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Dresden

HOFFNUNG AUF ZU- UND WIDERSPRUCH

Das Festspielhaus Hellerau erhält mit neuer Intendanz auch eine Neuausrichtung



Die neue Intendantin Carena Schlewitt und ihr Team präsentieren ihre erste Spielzeit, die geprägt ist von einem gleichwertigen Blick auf die Live-Künste.


  • Carena Schlewitt Foto © Stephan Floß
  • Festspielhaus Hellerau - Pressekonferenz zur ersten Spielzeit unter Carena Schlewitt Foto © Stephan Floß

Neue Besen kehren erst mal anders. So viel kann man schon mal sagen. Dass die neue Intendantin von Hellerau Europäisches Zentrum der Künste in Dresden, Carena Schlewitt, in ihrer ersten Spielzeit nicht nahtlos an das anknüpfen würde, was der bisherige Intendant Dieter Jaenicke mit seinem Team über die vergangenen Jahre aufgebaut hat, war bereits bekannt und überraschte auch niemanden. Gestern stellte sie das Programm ab September 2018 vor.

Es steht völlig außer Zweifel, dass unter der Ägide Dieter Jaenickes das Festspielhaus in Dresden Hellerau zu einem Leuchtturm entwickelt worden ist, der tatsächlich über die Grenzen der Stadt und des Landes strahlte. Das zeigte sich zum einen in der weiteren Sanierung des Westflügels und der Entwicklung der dortigen Künstlerwohnungen als, selbstverständlich, auch im künstlerischen Programm. Neben den Kooperationen mit der lokalen Szene brachte er unermüdlich große bis ganz große Namen vor allem des Tanzes nach Hellerau.

Carena Schlewitt, die das Ruder ab der kommenden Spielzeit übernehmen wird, bringt Veränderung mit ins Haus. Das liegt auf der Hand. Sie ist, davon kann zumindest ausgegangen werden, ganz anders vernetzt als Dieter Jaenicke. Genauso war es seit einiger Zeit ein offenes Geheimnis, dass sie den Fokus des Hauses etwas vom Tanz weg richten würde. Das bestätigte sie in der gestrigen Pressekonferenz, bei der das Programm ab September vorgestellt wurde. Dabei betonte sie, dass der Schwerpunkt zukünftig auf den, wie sie es nannte, Live-Künsten liegen würde: Musik, Theater, Tanz, Performance. Eine tatsächliche Gewichtung in die eine oder andere Richtung lässt sich aus den bisherigen Plänen tatsächlich nicht ablesen.

Auf einer Achse von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft solle die Kunst der Erinnerung im Kontext der Gestaltung ebenjener Zukunft entwickelt werden, so der Tenor. Es ginge dabei um Geschichte(n), Biografien und unerwartete Einbrüche und Umbrüche. Ein inhaltlicher Schwerpunkt wird dabei in den ersten Jahren ein umfassender Blick nach Osteuropa sein. Im Fokus steht als erstes Polen und dortige junge, freie Produktionen.

Konkret eröffnen werden die Spielzeit allerdings nach einem Spielzeitfest und einer Audio-Installation von Paul Plamper die Belgier von Needcompany mit der Deutschlandpremiere ihrer Arbeit „Krieg und Terpentin“. Dieser Auftakt ist beispielhaft, zeigt er doch zumindest ansatzweise, dass alle Formen von Crossover in den Produktionen eine Rolle spielen werden. So betonte auch André Schallenberg, neuer Programmleiter Theater/Tanz, dass es Tanzproduktionen geben wird, in denen vermehrt auch Sprache zum Einsatz kommt.

Bewährte Kooperationen wie beispielsweise die Veranstaltungsreihe „Linie 08“ mit Tänzerinnen und Tänzern der freien, lokalen Szene werden zwar fortgeführt werden, allerdings nicht mehr wie gewohnt. Statt der bislang nicht kuratierten Reihe soll es konkrete Koproduktionen geben. Größer und mehr ist der Gedanke.

Antje Pfundtner wird ebenso wieder in Hellerau zu erleben sein wie Hermann Heisig. Die Dresden Frankfurt Dance Company ist selbstredend ein Partner, der nicht zur Disposition stand. Dafür trennte man sich allerdings unter lautem Protest der Kompanie von dem russischen Performance-Theater Derevo, das seit der Wiedereröffnung vor mehr als zehn Jahren fest zum Haus gehört hatte.
Schallenberg betonte den Wunsch nach einem heterogenen Publikum, das mit kritischen Fragen das Haus belebt. Mit Nachdruck formulierte er dabei, dass es eben keinen Fünf-Jahres-Plan gebe.

Man kann das auch anders formulieren: So viele konkrete Programmpunkte auch vorgestellt worden sind, eine klare Linie ist daraus noch nicht erkennbar. Das gilt für die Sparte Musik genau so. Um mehr zu gestalten, stand allen am neuen Team Beteiligten aber bislang auch noch nicht ausreichend Zeit zur Verfügung. Der Ausblick gestaltet sich somit noch etwas verschwommen; das Schiff muss jetzt erst mal in Fahrt kommen. Eine vorsichtige Prognose darf aber wohl bereits gemacht werden: Der Begriff des Leuchtturms wird so schnell wahrscheinlich erst mal nicht mehr fallen.

Veröffentlicht am 08.06.2018, von Rico Stehfest in Homepage, Themen

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Kommentare zu "Hoffnung auf Zu- und Widerspruch"



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