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Hamburg

ARCHAISCHE ALLEGORIE

Europapremiere in Hamburg auf Kampnagel: „Omphalos“ von Damien Jalet mit dem „Center of Contemporary Dance“ (CEPRODAC) aus Mexico City



Eine einstündige Vorstellung, in deren Mittelpunkt eine große Teleskopschüssel steht und eine sehr spezielle Magie entfaltet.


  • "Omphalos" von Damien Jalet; Kompanie Ceprodac Foto © Emmanuel Adamez
  • "Omphalos" von Damien Jalet; Kompanie Ceprodac Foto © Daniel Lugo
  • "Omphalos" von Damien Jalet; Kompanie Ceprodac Foto © Emmanuel Adamez
  • "Omphalos" von Damien Jalet; Kompanie Ceprodac Foto © Daniel Lugo
  • "Omphalos" von Damien Jalet; Kompanie Ceprodac Foto © Daniel Lugo
  • "Omphalos" von Damien Jalet; Kompanie Ceprodac Foto © Emmanuel Adamez
  • "Omphalos" von Damien Jalet; Kompanie Ceprodac Foto © Daniel Lugo
  • "Omphalos" von Damien Jalet; Kompanie Ceprodac Foto © Emmanuel Adamez

Am Anfang war das Dunkel. Es ist duster, überaus duster, wenn sich der Vorhang in der K6 der Kampnagelfabrik zu „Omphalos“ öffnet. Schemenhaft nur ist eine riesige Teleskopschüssel auszumachen, die den gesamten Bühnenraum einnimmt. Sphärische elektronische Musik ertönt (Komposition: Ryuichi Sakamoto und Marhiko Hara). Wie ein Fingerzeig Gottes dann plötzlich ein Lichtstrahl, mittig ausgerichtet ins Zentrum der Hohlform, die sich daraufhin langsam zu drehen beginnt. Als die Öffnung wieder nach vorne zeigt, kauern dort vier Gestalten in blauem, rotem, goldenen und silbernem Gewand, über und über mit spiraligen Metallfäden behängt (Kostüme: Jean Paul Lespagnard). Vier Vogelkopfmasken in den gleichen Farben markieren die vier Himmelsrichtungen, schon bald werden sie zu Helmen der vier götterähnlichen Gestalten (der Adler galt in der griechischen Mythologie als himmlischer Vogel und war ein Attribut von Zeus).

Nach und nach holen die vier Adlerwesen nun insgesamt 16 larvenartig verhüllte schmutziggraue Wesen aus der Mitte der Schüssel, die sich kriechend-schlängelnd in Zeitlupe an den oberen Rand bewegen, dabei aber wie über eine Nabelschnur mit dem Zentrum verbunden bleiben. Als alle ‚geboren‘ sind, werden die ‚Nabelschnüre‘ an die Decke und die Wesen dadurch wieder ins Zentrum gezogen, wo sie Kopf und Oberkörper aus den grauen Hüllen schälen. Zum Vorschein kommen mit schwarz-blau-roten Tapes beklebte Gestalten, die sich kreisförmig um den Schüsselnabel anordnen und dann von dort aus mit weiten kreisenden Bewegungen in das Rund ausschwärmen.

Nach geraumer Zeit dreht sich die Schüssel erneut, und man sieht, wo die vier Vogelgötter inzwischen abgeblieben sind: Sie hängen im Gestänge und bewegen sich dort behände zwischen den Gittern, als würden sie dem ganzen erst richtig Schwung geben. Sie haben die Macht, sie bewegen die Welt. Als das Innere der Schüssel wieder sichtbar sind, sind die 16 Streifenwesen zu Menschen geworden, in städtisches Outfit gekleidet. Und nun entspinnt sich ein Hin und Her zwischen Schüsselinnerem und den Stützstreben, an deren Ende die Menschen alle über den Rand fallen und im Gestänge hängenbleiben, während die Adlerwesen überleben und schließlich zurückkehren in die Mitte, wo sie ihre ursprünglichen Plätze wieder einnehmen.

Damien Jalet ist mit „Omphalos“ eine großartige, archaische Allegorie auf den ewigen Kreislauf des Menschwerdens gelungen, über Werden, Sein und Vergehen. Über die elektronische Musik entwickelt sich zusammen mit dem Tanz ein magischer Sog, der einen beim Zuschauen fast in Trance versetzt. Das Publikum feierte alle Beteiligten zu Recht mit großem Beifall.

Veröffentlicht am 17.03.2019, von Annette Bopp in Homepage, Kritiken 2018/2019

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Kommentare zu "Archaische Allegorie"



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