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Ludwigshafen

VERGOLDETE ERINNERUNGEN

Das Aterballetto mit „Golden Days“ von Johan Inger zu Gast in Ludwigshafen



Mit Musik von Tom Waits, Patti Smith und Keith Jarrett kreiert Johan Inger einen stimmungsvollen Tanzabend.


  • "Rain dogs" von Johan Inger Foto © Nadir Bonazzi
  • "Rain dogs" von Johan Inger Foto © Nadir Bonazzi

Das Aterballetto erfindet sich neu. Drei Jahre hat der amtierende Direktor Gigi Cristoforetti dafür angesetzt, dem italienischen Aushängeschild für zeitgenössisches Ballett ein neues Profil zu verpassen. Bis 2012 war der Name von Mauro Bigonzetti untrennbar mit dem Aterballetto verbunden und diente als Garant für durchweg schön anzuschauende, vom Publikum mit Begeisterung angenommene Kreationen. Seit seinem Weggang sucht das Aterballetto nach einer Ausrichtung, die an den Erfolg der Bigonzetti-Ära anknüpfen kann. 
Einer, der es richten soll, ist Johan Inger. Der frühere Hauschoreograf des Nederlands Dans Theater und spätere Leiter des schwedischen Cullberg Balletts arbeitet seit zehn Jahren weltweit als freier Choreograf. Für die Neuausrichtung des Aterballetto wurde ihm die Schaffung eines Tanzabends anvertraut, mit dem die Truppe aus Reggio Emilia derzeit in Europa tourt („Golden Days“). Im Jahr 2020 wird er dann mit der Kompanie ein künstlerisches Schwergewicht stemmen, einen abendfüllenden „Don Giovanni“. Im Ludwigshafener Pfalzbau konnte man sich Johann Ingers ersten künstlerischen Streich ansehen.

Für die 75 Minuten von „Golden Days“ kombinierte Inger ganz geschickt zwei frühere Arbeiten mit einem neuen verbindenden Solo. Das klappt ganz reibungslos, weil in „Golden Days“ die Musik Stimmungen vorgibt, die das Publikum ganz direkt teilen kann. Am Anfang stehen eher düstere Töne aus Tom Waits‘ Alternativ-Rock Album „Rain Dogs“ (so heißt auch das Stück). Der titelgebende Song erzählt von einem Hund, der sich im Vertrauen auf seine gute Nase weit aus dem vertrauten Terrain weg wagt – und nicht mehr zurückfindet, weil der Regen die (Geruchs-)Spuren weggewaschen hat. So ergeht es den TänzerInnen in diesem ersten Teil, die Vieles ausprobieren (bis hin zum witzigen Kleidertausch) und doch weder zusammenfinden noch als Einzelne ihrer Rolle sicher werden.

Im Solo „Birdland“ (nach dem gleichnamigen Song von Patti Smith) tanzt sich eine Solistin fulminant die Seele aus dem Leib, während ihr zwei stoische Bühnenarbeiter langsam, aber unaufhaltsam den Tanz-Teppich unter den Füßen wegziehen. Darunter ist zum Glück noch ein weißes Teppichgeviert ausgelegt, und so kann es gleich weitergehen mit „Bliss“. Auch hier dient die Musik als Garant fürs Lebensgefühl, nämlich das Köln Concert von Jazzpianist Keith Jarrett; bis heute das meistverkaufte Album in diesem Genre. Die mitreißend vergnügte Musik tut auch hier ihre Wirkung, zieht die TänzerInnen in den leichtfüßigen Bann des Hier und Jetzt und lässt die ZuschauerInnen direkt teilhaben an einer ausgelassenen Feier des schönen Augenblicks. Großer Beifall – na klar.

Veröffentlicht am 21.02.2019, von Isabelle von Neumann-Cosel in Homepage, Gallery, Kritiken 2018/2019

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