicht nur im Schwebenden, manchmal Unsicheren verbleibt. So ist auch das letzte Bild mit changierenden Farben auf dem weißen Tuch sehr schön anzuschauen, doch belässt es das Publikum weiter im Schwebezustand.

Veröffentlicht am 19.03.2019, von Martina Burandt in Homepage, Kritiken 2018/2019

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