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WEGE GEHEN

"Canzone per Ornella" von Raimund Hoghe im tanzhaus nrw



Die deutsche Erstaufführung von Hoghes neuem Porträt widmet sich der Ballerina Ornella Balestra und zeigt die Vielschichtigkeit eines langen Tänzerinnenlebens.


  • "Canzone per Ornella" von Raimund Hoghe mit Ornella Balestra Foto © Rosa Frank
  • "Canzone per Ornella" von Raimund Hoghe mit Ornella Balestra Foto © Rosa Frank
  • "Canzone per Ornella" von Raimund Hoghe mit Ornella Balestra Foto © Rosa Frank

Ein kleines Schwarzes, ein roter Dutt, mehr braucht diese Frau nicht, um alle Blicke auf sich zu ziehen. Eine Bühnenpräsenz, die die Primaballerina verrät, eine Magie, die bei der kleinsten Bewegung eine sprachlose Spannung erzeugt. Vor dem Prospekt einer braunen Sandsteinwand, die in sich das Flair der italienischen Stadt trägt, fächern Raimund Hoghe und Ornella Balestra in kleinen Gesten, in bewusst gesetzten Bildern und mit klaren Relationen ein ganzes Tänzerinnenleben auf. Man muss sich einlassen auf diese Erzählung, der Protagonistin folgen durch ihre Erinnerungen, Reminiszenzen an getanztes und erlebtes Leben. Etwas unsicher steht sie auf ihren schwarz-samtenen High Heels, bricht die unglaubliche körperliche Präsenz der Tänzerin durch diese Momente leichten Schwankens, die die Frau, den Menschen hinter der Professionalität durchscheinen lassen.

Es braucht Zeit, wenn Raimund Hoghe zu Beginn mit einer Schale Wasser in den Händen verschiedene Wege geht. Wenn Ornella Balestra träumerisch ihre Port de bras ausführt oder wenn Luca Giacomo Schulte in seinen knielangen Hosen und den hochgezogenen schwarzen Socken wie ein Abbild des italienischen Jungen aus dem schwarz-weiß Kino des italienischen Realismus lässig an der Wand lehnt. Eine einzelne Geste, eine einzelne Bewegung dauert so lange, wie sie eben dauert. Sie dehnt die Zeit und öffnet sie damit für einen Blick in die Vergangenheit. Erinnerungen, die sich in Körper und Mimik spiegeln. In diesem Sich-Zeit-nehmen, wird deren ganze Vergänglichkeit sichtbar, wird das, was war, das, was ist und das, was sein wird, zu einem großen Ganzen.

Jede Bewegung sitzt, jedes Bild scheint perfekt. Hoghe zeigt ein wunderbares Inszenierungsgeschick. Eine Choreografie, die nicht viel braucht neben ihrer dramaturgisch vielschichtig eingesetzten Musik und der Präsenz ihrer TänzerInnen. Ob die goldene Rettungsdecke, mit der am Ende die aufgereihten Requisiten abgedeckt werden, schon immer Teil des Stückes war oder, ob hier ein Zeichen für die Antidiskriminierungsaktion DIE VIELEN gesetzt wird, schwebt noch im Raum, wenn langsam der Applaus einsetzt.

Veröffentlicht am 02.12.2018, von Anja K. Arend in Homepage, Kritiken 2018/2019

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