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Heidelberg

DER KÖRPER WEIß DIE WAHRHEIT

Soloprogramme von Jone San Martin und Amancio Gonzáles im UnterwegsTheater



Das Heidelberger UnterwegsTheater gönnt sich zur Feier des 30jährigen Bestehens ein besonderes Programm – und eine kleine Hommage an Forsythe mit den beiden ehemaligen Forsythe-Tänzern.


  • Soloprogramme von Jone San Martin und Amancio Gonzáles im UnterwegsTheater Foto © Günter Krämmer
  • Soloprogramme von Jone San Martin und Amancio Gonzáles im UnterwegsTheater Foto © Günter Krämmer
  • Soloprogramme von Jone San Martin und Amancio Gonzáles im UnterwegsTheater Foto © Günter Krämmer
  • Soloprogramme von Jone San Martin und Amancio Gonzáles im UnterwegsTheater Foto © Günter Krämmer
  • Soloprogramme von Jone San Martin und Amancio Gonzáles im UnterwegsTheater Foto © Günter Krämmer
  • Soloprogramme von Jone San Martin und Amancio Gonzáles im UnterwegsTheater Foto © Günter Krämmer
  • Soloprogramme von Jone San Martin und Amancio Gonzáles im UnterwegsTheater Foto © Günter Krämmer

Noch vor wenigen Jahren hätte niemand eine Liste der internationalen Top-Ten-Choreografen aufgestellt, ohne William Forsythe einzuschließen. Inzwischen ist der Maestro nach Burnout nicht wieder ins künstlerische Hamsterrad zurückgekehrt, die ehemalige Forsythe-Company umfunktioniert, die legendären Tänzer meist im Ruhestand. Nicht so Jone San Martin und Amancio Gonzáles, die beide bei der Ü-40-Kompanie „Dance On“ angeheuert haben und zusätzlich mit Soloprogrammen unterwegs sind.

Das Heidelberger UnterwegsTheater gönnt sich zur Feier des 30jährigen Bestehens ein besonderes Programm – und eine kleine Hommage an Forsythe. Jone San Martin, souverän in der Rolle der Allein-Unterhalterin, präsentierte mit „Legítimo / Rezo“ ein zweiteiliges Solo, in dem sie verblüffende Einsichten in die Arbeitsweise von William Forsythe ermöglichte. Einst hatte sie – bei einer Konferenz über choreografische Notation – angefangen, ihre Erklärungen zu tanzen. Denn was es von der berühmten Forsythe-Methode zu wissen gibt, ist nicht in erster Linie auf Videos, sondern vorrangig in Tänzerkörpern gespeichert. So auch in ihrem Solo, in dem sie wieder und wieder Grundfiguren – Richtungen im Körper, unsichtbare Linien im Raum – sichtbar machte, mit scheinbar unendlichen Variationen. Denn Forsythe ließ seinen choreografischen Rahmen von den TänzerInnen improvisatorisch mit Leben füllen, freilich mit anspruchsvollsten Vorgaben. Um solche Choreografien zu tanzen, braucht es nicht nur eine Außen-, sondern eine Innensicht der Bewegung; dieses Feuerwerk komplexer Koordination ist Jon San Martin zur zweiten Natur geworden. Mit Schnurrbart und zu einer wahnwitzigen Sprachcollage ließ die Tänzerin, die mehr als zwanzig Jahre mit Forsythe zusammengearbeitet hat, die Dualität dieser künstlerischen Arbeit aufs Witzigste aufleben.

Der kluge und spannende Rückblick machte einmal mehr überdeutlich: Forsythe ist Vergangenheit. Inzwischen sind hier und da ambitionierte Remakes seiner legendären Choreografien zu sehen. Aber nicht überall, wo heute sein Name draufsteht, ist tatsächlich Forsythe drin.

Wie sich Tanz in den Körper einschreibt, dafür interessiert sich auch Amancio Gonzáles in seinem mit Charlotta Sagna erarbeiteten ersten Soloprogramm „Blue Prince Black Sheep“. Es ist in Hellerau (als Ko-Produktion mit dem UnterwegsTheater) entstanden, und an der nahen Dresdener Semperoper wurde der Tänzer für sein Bühnenbild fündig. Er bat die TänzerInnen um ausrangierte Spitzenschuhe; ein ganzer Berg davon dient ihm als Inspirationsquelle. Auch er selbst tanzt das Programm mit beeindruckender physischer Kondition auf Spitze, während er über Umbruchssituationen im Leben plaudert, Gender- und Genre-Klischees elegant aushebelt und zwischen Bühnenrealität und Fiktion changiert. Witzig, unterhaltsam, gescheit: was Ensemble „Dance on“ noch nicht durchweg überzeugend schafft, machen die beiden Ensemblemitglieder in Soloprogrammen beeindruckend vor.

Veröffentlicht am 02.07.2018, von Isabelle von Neumann-Cosel in Homepage, Gallery, Kritiken 2017/18

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