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Essen

VON GANZEM HERZEN ENTERTAINER

Ben Van Cauwenbergh feiert Jubiläum



Vor zehn Jahren wechselte Ben Van Cauwenbergh als Ballettchef nach Essen. Mit einer unterhaltsamen Zwischenschau präsentiert der Belgier nun seine technisch fabelhafte Kompanie.


  • "10 by Ben" - ein Ballettabend am Aalto-Ballett Foto © Bettina Stöß
  • "10 by Ben" - ein Ballettabend am Aalto-Ballett Foto © Bettina Stöß
  • "10 by Ben" - ein Ballettabend am Aalto-Ballett Foto © Bettina Stöß

Vor zehn Jahren wechselte Ben Van Cauwenbergh von Wiesbaden als Ballettchef an das elegante Essener Aalto-Musiktheater. Mit einer unterhaltsamen Zwischenschau präsentiert der Belgier nun seine technisch fabelhafte Kompanie. 1 100 Anhänger feierten die TänzerInnen und den leidenschaftlichen Entertainer.

"Ich bin süchtig, euch zu pflegen!" rief der belgische Ballettintendant in etwas ungelenkem Deutsch seinem Publikum zur Begrüßung zu. Mit zustimmenden Pfiffen und donnerndem Applaus bestätigten die Zuschauer im voll besetzten Aalto-Musiktheater das Kompliment. Jedem war klar, dass die getanzte Unterhaltung an diesem Abend nicht zu kurz kommen würde. Denn kein anderer Ballettdirektor in Deutschland ist so von ganzem Herzen Entertainer wie der Belgier, der nach internationaler Karriere als klassischer Tänzer und Ballettdirektor in Bern und Wiesbaden 2008 Nachfolger von Martin Puttke wurde. Seit einem Jahrzehnt unterhält er Essens Ballettfreunde mit eigenen Choreografien, lädt berühmte Gäste wie Jiří Kylián, David Dawson, Stijn Celis oder Ohad Naharin ein und fördert den choreografischen Nachwuchs aus den eigenen Reihen seines klassisch orientierten Aalto-Balletts.

Das dreistündige Defilee von Ausschnitten aus dem Repertoire und Einblicken in den Alltag der Kompanie - teils live, teils per Video - begann schon eine halbe Stunde vor dem fetzigen Auftakt mit der Szene "Echad" (Der Erste) aus Ohad Naharins eigener Jubiläumsshow "Deca Dance" mit einem raffiniert inszenierten und vom Chef selbst geleiteten ‚Training’ der Kompanie. Es folgten nach "Echad" ein Dutzend Kostproben, zum besten gegeben nicht nur von Stars der ersten Stunde wie Pirouettenkönigin Adeline Pastor als Sängerin und Ballerina in der Piaff-Hommage "La Vie en Rose", Breno Bittencourt als Cinderellas Prinz, Tamáš Ottych als Coppélius und dem unverwüstlich vielseitigen Denis Untila. Wenige Worte sollte es geben, aber umso mehr zu gucken, versprach Van Cauwenbergh zu Beginn. Nach der Pause folgte nur eine kurze Plauderei mit Dramaturg Christian Schröder, in der Van Cauwenbergh die Probenzeit mit Jiří Kylián für dessen Dreiteiler "Archipel" 2016 als Höhepunkt dieses Jahrzehnts hervorhob. Besondere Aufmerksamkeit erlangte auch das Jugendprojekt "Queenie" (in Anlehnung an die Erfolgsshow "Tanzhommage an Queen") mit 120 Kindern und Jugendlichen auf der Bühne.

Dass auf dem kleinen Programmzettel nur die Titel der Stücke und die Namen der Tanzenden verzeichnet sind, nicht aber der jeweilige Choreograf, ist nur eine der kleinen Flüchtigkeiten dieses aufwendigen Extraprogramms. Unstimmig auch der Titel; denn es geht um zehn Jahre, nicht aber - wie bei "3 by Ekman" - um 10 Choreografien des Hausherrn. Sei's drum. Für Furore sorgten die technisch virtuose Marilyn Tyurina („La Vie en Rose“, „3 by Ekman“), Mika Yoneyama und Liam Brair („Arabischer Tanz“ aus dem "Nußknacker") sowie Brair als Romeo zu Yanelis Rodriguez' Julia in der Balkonszene. Bravourös tanzten Rodriguez und Aidos Zakan auch den großen Pas de deux Kitri/Basil aus "Don Quichotte".

Dass das fröhliche Programm mit einer großen Ensembleszene aus Van Cauwenberghs "Tanzhommage an Queen" endete, macht Sinn. Nur der traurig-tapfere Songtext wollte so gar nicht passen: "The Show Must Go On". Denn für Ben Van Cauwenbergh, der in diesem Jahr übrigens auch seinen 60. Geburtstag feiern kann, ist kaum Grund zur Sorge. Alles lief bisher wie geschmiert: seit 2013 ist das Aalto-Ballett unabhängige Sparte vom Musiktheater und Van Cauwenbergh Intendant. Sein Vertrag gilt vorerst bis 2023.

Veröffentlicht am 17.06.2018, von Marieluise Jeitschko in Homepage, Gallery, Kritiken 2017/18

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