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Dresden

DIE EINSAMKEIT DES LANGSTRECKENTÄNZERS

Martina Francone und Anna Till kommen in "Lost in Creation" in Dresden nicht über erste Ansätze hinaus



Es ist schade, wenn Promo-Fotos und Pressetext im Vorfeld mehr versprechen, als die eigentliche Arbeit hält. Da wird der Titel unfreiwillig zum Menetekel: „Lost in Creation“. In der Tat.


  • "Lost in Creation" von Anna Till und Martina Francone Foto © Stephan Böhlig
  • "Lost in Creation" von Anna Till und Martina Francone Foto © Stephan Böhlig
  • "Lost in Creation" von Anna Till und Martina Francone Foto © Stephan Böhlig
  • "Lost in Creation" von Anna Till und Martina Francone Foto © Stephan Böhlig
  • "Lost in Creation" von Anna Till und Martina Francone Foto © Stephan Böhlig
  • "Lost in Creation" von Anna Till und Martina Francone Foto © Stephan Böhlig
  • "Lost in Creation" von Anna Till und Martina Francone Foto © Stephan Böhlig
  • "Lost in Creation" von Anna Till und Martina Francone Foto © Stephan Böhlig

Eigentlich beginnt alles so wunderbar. Das Publikum darf im Bühnenraum des Societaetstheaters Platz nehmen. Der eigentliche Zuschauerraum ist beräumt. Dort ist, wenigstens gefühlt, viel mehr Platz als auf der Bühne. Und dort, in simplem Licht, setzt Anna Till eine simple Idee um, die in ihrer bildhaften Wirkung desto grandioser ist: Sie robbt mittels ihrer Gesäßmuskeln über den Boden, die Beine schnurgerade nach oben gerichtet. Es dauert nur ein paar Sekunden, bis dieses Vexierbild dahin kippt, wohin es will. Da lebt ein Wesen auf der Bühne, von dem man nicht sagen kann, wo vorn, wo hinten ist. Ein Alien ist es, fremd, irgendwo, zwar hier, aber eigentlich ganz woanders. Es ist das All, der Weltraum und die bescheidenen Versuche des Menschen, ihn zu erforschen, was hier den thematischen Boden ausmacht. Nur haben die beiden Tänzerinnen im Prinzip nichts daraus gemacht. Das Ergebnis wirkt wie eine Improvisation nach zehnminütigem Brainstorming.

Textpassagen kommen nicht über den Duktus hinaus, der da lautet ‚Ich glaube nicht, dass wir auf dieser Welt die Einzigen sind. Da muss es doch noch mehr geben.‘ Der Ton gibt dem ganzen einen Beigeschmack von ‚lecture performance‘. So passt das leider nicht.
Die klangliche Untermalung (Dalibor Kocian / Stroon) wählt stellenweise tatsächlich klischeehaftes Weltall-Sphären-Gesäusel, und wenn dann in der sehr entschleunigten Dramaturgie doch endlich mal so was wie Aktion entsteht, lautet der Gestus ‚Ich tanze, also bin ich.‘ Ganz, ganz wichtig, um es anders zu formulieren. Es erschüttert, dass das nicht einmal ansatzweise ironisch gemeint ist. Dann hätte nämlich auch das penetrante Geräusch sinnvoll eingebunden werden können, das das maschinelle Aufblasen eines simplen Gymnastikballs begleitet. Sich den gegenseitig zuzuwerfen, reicht in jedem Fall nicht aus.

Die gesamte Arbeit enttäuscht, besonders deshalb, weil Anna Till als Tänzerin in Dresden seit Jahren eine feste Größe der Szene ist. Das Premierenpublikum schien nicht weniger enttäuscht. Der Applaus fiel so dürftig und kurz aus, dass nicht mal alle an der Produktion Beteiligten die Gelegenheit hatten, auf die Bühne zu kommen und ihre obligatorischen Blumen entgegen zu nehmen.

Veröffentlicht am 13.09.2018, von Rico Stehfest in Homepage, Kritiken 2018/2019

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Kommentare zu "Die Einsamkeit des Langstreckentänzers"



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