NEWS 2018/2019



Leipzig

WALDMANN IN LEIPZIG

Berufung ans CCT



Die international renommierte Tanzregisseurin wurde für das Wintersemester 2018/19 zur Bertolt-Brecht-Gastprofessorin der Stadt Leipzig am Centre of Competence for Theatre der Universität Leipzig berufen.


  • Helena Waldmann Foto © Detlef Eden
  • Empfang am CCT Leipzig; v.l.n.r.: Prof. Dr. Patrick Primavesi, Prof. Helena Waldmann, Prof. Dr. Beate Schücking, Prof. Dr. Ulrich Brieler Foto © André Schallenberg

Aus der Pressemeldung des Centre of Competence for Theatre der Universität Leipzig:

"Die Gastprofessur wird halbjährlich an herausragende Praktiker*innen der darstellenden Künste und ihrer medialen Reflektion vergeben, welche eine nachweisliche Bereicherung des wissenschaftlichen Diskurses und/oder der wechselseitigen Reflektion von Theorie und Praxis des Theaters in allen seinen Spielformen zu erbringen versprechen.

Die Gastprofessur wird im Wintersemester 2018/19 von Frau Helena Waldmann besetzt, einer der bedeutendsten freien Tanzregisseurinnen des europäischen Gegenwartstheaters. Helena Waldmann ist selbst studierte Theaterwissenschaftlerin (Gießen) und wird mit den Erfahrungen ihrer dreißigjährigen internationalen Bühnenkarriere den Leipziger Studierenden transkulturelle und transdisziplinäre Perspektiven aufzeigen. Ihren Produktionen gehen in der Regel umfangreiche Recherchen im Sinne künstlerischer Forschung voraus – auch in Leipzig wird sie eine solche Recherche gemeinsam mit den Studierenden durchführen. Unter dem Titel Anatomisches Theater werden die Themen reale und imaginäre körperliche Gewalt, Organhandel, Transplantation und die Macht der Medizin in einem szenischen Projekt bearbeitet."

Die Pressemitteilung in voller Länge finden Sie hier.

Das Konzept für die Gastprofessur legt besonderen Wert auf Praxisnähe, und so hat Helena Waldmann ihre Lehrtätigkeit mit einem aktuellen Projekt verbunden. Unter dem Titel Anatomisches Theater werden sich die Studierenden auf künstlerische Recherche zu einem Thema begeben, das Waldmann momentan stark beschäftigt. Die gemeinsamen Ergebnisse fließen ein in ihre neue Produktion, die am 8. Juni 2019 an den Pfalzbau Bühnen Ludwigshafen uraufgeführt wird.

Mit "Der Eindringling – ein anatomisches Theater" lädt Waldmann ein zu einem Blick unter die Haut, ins Innere des Körpers, zugleich ins Innere des Systems Staat. Was eindringt, politisch wie medizinisch gesehen, nennen wir Fremdkörper (Bakterien, Viren, Parasiten, ein transplantiertes Organ) – oder Migranten, Flüchtlinge. Schließlich kann sich kein Körper vollständig von der Außenwelt abkapseln. Mehr noch: Die Medizin weiß, dass nur derjenige Organismus überlebt, der bereit ist, sich zu verändern. Der Eindringling tritt den Beweis an, dass Körper ebenso wie politische Konstrukte nur durch Öffnungen (Mund, Nase, Augen, Ohren, Poren etc.) zum Leben und Überleben fähig sind – selbst wenn über eben diese Kanäle auch Gefahr drohen mag. Denn nur Offenheit, Freiheit und Freizügigkeit können uns davor bewahren, uns einer perfiden Illusion von Sicherheit und Geschlossenheit hinzugeben, die in Wahrheit nur lebendig Totes erzeugt.

Wie immer vermittelt Helena Waldmann diese Botschaft durch die Choreographie – und wie immer nutzt sie dafür die sehr speziellen Fähigkeiten ihrer Performer. Nach dem Kathak-Tanz ("Made in Bangladesh") und Akrobatik ("Gute Pässe Schlechte Pässe") lässt sie sich diesmal von der chinesischen Kampfkunst Kung Fu inspirieren. Hier sind Angriff und Abwehr eins. Die Kraft des jeweiligen Gegners wird durch wendige Schritt- und Schlagtechniken neutralisiert und gegen den Angreifer gewendet. Im Januar / Februar 2019 wird Helena Waldmann vor Ort von Tänzern und Choreographen am Institute for Dance und Performing Arts, West Kowloon Cultural District Authority, Hong Kong, lernen.

