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Heidelberg

EINE TÄNZERISCHE HEIMAT FÜR DEN NEUSTART

Iván Pérez ist neuer Tanzchef des Dance Theatre Heidelberg



Gerade erst konnte der gebürtige Spanier mit "The Inhabitants" sein Debüt feiern. Ein Gespräch mit dem neuen Tanzchef des Dance Theatre Heidelberg.


  • Iván Pérez zeigt "The Inhabitants" am Theater Heidelberg; Ensemble Foto © Sebastian Bühler
  • Iván Pérez zeigt "The Inhabitants" am Theater Heidelberg; Andrea Muelas Blanco Foto © Sebastian Bühler
  • Iván Pérez zeigt "The Inhabitants" am Theater Heidelberg; Axier Iriarte und Ensemble Foto © Sebastian Bühler
  • Iván Pérez zeigt "The Inhabitants" am Theater Heidelberg; Marc Galvez Foto © Sebastian Bühler

Bis 18 Uhr wird geprobt. Doch in dem leicht tiefergelegten, von schmalen hohen Glasfenstern umsäumten lichten Probenraum herrscht noch reges Treiben. Iván Pérez sitzt auf den Stufen am Ende des Saals und spricht mit einigen Tänzern. Die anderen verlassen jetzt nach und nach den Raum, grüßen und nicken mir freundlich zu. Ein idealer Ort für ein Gespräch mit dem neuen Tanzchef des Dance Theatre Heidelberg.

Gerade erst konnte der gebürtige Spanier Iván Pérez mit „The Inhabitants“ (Die Bewohner) sein Debüt feiern. Nicht im Theater spielt das Stück, sondern draußen in der Landschaft und im Octapharma-Gebäude vom Heidelberger Technologiepark. So frage ich den Choreografen als Erstes nach dem Ort: Warum der Technologiepark und nicht das Heidelberger Schloss als romantische Kulisse? Daraufhin erklärt mir der Tanzkünstler, „The Inhabitants“ habe er für das futuristische Gebäude des Architekten Massimiliano Fuksas im italienischen Bassano del Grappa entwickelt. Glas, Metall und Stahl zeichnen es aus, erklärt Pérez, aber eben auch eine Art rückwärtsgewandte Seite mit Wasser und Bäumen als Naturlandschaft. Er habe daher für seine Choreographie einen ähnlich retro-futuristischen Ort finden müssen. Dass er mit der Wahl des Ortes außerdem eine Verbindung zur Familie Marguerre herstelle – Eigentümer des Octapharma-Unternehmens und Sponsor des Theaters und seiner Tanzkompanie – sei ihm dabei ebenfalls wichtig.

Geht es bei diesen fremdartigen Bewohnern, die vor dem Publikum fliehen, um eine andere Form des Zusammenlebens, frage ich den Künstler? Vor allem geht es mir um Sensitivität, also ein spezielles Feingefühl, erörtert der neue Heidelberger Chefchoreograf seine Arbeit „The Inhabitants“. „Wie hören wir aufeinander, etwa auf unsere Körpersprache? Wie kommunizieren wir, haben wir zum Beispiel Augenkontakt? Oder wie kann ich das Publikum dazu bringen, mir zu folgen?“, erklärt Pérez sein Konzept. Ihm gehe es um Offenheit und eine gemeinsame Sprache in Verbindung zum Raum. Am Anfang steht die Angst und am Ende ist ein echter menschlicher Austausch möglich, erklärt Pérez den Performance-Prozess seines Debüt-Stücks. „Aber warum kauern die Tänzer am Ende nackt hinter Glas wie Untersuchungsobjekte“, widerspreche ich? „Weil sie sich dafür entscheiden, es angenehm zu finden, auf einer Glasfläche zu schlafen. Es geht mir auch darum, wie Technologie auf uns einwirkt und dass wir uns ihr und der Zeit, in der wir leben, nicht entziehen können“, antwortet Pérez.

Diese Erkenntnis passt auch zu „Becoming“ einer anderen Arbeit von Pérez, die nächstes Jahr am Heidelberger Theater gezeigt wird. Sie ist eine Studie über Mobilität und Vernetzung und der Tatsache, dass wir uns der digitalen Welt nicht entziehen können. „Du kannst Facebook ignorieren“, lacht Pérez, „aber die Maschine holt dich irgendwann ein, weil du etwas vermisst.“ Daher sei es wichtig, erklärt der Choreograf, auch eine emotionale Intelligenz zu entwickeln, um der Geschwindigkeit von Entwicklungen entgegen zu treten. „Es dreht sich eigentlich alles um Kommunikation und darum, welche Sprache wir brauchen, um uns zu verständigen.“ Diese emotionale Vibration zeige „The Inhabitants“ und „Becoming“ ziehe daraus die Konsequenz, dass Tanz als Medium unsere soziale Struktur sichtbar machen und gleichzeitig auch verändern kann, erläutert Pérez seine Werke. Und „Impression“, das gerade am Heidelberger Theater entstehende neue Stück des 1983 geborenen und erst 35jährigen Künstlers, ist seiner eigenen Generation gewidmet. Es sei die Millennium-Generation, die jetzt in verantwortungsvolle Positionen komme, sagt er. „Wir haben eine Menge Verantwortung zu tragen“, erklärt Pérez seine Generation. „Aber wir sind eben auch flexibel und haben gelernt, uns neue Strukturen zu eröffnen.“



Iván Pérez leitet das Dance Theatre Heidelberg
Der neue Chefchoreograf Iván Pérez hat mit „The Inhabitants“ sein Debüt am Theater und Orchester Heidelberg gegeben. Er tritt mit seinem Dance Theatre Heidelberg (DTH) die Nachfolge von Nanine Linning an und wird in den kommenden Monaten ein vielseitiges Tanzprogramm anbieten: Angefangen mit dem DTH Open Studio am 6. Oktober 2018, einer Möglichkeit die neue Kompanie in einer offenen Probe zu erleben. Oder der DTH Workshop am 29. Oktober 2019, den Iván Pérez selber leitet, um Interessierte mit seiner Tanzsprache vertraut zu mache. Am 7. Dezember 2018 findet die Premiere von „Impression“ statt, seiner ersten Kreation am Heidelberger Theater. Und auf weitere Events darf sich die Tanz-Community freuen, darunter Kooperationen mit Künstlern, Vorträge und Filmvorstellungen im Kino Gloria.

Veröffentlicht am 02.10.2018, von Nora Abdel Rahman in Homepage, Leute

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