HOMEPAGE



Heidelberg

VON DER VERUNSICHERUNG ZUR VERGEWISSERUNG

Die Preisträger-Gala des Stuttgarter Solo-Tanztheater-Festivals in der Hebelhalle



Beim Heidelberger Tanz-Publikum hat es sich offensichtlich herumgesprochen, dass bei dieser Preisträger-Gala jedes Mal spannende Entdeckungen zu machen sind. Dieses Jahr machten Angel Duran Muntada und Giulia Menti die ersten Plätze.


  • 1. Preis Tanz & Eastman Prize Stuttgart: Francesca Bedin (Italien) mit „In dieser Frau“ Choreografie von Giulia Menti (Italien) Foto © oh
  • 1. Preis Choreografie: „The Beauty of it“, Choreografie und Tanz: Angel Duran Muntada (Spanien) Foto © oh

Wer bei einem Solo-Tanztheater-Festival zu den Preisträgern gehören will, muss sich was (zu)trauen. Wenn ein einzelner Tänzer, eine einzelne Tänzerin die leere Bühne füllen soll, müssen Bewegungsideen und ihre Umsetzung interessant und stimmig gleichermaßen sein. Um noch dazu eine Jury zu überzeugen, müssen die Ideen aktuell und originell sein.

Seit 22 Jahren veranstaltet Marcello Santos das Stuttgarter Solo-Tanztheater-Festival, und seit etlichen Jahren ist die Hebelhalle dabei, wenn die Preisträger des Festivals Ende November auf Gastspielreise gehen. Beim Heidelberger Tanz-Publikum hat es sich offensichtlich herumgesprochen, dass bei dieser Preisträger-Gala jedes Mal spannende Entdeckungen zu machen sind.

Gender-Verunsicherung und Gender-Selbstvergewisserung sind überaus aktuelle Themen. Kein Wunder, dass auch die preisgekrönten Stücke dieses Jahres davon erzählen. Den ersten Preis für Choreografie hatte die Jury an den Spanier Angel Duran Muntada vergeben, der sein Stück „The Beauty of it“ selbst interpretierte. Er hatte ein Zitat von C.G. Jung zum Ausgangspunkt für sein choreografisches Konzept genommen, das auf die Unterschiede von Selbst- und Fremdwahrnehmung der eigenen Persönlichkeit abhebt.

Mit der gesellschaftlichen Wahrnehmung von Frauen setzten sich Choreografin Roberta Ferrara (3. Preis Choreografie & Residence Prize) und Tänzerin Tonia Laterza (3. Preis Tanz) auseinander. Die Vorbilder der beiden Italienerinnen waren offensichtlich kämpferische Amazonen, die auch in direkten Auseinandersetzungen auf physischer Ebene den Männern ebenbürtig waren, also „Equal to Men“. Tonia Laterza weiß als starke, kämpferische Frau zu überzeugen.

Ganz anders näherten sich Choreografin Giulia Menti und Siegerin in der Kategorie Tanz, Francesca Bedin, der Frage, welche Stärken im weiblichen Körper, also „In dieser Frau“ stecken. Auch die beiden Italienerinnen überzeugen durch ihre einfühlsame Zusammenarbeit, und Francesca Bedin durch die enorme Bühnenpräsenz, mit der sie männliche und weibliche Attribute verkörpert. Auch der 2. Preisträger in Sachen Choreografie, Lukas Karvelis (Litauen), schickt seinen Tänzer Matias Rocha Moura (Portugal) in „Blank spots“ auf eine Reise durch die Gender-Dualität.

In der Gunst des Publikums hatte in Stuttgart der Gewinner des 2. Preises in der Rubrik Tanz ganz vorn gelegen. Der Franzose Kévin Coquelard war in seinem Stück „Le Somnanbule“ dem Unterbewusstsein eines Tänzers auf der Spur, der schlafwandlerisch, spielerisch und technisch verblüffend Bewegungsimpulse aus klassischen Ohrwürmern von Khachaturian bis Strauss aufnimmt – auch in Heidelberg ein gelungener „Rausschmeißer“.

Veröffentlicht am 19.11.2018, von Isabelle von Neumann-Cosel in Homepage, Kritiken 2018/2019

Dieser Artikel wurde 577 mal angesehen.



Kommentare zu "Von der Verunsicherung zur Vergewisserung"



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung




    Ähnliche Beiträge

    SOLO-TANZ-THEATER-FESTIVAL

    Veröffentlicht am 24.03.2000, von Bernd Krause


     

    AKTUELLE NEWS


    MISSHANDLUNGEN AN DER BALLETTSCHULE DER WIENER STAATSOPER?

    Die Ballettakademie sieht sich mit schweren Vorwürfen konfrontiert
    Veröffentlicht am 11.04.2019, von tanznetz.de Redaktion


    GERT WEIGELT ERHÄLT DEUTSCHEN TANZPREIS 2019

    Ehrungen für Jo Parkes und Isabelle Schad für herausragende künstlerische Entwicklungen
    Veröffentlicht am 05.04.2019, von Pressetext


    FREUNDLICH

    John Neumeier mit dem Freundschaftspreis der Volksrepublik China geehrt
    Veröffentlicht am 29.03.2019, von Pressetext



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    GROßE PROGRAMMREIHE „OLD STARS - NEW MOVES" BEIM UNTERWEGSTHEATER

    Das UnterwegsTheater Heidelberg präsentiert 2019 ein hochkarätiges Programm mit Uraufführungen und Gastspielen

    Den Auftakt bildet "Reconstruction" von Jai Gonzales am 21. Februar 2019

    Veröffentlicht am 12.02.2019, von Anzeige

    LETZTE KOMMENTARE


    ENGAGEMENT VERLOREN

    Sergei Polunin nicht mehr im "Schwanensee" an der Pariser Oper
    Veröffentlicht am 15.01.2019, von tanznetz.de Redaktion


    RAUSCHEN VON SASHA WALTZ & GUESTS

    Uraufführung am 7. März 2019 in der Volksbühne Berlin
    Veröffentlicht am 01.02.2019, von Anzeige


    HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!

    Der Primaballerina Lynn Seymour zum 80. Geburtstag
    Veröffentlicht am 06.03.2019, von tanznetz.de Redaktion

    MEISTGELESEN (7 TAGE)


    KÖSTLICHE KOSTPROBEN UND GEBALLTE TANZLUST

    "b.39" in Düsseldorf

    Veröffentlicht am 13.04.2019, von Marieluise Jeitschko


    MISSHANDLUNGEN AN DER BALLETTSCHULE DER WIENER STAATSOPER?

    Die Ballettakademie sieht sich mit schweren Vorwürfen konfrontiert

    Veröffentlicht am 11.04.2019, von tanznetz.de Redaktion


    GENDER-UTOPIEN

    „Kylián/Goecke/Montero“ in Nürnberg

    Veröffentlicht am 15.04.2019, von Alexandra Karabelas


    ERSTE SCHRITTE UND GRAND JETÉS IN ALLER VIELFALT

    Frühlings-Matinee der Heinz-Bosl-Stiftung

    Veröffentlicht am 13.04.2019, von Sabine Kippenberg


    RAUM, KLANG, TANZ

    Initiation der Elbphilharmonie-Foyers mit Sasha Waltz & Guests' „Figure Humaine“

    Veröffentlicht am 02.01.2017, von Annette Bopp



    BEI UNS IM SHOP