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München

PSEUDOFRÖHLICHKEIT UND FATALISMUS

Gastspiel der Hofesh Shechter Company in der Münchner Muffathalle



Hofesh Shechters „Grand Finale“ beeindruckt in der Münchner Muffathalle als ultimative Tanzorgie wider den Untergang.


  • "Grand Finale" von Hofesh Shechter Foto © Rahi Rezvani
  • "Grand Finale" von Hofesh Shechter Foto © Rahi Rezvani
  • "Grand Finale" von Hofesh Shechter Foto © Rahi Rezvani
  • "Grand Finale" von Hofesh Shechter Foto © Rahi Rezvani
  • "Grand Finale" von Hofesh Shechter Foto © Rahi Rezvani
  • "Grand Finale" von Hofesh Shechter Foto © Rahi Rezvani

Hofesh Shechters Markenzeichen sind drastische Bilder. Trotzdem bleibt meist offen, womit genau der israelische Choreograf, dessen Kompanie seit zehn Jahren in London beheimatet ist, die ZuschauerInnen in seinen international angesagten Stücken tatsächlich konfrontiert. Gewiss ist nur: Bei jedem ruft die eruptive, mal rohe, mal zärtlich-innige Kraft und fulminante Präzision seiner fabelhaften TänzerInnen andere Assoziationen hervor – Albträume der menschlichen Geschichte von Kriegen und Gefangenenlagern bis zum Untergang der Titanic inklusive.

„Grand Finale“, Shechters jüngste, im Juni 2017 uraufgeführte Produktion lebt vom niemals abreißenden Gefühl der Beklemmung. Es ist ein brachialer Totentanz der Endzeitstimmung. Ergreifend schonungslos in der Exposition menschlicher Emotionen und dem körperlich-anarchischen Aufbäumen einer ultimativen Gruppe von neun Leuten. Deren Status wechselt permanent zwischen pseudofröhlicher Hyperpower trotzig exaltierter Partyfreaks, die ihre Glieder bisweilen folkloristisch ausflippen lassen, und schlaffer Leblosigkeit. Frappant eindrücklich, wenn der Blick der TänzerInnen streckenweise ins Leere geht und ihnen die Münder offenstehen. Oder wenn die Frauen beim Walzer aus der Umarmung der Männer rutschen.
In „Grand Finale“ bekommt Ausweglosigkeit ein klares Gesicht verpasst. Die Konturen hat man sich bis zur Pause weidlich eingeprägt. Der zweite Teil vermag daran nichts mehr großartig zu ändern. Wie die Wogen eines ungezähmten Gewässers branden die kontrolliert schlaksigen, in den Knien stark wippenden und mit den Armen ausschlagenden Bewegungen der Performer über die Bühne. Paare prallen aufeinander. Man kost und attackiert sich, sucht Halt in einer immer wieder zerfallenden Einheit.

Anfangs lauert die Bedrohung im nebligen Licht hinter einer schwarzen Wand. Unaufhörlich erst leise, später mit brutalerer Soundgewalt von den melancholischen Klängen einer sechsköpfigen Live-Band angefeuert. Sobald sich die Mauer in hoch aufragende Barrieren teilt, nimmt ein wilder, unter einem Regen aus Seifenblasen bitterschöner Abgesang auf die Menschheit seinen Lauf.

Nächste Vorstellungen: 5. und 6. Oktober im Haus der Berliner Festspiele

Veröffentlicht am 13.09.2018, von Vesna Mlakar in Homepage, Kritiken 2018/2019

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Kommentare zu "Pseudofröhlichkeit und Fatalismus"



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