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Lausanne

BEWUNDERT

Der diesjährige Prix de Lausanne überzeugte auch beim zeitgenössischen Tanz



Der Prix de Lausanne für Ballett-Talente zwischen 15 und 19 war ein starker Jahrgang. Von 74 Teilnehmenden kamen 21 ins spannende Finale. Dort wurde auch Marcia Haydée für ihr Lebenswerk mit einem Life Time Achievement Award geehrt.


  • Mackenzie Brown Foto © Gregory Batardon
  • Gabriel Figueredo, John Cranko Schule, Stuttgart 2. Preis des Prix de Lausanne im Glinka Pas de deux Foto © Stuttgarter Ballett

Finale beim Prix de Lausanne 2019: Der Saal im Théâtre Beaulieu mit seinen über 1800 Plätzen ist randvoll. Die Kritikerin, die sich etwas spät angemeldet hat, muss mit einem Klappsitz links außen Vorlieb nehmen. So ist ihre Sicht auf die Bühne leicht behindert.

Trotzdem wird ihr bald klar: Das Niveau des internationalen Ballettnachwuchses zwischen 15 und höchstens 19 Jahren ist hoch, sehr hoch. Beim ersten Durchgang der 21 FinalistInnen, wo jeder und jede eine Szene aus einem klassischen Ballett auf die Bühne bringt, ist man einmal mehr verblüfft über die stupende Technik und den Charme vieler Mitwirkender. In glitzernden Kostümen präsentierten sich Dornröschen, Giselle, James aus „La Sylphide“ oder Colas aus „La Fille mal Gardée“ und nehmen beglückt den großen Applaus entgegen.

Bei der zeitgenössischen Variation ist die Qualität von Jahr zu Jahr gestiegen. Mädchen und Jungen verbinden oft hohes athletisches Können mit Flexibilität und Finessen. Bewundernwert sind auch die Vorlagen, die eine Elite heutiger Choreografen – Choreografinnen fehlen leider! - eigens für den Prix de Lausanne kreiert hat. Sie stammen von Heinz Spoerli, Jean-Christophe Maillot, Mauro Bigonzetti, Wayne McGregor. Und von Richard Wherlock, der die einzige lustige Variation geschaffen hat, die auf der Finale-Bühne zu sehen war: Eine Szene aus einem modernen „Swan Lake“, wo ein Mädchen in schwarzweiß-geringelten Stricksocken auf der Bühne herumturnt, in ein schwarzes Kleidchen mit weißem Bubikragen gesteckt.

Im Finale ist die Zahl der Auserwählten von anfangs 74 Mädchen und Jungen auf 21 geschrumpft. Fast allen, so dünkt mich, stünde einer der acht Prix de Lausanne-Preise zu. Diese bestehen aus einem Jahresstipendium an einer der weltweit besten Ballettschulen oder einer Stage bei einer berühmten Tanzkompanie. Die Häuser und Schulen in Deutschland: Hamburg, München, Stuttgart, Mannheim, Dresden und Düsseldorf. In der Schweiz: Zürich, Basel, Genf und Lausanne (dem Béjart-Ballett-Stammsitz!).

Kandidierende aus Deutschland waren auch dieses Jahr rar - aus welchen Gründen auch immer. Nur zwei Jungs aus deutschen Ballettschulen kamen ins Finale, einer von der Palucca-Hochschule in Dresden, der andere von der John Cranko Schule in Stuttgart. Bei Letzterem handelt es sich zudem nicht um einen Deutschen, sondern einen Brasilianer: den großen, superschlanken Gabriel Figueredo. Seine Auftritte ernteten Jubel. Ein Prix de Lausanne war ihm sicher.

Wenig Zulauf auch aus der Schweiz, obwohl der Prix de Lausanne 1973 hier erfunden wurde! Und die beiden begabten jungen Frauen von der Zürcher Dance Academy (Leitung Oliver Matz und Steffi Scherzer), die ebenfalls einen Prix de Lausanne gewannen, stammen beide aus Japan. Sumina Sasaki und Mio Sumiyama, beide weiblichen Geschlechts, sind gut 18-jährig. Mio tanzte im Finale die erwähnte heitere „Swan-Lake“-Variation von Richard Wherlock.

Warum die knapp 17-jährige Mackenzie Brown aus den USA den ersten der acht Prix de Lausanne zugesprochen erhielt, dazu noch die Auszeichnung für die bestgetanzte zeitgenössische Variation und den Publikumspreis - das wurde im Finale nicht so klar. Denn andere waren ebenso gut. Die neunköpfige Jury unter der Leitung von Carlos Acosta wird aber ihre Gründe dafür gehabt haben. Sie beurteilt nicht nur das technische Können, sondern auch Ausstrahlung, Auffassungsgabe, Musikalität oder das vermutete künftige Potential der Mädchen und Jungen.

Die Jury war zudem die ganze Woche vor dem Finale mit den Kandidierenden unterwegs. Diese trainierten und probten ihre Auftritte im klassischen Bereich bei Berühmtheiten wie Elisabeth Platel oder Monique Loudière. Für die zeitgenössischen Variationen wurden sie von Assistierenden der Choreografen oder gar von diesen selbst gecoacht.

Ein Höhepunkt am Tag des Finales war die Übergabe des Life Time Achievement Award 2019 an Marcia Haydée für ihr Lebenswerk. 1937 in Brasilien geboren, entdeckt vom Choreografen John Cranko, langjährige Primaballerina und spätere Direktorin des glanzvollen Stuttgarter Balletts ist sie bis heute künstlerisch aktiv und wird von der gesamten Ballettwelt bewundert und geliebt. Am Prix de Lausanne nahm sie seit dessen Anfängen anno 1973 in verschiedenen Funktionen teil. Lausanne sei einer ihrer Lieblingsorte, sagte sie in der Dankesrede, und rief in Erinnerung, welche Choreografen-Persönlichkeiten für sie am wichtigsten waren: Neben John Cranko nämlich Kenneth MacMillan, John Neumeier und Maurice Béjart.

Preise des Prix de Lausanne

Die acht Prix-de-Lausanne-Stipendien gehen an:

Mackenzie Brown, 16 Jahre, USA.
Gabriel Figueredo, 18 Jahre, Brasilien.
Sumina Sasaki, 18 Jahre, Japan.
Yu Wakizuka, 17 Jahre, Japan.
Shuailun Wu, 17 Jahre, China.
João Vitor da Silva, 15 Jahre, Brasilien.
Alexandre Joaquim, 18 Jahre, Portugal.
Mio Sumiyama, 18 Jahre, Japan.

Weitere Preise:

Zeitgenössischer Tanz und Publikumspreis: Mackenzie Brown, 16 Jahre, USA.
Größtes Nachwuchstalent: Julia Shugart, 16 Jahre, USA.

Veröffentlicht am 11.02.2019, von Marlies Strech in Homepage, Themen, News 2018/2019

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