HOMEPAGE



Regensburg

UNTER „RIVERS“ GURGELT DIE DONAU

Regensburger "CiRR – Choreographers in Residence Program"



„Rivers 2“ nennen die Choreografinnen Katrin Hofreiter und Katharina Weinhuber ihr Konzept, mit dem sie an mehreren Stationen unter und über Deck das dampfgetriebene Museumsschiff in Regensburg erkunden.


  • Susanne Baur in „Rivers 2“ von Katrin Hofreiter und Katharina Weinhuber Foto © Michael Scheiner
  • Laura Meissauer in „Rivers 2“ von Katrin Hofreiter und Katharina Weinhuber Foto © Michael Scheiner
  • Marina Manganotti in „Rivers 2“ von Katrin Hofreiter und Katharina Weinhuber Foto © Michael Scheiner
  • Gabriele Nirschl in „Rivers 2“ von Katrin Hofreiter und Katharina Weinhuber Foto © Michael Scheiner
  • Katharina Weinhuber. in „Rivers 2“ von Katrin Hofreiter und Katharina Weinhuber Foto © Michael Scheiner

Leise Gespräche, Gläser klirren, ein Video im Bug des Schiffes. Am Ufer spazieren Menschen vorbei, lachen, schauen neugierig zu der im Fluss schaukelnden Barke, auf der unter einem Sonnensegel die Videoinstallation Naturereignisse mal abbildet, verlangsamt oder verzerrt. Manchmal schauen die Besucher auf der Ruthof, einem Museumsschiff in Regensburg, den tropfenden Zweigen und windbewegten Bäumen zu, die an der ersten Station der Tanzperformance „Rivers 2“ über die Leinwand flimmern. Auf ein unsichtbares Zeichen hin setzen sie sich in Bewegung, steigen durch eine schmale Tür die steile Treppe hinunter ins Vordeck. Zwischen großen Vitrinen schraubt sich eine erdfarben gekleidete Tänzerin (Gabriele Nirschl) aus einer liegenden Position langsam in die Vertikale, umtanzt die Schaukästen und die teils ein wenig verunsicherten Zuschauer, die sich bemühen möglichst viel vom Tanz mitzubekommen.

„Rivers 2“ nennen die Choreografinnen Katrin Hofreiter und die Österreicherin Katharina Weinhuber ihr Konzept, mit dem sie an mehreren Stationen unter und über Deck das dampfgetriebene Museumsschiff mit fünf Tänzerinnen erkunden. Im Maschinenraum mit schwarz glänzenden Kesseln kauert die nächste Tänzerin (Susanne Baur) zwischen Gestänge, Rohren und Leitern auf dem metallenen Boden. Seitlich angestrahlt von einem Scheinwerfer und eingehüllt in Trockennebel, der sich immer weiter ausbreitet, wirkt die weiß gekleidete und geschminkte Figur wie eine geisterhafte Erscheinung, eine „Weiße Frau“ von der gleichermaßen etwas Bedrohliches, wie ein verheißungsvolles Erlösungsversprechen auszugehen scheint. Die Ambivalenz kippt im Heck, das man durch schmale Gänge und Engstellen erreicht – zunächst – in Distanz und Abwehr. Von einer kohlrabenschwarz geschminkte Tänzerin (Marina Manganotti) geht ein faszinierendes Gefühl von Angstlust aus. Mit schwarzem Kopftuch, einem kaftanartigen Gewand und expressionistisch überhöhenden Schatten an der Schiffswand erscheint sie auch sehr groß, fast übergroß. Begleitet werden diese Stationen von rauschenden, wild gurgelnden und unbehaglich strömenden Wassergeräuschen. Damit wird der unmittelbare Charakter des Flusses auf virtueller Ebene verstärkt, der gleichzeitig entgrenzend und verbindend ist. Damit können die fast verharrend langsamen, strudeligen und sich aufbäumenden Tanzbewegungen als Eigenschaften des Wassers aufnehmende Choreografie gelesen werden. Oder sie zielt auf atmosphärische Momente und mythisch aufgeladene Stimmungen von Sumpf- und Nebelgeistern, gibt damit aber auch Rätsel auf.

