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Mainz

DER ABSOLUT RICHTIGE DREH

Victor Quijadas choreografisches Europadebut: „Twist“ bei tanzmainz



Der Mainzer Tanzchef Honne Dohrmann choreografiert nicht selbst. Aber bei der Auswahl seiner Choreografen hat er offensichtlich den richtigen Dreh raus. Zweimal in Folge wurden Produktionen von „tanzmainz“ mit dem Faustpreis ausgezeichnet.


  • "Twist" bei tanzmainz: Matti Tauru, Eliana Stragapede, Jorge Soler Foto © Andreas Etter
  • "Twist" bei tanzmainz: Twist_Marija Slavec, Cornelius Mickel, Amber Pansters, Maasa Sakano Foto © Andreas Etter
  • "Twist" bei tanzmainz: Foto © Andreas Etter

Der Mainzer Tanzchef Honne Dohrmann choreografiert nicht selbst. Aber bei der Auswahl seiner Choreografen hat er offensichtlich den richtigen Dreh raus. Zweimal in Folge wurden Produktionen von „tanzmainz“ mit dem Faustpreis ausgezeichnet, zuletzt „Soul Chain“ von Sharon Eyal. Der neue Tanzabend „Twist“ spielt zumindest in derselben Liga. Victor Quijada, Leiter der in Montréal beheimateten „Rubberbandance Group“, choreografierte hier zum ersten Mal in Europa für eine fest an einem großen Theaterhaus angesiedelte Kompanie – eine neue Herausforderung für den längst international renommierten Choreografen. Als Sohn mexikanischer Eltern in Los Angeles geboren, führte sein Weg in die Tanzszene von der Straßen- zur Hochkultur: von der HipHop-Szene zu den Grands Ballets Canadiens.

Quijada verbindet diese scheinbaren Gegensätze zu einer verblüffenden Synthese. Seine „Rubberband“-Methode scheint Tänzerkörpern genau dieses Mehr an Elastizität zu verleihen, das ihnen die überraschenden Balanceakte möglich macht, von denen der HipHop lebt. In „Twist“ wurd genau dieser überraschende Dreh zum Thema. Das zwanzigköpfige famose „tanzmainz“-Ensemble ist die Arbeit mit extrem unterschiedlichen Anforderungen gewohnt; die Betonung liegt dabei auf extrem. Der Spaß an der Erweiterung ihres Bewegungsrepertoires kommt unmittelbar über die Rampe.

Eingangs unterziehen sich die TänzerInnen, unisex-Figuren in hellgrau glänzende lange Unterwäsche gehüllt und auf gestaffelt angeordneten Sitzbänkchen platziert, synchronen Gruppen-Exerzitien. Die geraden Rücken, die bis zu den Fingerspitzen elegant getragenen Arme wissen noch alles vom klassischen Ballett. Doch dann wird alles immer gerade in dem Moment anders, wenn der Blick des Zuschauers sich vermeintlich wissend in einer Szene eingenistet hat. Für seine Überraschungs-Coups nutzt Quijada neben der Kombination von Elementen unterschiedlichster Tanzsprachen auch Bühne und Kostüme in perfekter Manier.

Die Bänke werden zu Türen, Regalen, Betten der Türmen, Plastikplanen spielen mit (Bühne: Liam Bunster), und die zeitlosen, trotzdem anspielungsreichen Kostüme (Cloé Alain-Gendreau) nehmen unvorhergesehene farbige Wendungen. Von blauen Zwangsjacken in einer Light-Version über rote, Mönchskutten erinnernde Zweiteiler bis hin zu phantastischen Wendejacken bieten die Kleidungsstücke Anlässe für jede Menge Überraschungen. Lässig zusammengehalten werden die verblüffenden Drehs durch die Originalkomposition von Jasper Gahunia. Seine Musik mäandert elegant zwischen klassischer Komposition und zeitgenössischem Sounddesign und lässt die immer komplexere Konstruktion des Stückes lässig logisch rüberkommen: berechtigter Jubel des Publikums nach 60 perfekt stimmigen Minuten.

Veröffentlicht am 11.02.2019, von Isabelle von Neumann-Cosel in Homepage, Kritiken 2018/2019

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