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Mainz

GRUNDFARBE GRAU

Doppelter Tanzabend in Mainz mit "Im Orbit" und "Fall Seven Times"



tanzmainz zeigt das preisgekrönte Tanzstück "Fall Seven Times" von Guy Nader und Maria Campos (GN|MC) zusammen mit "Im Orbit" von Alexandra Waierstall.


  • "Fall Seven Times" von GN|MC; Louis Thuriot, Matti Tauru, John Wannehag, Maria Slavec, Mattia De Salve Foto © Andreas Etter
  • "Fall Seven Times" von GN|MC; Daria Hlinkina und Louis Thuriot Foto © Andreas Etter
  • "Fall Seven Times" von GN|MC; Milena Wiese, Alexander de Vries, Matti Tauru, Mattia De Salve Foto © Andreas Etter
  • "Fall Seven Times" von GN|MC; Zachary Chant Foto © Andreas Etter
  • "Im Orbit" von Alexandra Waierstall; Justin Brown, Amber Pansters, Bojana Mitrovic Foto © Andreas Etter
  • "Im Orbit" von Alexandra Waierstall; Alessandra Corti, Cornelius Mickel, Justin Brown, Amber Pansters, Bojana Mitrovic Foto © Andreas Etter
  • "Im Orbit" von Alexandra Waierstall; Bojana Mitrovic, Amber Pansters, Justin Brown, Cornelius Mickel, Alessandra Corti Foto © Andreas Etter
  • "Im Orbit" von Alexandra Waierstall Foto © Andreas Etter

Vor zwei Jahren hat der Mainzer Tanzchef Honne Dohrmann mit der Verpflichtung des ChoreografInnenpaars Guy Nader (Libanon) und Maria Campos (Spanien) einen Volltreffer gelandet. Das damals entstandene Stück „Fall Seven Times“ wurde ein Publikumsmagnet, 2017 mit dem FAUST-Preis für Choreografie ausgezeichnet und sorgte für einen kräftigen Karriereschub der beiden Urheber. Kein Wunder also, dass dieses Stück nun wieder auf dem Spielplan steht, allerdings in der Zusammenschau mit einem neuen choreografischen Gegenstück. „Im Orbit“ der deutsch-zypriotischen Choreografin Alexandra Waierstall (Düsseldorf) geht es völlig anders zu als in der Hochgeschwindigkeits-Artistik von GN|MC.

Ihre Lehrstunde in Sachen Achtsamkeit findet in einem grau glänzenden Universum statt. Anfangs spült ein bewegtes Meer aus zarter, von der Windmaschine aufgebauschter grauer Ballonseide die fünf ProtagonistInnen (in farblich abgestimmten Unisex-Dessous) auf die Bühne, wo sie einen sanften Reigen beginnen. Spiralförmige Drehungen um sich selbst – mit individuellen Nuancen – sind das augenfälligste Bewegungsmaterial. Zum auf- und abschwellenden elektronischen Sound mit melodischen Einsprengseln (HAUSCHKA, Marios Takoushis) entfalten die Fünf ein sanft-kompliziertes Miteinander. Das so entstehende Beziehungsgeflecht soll vor allem eines: kein Individuum einschränken. So blitzen Unisono-Augenblicke nur kurz auf, bis sich einer rasch wieder aus dem Gleichklang der Bewegungen herauswindet – freilich ohne die fragile Harmonie des Ganzen zu stören. Denn die TänzerInnen bleiben nicht nur durchgängig zusammen auf der Bühne, sondern bilden sozusagen einen gemeinsamen Organismus. Bei aller bewegten Nähe kommt es nur zweimal zu zarten, folgenfreien Berührungen. In diesem ästhetisch perfekten Orbit werden keine Wagnisse eingegangen. Schade eigentlich … das hätte dieses Stück spannender gemacht.

Das Grau als Grundfarbe ist die größte Gemeinsamkeit der beiden Stücke dieses Abends. Bei Guy Nader und Maria Campos erweitert sich das Spektrum in der Ausstattung allerdings bis zu schwarz und weiß, und in den Bewegungen der elf tanzmainz-TänzerInnen geht es um Extreme. Das titelgebende Motto des Stücks ist ein asiatisches Sprichwort: „Wenn du sieben Mal fällst, stehe acht Mal wieder auf.“ Eingangs sägt ein Tänzer unbeirrt ein Bein des Tisches durch, auf dem er liegt: Der Sturz ist nur eine Frage der Zeit. Die wird in diesem Stück durch die rhythmusbasierte, ansonsten minimalistisch bleibende Auftragskomposition von Miguel Marin definiert.

„Tanz ist ein Telegramm an die Erde mit der Bitte um Aufhebung der Schwerkraft“ – so formulierte es einst Fred Astaire. Telegramme sind längst aus der Mode – GN|MC senden stattdessen eine eindringliche, höchst temporeiche Videobotschaft. Dabei feiert „Fall Seven Times“ nicht nur den Mut und die Beharrlichkeit jedes Einzelnen, sondern auch den Zusammenhalt beim artistischen Kampf gegen die Schwerkraft. Wie in einer Trapeznummer fliegen TänzerInnen durch die Luft, angestoßen, beschleunigt, abgefangen und bei Bedarf wieder aufgehoben von ihren MitspielerInnen. So entstehen winzige Geschichten, die natürlich alle gut ausgehen. Denn nebenbei kann man beim Zuschauen ausgiebig lernen, wie man immer besser, ja auch immer schöner fällt. Die Botschaft kam beim Mainzer Premierenpublikum auch in der Neuauflage des Stücks gut an: Standing Ovations.

Veröffentlicht am 22.09.2018, von Isabelle von Neumann-Cosel in Homepage, Kritiken 2018/2019

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Kommentare zu "Grundfarbe Grau"



    • Kommentar am 25.09.2018 11:00 von Helmerich
      Was für eine überaus freundliche Rezension zu "Im Orbit".

      Am nächsten Tag war "Wiesbaden tanzt". Auf eine der dortigen Bühnen, die, auf denen Tanzschulen etwas vorstellen, hätte diese erste Choreographie gepasst: Die Haltungen der Tänzer: spannungslos, die Bewegungen bemüht und wenig präzise. Da hätte sehr viel mehr Probenarbeit an vielen vielen Details dem Ausdruck sehr gut getan. Auch etwas Muskeltraining für die Tänzer hätte die Bewegungen leichter aussehen lassen.

      Für ein Staatstheater eine absolut unwürdige Veranstaltung, ganz im Gegensatz zur zweiten Choreographie, die in dem Artikel gut vorgestellt und zurecht gewürdigt wird.

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