Auf dem Oberdeck entwickelten die Tänzerinnen Laura Meissauer und Katharina Weinhuber die spannende Performance in weitere „Zwischenräume“ weiter, wie der Tanzabend überschrieben war. Zu neoromantisch einfacher und repetierender Musik des Isländers Olafur Arnalds, von Nils Frahm und dem Kronos Quartett befreite sich die eine unter Schmerzen aus beengenden Fesseln, inneren wie äußeren Zwängen, die andere präsentierte schwungvoll und voller Stolz ihre Schwangerschaft und projizierte mit den Spiel ihrer Hände und nackten Füsse an der Steuermann-Kabine die Neuentdeckung der Welt. Im Ergebnis war es – bei lauer Nachtluft – ein tolles Experiment, ein interessantes und Neugierde anstachelndes Erlebnis im Rahmen des von Katrin Hofreiter und Alexandra Karabelas initiierten CiRR – des Choreographers in Residence Programs. Entbehrlich erschien die Videoprojektion und tänzerisch hätte man sich an der einen oder anderen Station, trotz vorgegebener beengter Verhältnisse, ein wenig mehr gewünscht. Beeindruckend, die vielseitig pädagogisch tätige Österreicherin Weinhuber.

Veröffentlicht am 16.07.2018, von Michael Scheiner in Homepage, Gallery, Kritiken 2017/18

Dieser Artikel wurde 401 mal angesehen.



Kommentare zu "Unter „Rivers“ gurgelt die Donau"



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung



     

    LETZTE BEITRÄGE 'TANZ IM TEXT'


    EXTREME ACTION HEROES

    Fotoblog von Dieter Hartwig
    Veröffentlicht am 15.08.2018, von Dieter Hartwig


    DER FLUCH DER VOLLENDUNG

    Gauthier Dance tanzt in "Mackie Messer - Brechts Dreigroschenfilm"
    Veröffentlicht am 11.08.2018, von Boris Michael Gruhl


    TRAUMHAFTES SOMMERTHEATER

    Fotoblog von Dieter Hartwig
    Veröffentlicht am 11.08.2018, von Dieter Hartwig



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    HOFESH SHECHTER COMPANY - GRAND FINALE

    Grand Finale kommt am 6.&7. September im Rahmen einer großen Welttournee in die Münchner Muffathalle.

    Grand Finale zeigt uns eine Welt im freien Fall, in der sich die Menschheit durch surreale Szenen und Emotionen auf ihren eigenen Endpunkt zubewegt. Mythisch und elementar, Shechters Vision ist zugleich komisch, düster und schön.

    Veröffentlicht am 20.06.2018, von Anzeige

    LETZTE KOMMENTARE


    EIN WÜRDIGER AUFTAKT ZUM CRANKO-FEST

    „Onegin“ beim Bayerischen Staatballett
    Veröffentlicht am 07.02.2018, von Karl-Peter Fürst


    LETZTER WALZER IN STUTTGART

    Alicia Amatriain tanzte 2003 in „Lulu“ die Titelrolle – und jetzt erneut 2018
    Veröffentlicht am 18.06.2018, von Marlies Strech


    MOSAIK DER BEWEGUNG

    Richard Siegals Ballet of Difference mit "On Body" in der Münchner Muffathalle
    Veröffentlicht am 05.03.2018, von Miriam Althammer

    MEISTGELESEN (7 TAGE)


    RAUM, KLANG, TANZ

    Initiation der Elbphilharmonie-Foyers mit Sasha Waltz & Guests' „Figure Humaine“

    Veröffentlicht am 02.01.2017, von Annette Bopp


    TRAUMHAFTES SOMMERTHEATER

    Fotoblog von Dieter Hartwig

    Veröffentlicht am 11.08.2018, von Dieter Hartwig


    FULMINANTER AUFTAKT

    Kuba zu Gast in Hamburg

    Veröffentlicht am 10.08.2018, von Annette Bopp


    DER FLUCH DER VOLLENDUNG

    Gauthier Dance tanzt in "Mackie Messer - Brechts Dreigroschenfilm"

    Veröffentlicht am 11.08.2018, von Boris Michael Gruhl


    HELLMUTH MATIASEK FEIERT HEUTE SEINEN 85.GEBURTSTAG

    Pick bloggt über seinen langjährigen Intendanten Hellmuth Matiasek und reist in Gedanken von Rosenheim bis nach Japan

    Veröffentlicht am 15.05.2016, von Günter Pick



    BEI UNS IM SHOP