Veröffentlicht am 16.11.2018, von Pressetext in News 2018/2019

Dieser Artikel wurde 330 mal angesehen.



Kommentare zu "Waldmann in Leipzig"



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung




    Ähnliche Beiträge

    MAUERN GIBT ES VIELE

    „Gute Pässe Schlechte Pässe“ – das neue Tanztheater von Helena Waldmann in Ludwigshafen

    Hier verläuft die deutliche weiße Trennungslinie in der Mitte der Bühne nicht zwischen Einheimischen und Immigranten, sondern zwischen Tänzern und Akrobaten.

    Veröffentlicht am 05.03.2017, von Isabelle von Neumann-Cosel


    ALLE SIND SO HAPPY

    „Made in Bangladesh“ von Helena Waldmann in Ludwigshafen uraufgeführt

    Gesellschaftskritik und Tanz sind weit auseinander liegende Pole. Wer beide zusammenbiegen will, braucht entweder Vertrauen in schrille, provozierende Bilder oder genug gescheite Empathie und poetisches Querdenken.

    Veröffentlicht am 27.11.2014, von Isabelle von Neumann-Cosel


    WAS KOSTET EIN KLEID, WAS EIN LEBEN?

    Die Choreografin Helena Waldmann über ihre aktuelle Premiere "Made in Bangladesh"

    „Made in Bangladesh“ trifft ins Mark unserer Gesellschaft, die von Konsum und Kontrolle geprägt ist. Im Land der Näherinnen wird Arbeit, auch bis zur völligen Erschöpfung, mit Glück gleichgesetzt.

    Veröffentlicht am 25.11.2014, von Nora Abdel Rahman


     

    LETZTE BEITRÄGE 'TANZ IM TEXT'


    BALLETT DER SPITZENKLASSE

    "Don Quixote" live aus London in den Kinos
    Veröffentlicht am 16.02.2019, von Boris Michael Gruhl


    TANZ 30: ORFEO ED EURIDICE

    Chr.W. Glucks Oper als Ballett - Choreographie von Marcos Morau
    Veröffentlicht am 16.02.2019, von Anzeige


    SKULPTURENKRIEGER

    Fotoblog von Dieter Hartwig
    Veröffentlicht am 14.02.2019, von Dieter Hartwig



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    VAN DIJK | EYAL

    Am 15. Februar 2019 feiert das Staatsballett Berlin die Premiere von van Dijk | Eyal in der Komischen Oper Berlin.

    Der Doppelabend zeigt Werke der Choreographinnen Anouk van Dijk und Sharon Eyal. Distant Matter der Niederländerin van Dijk ist die erst exklusive Kreation unter der Intendanz von Johannes Öhman und Sasha Waltz ab 2019/2020.

    Veröffentlicht am 12.02.2019, von Anzeige

    LETZTE KOMMENTARE


    ENGAGEMENT VERLOREN

    Sergei Polunin nicht mehr im "Schwanensee" an der Pariser Oper
    Veröffentlicht am 15.01.2019, von tanznetz.de Redaktion


    RAUSCHEN VON SASHA WALTZ & GUESTS

    Uraufführung am 7. März 2019 in der Volksbühne Berlin
    Veröffentlicht am 01.02.2019, von Anzeige


    EISENACHS BALLETT BESPIELT AUCH DAS MEININGER STAATSTHEATER

    „Verschwundenes Bild“ von Andris Plucis forscht dem Alltagsleben in der DDR nach
    Veröffentlicht am 07.02.2019, von Volkmar Draeger

    MEISTGELESEN (30 TAGE)


    DEM RUF GEFOLGT

    Der Tänzer und Choreograf Georg Reischl wird ab der Saison 2019/2020 Chefchoreograf am Theater Regensburg

    Veröffentlicht am 17.01.2019, von Pressetext


    RAUM, KLANG, TANZ

    Initiation der Elbphilharmonie-Foyers mit Sasha Waltz & Guests' „Figure Humaine“

    Veröffentlicht am 02.01.2017, von Annette Bopp


    ENGAGEMENT VERLOREN

    Sergei Polunin nicht mehr im "Schwanensee" an der Pariser Oper

    Veröffentlicht am 15.01.2019, von tanznetz.de Redaktion


    ABSCHIED VON JEAN CÉBRON

    Der Tänzer, Choreograf und Pädagoge verstarb am 1. Februar

    Veröffentlicht am 02.02.2019, von tanznetz.de Redaktion


    "DIE CHANCE DES THEATERS LIEGT IM ALTEN"

    Interview mit Marco Goecke

    Veröffentlicht am 04.02.2019, von Alexandra Karabelas



    BEI UNS IM SHOP