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Eltville am Rhein

DIE MAGIE DER ERINNERUNG

"Small Places" von Guy Weizmann und Rony Haver für tanzmainz



tanzmainz begeistert auf engstem Raum im Kloster Eberbach im Rheingau das Publikum.


  • "Small Places" von Guy Weizmann und Rony Haver, Ada Daniele Foto © Andreas Etter
  • "Small Places" von Guy Weizmann und Rony Haver, Madeline Harms Foto © Andreas Etter
  • "Small Places" von Guy Weizmann und Rony Haver Foto © Andreas Etter
  • "Small Places" von Guy Weizmann und Rony Haver Foto © Andreas Etter
  • "Small Places" von Guy Weizmann und Rony Haver Foto © Andreas Etter
  • "Small Places" von Guy Weizmann und Rony Haver Foto © Andreas Etter
  • "Small Places" von Guy Weizmann und Rony Haver, Jorge Soler Bastida Foto © Andreas Etter
  • "Small Places" von Guy Weizmann und Rony Haver, Pontus Fager Foto © Andreas Etter

Diesen beiden hatte der Mainzer Tanzchef Honne Dohrmann die Choreografie für sein Mainzer Debut anvertraut. Vier erfolgreiche Jahre später sind es wieder Guy Weizman und Roni Haver, die zusammen für einen fulminanten Start sorgen: tanzmainz erobert eine neue Spielstätte. Aber nicht irgendeine - sondern jenes berühmte, fast 900 Jahre alte, ehemalige Zisterzienser-Kloster Eberbach,. Das wurde zwar nicht von Kriegen zerstört, aber der Mensch hat ihm so einiges zugemutet. Es diente etwa als Frauengefängnis, Irrenanstalt und Flüchtlingsunterkunft – und als Drehort für den Film "Der Name der Rose".

Für die 'freundschaftliche Übernahme' auf Zeit ist ganz tanzmainz auf den Socken – sprich 20 TänzerInnen und ein Organisationsstab, der eine reibungslos funktionierende Infrastruktur in den Rheingau zaubert. Schauspieler István Vincze, der als spiritueller Führer durch den Abend geleitet, hebt eingangs auf die Schicksale ab, die von den dicken Mauern sozusagen aufgesogen wurden. Das Choreografenpaar spürt diesem magischen Sog des Ortes strikt getrennt nach – Roni Haver in abstrakt organisierter Bewegung, Guy Weizmann in verwunschenen, lebenden Bildern.

Nur 8 mal 8 Meter misst die Bühne im Kapitelsaal, um die herum das Publikum fast in Greifnähe sitzt – und in der Mitte steht die zentrale Säule des Raumes. Hier dominiert archaischer Techno-Sound, wenn die Choreografin Roni Haver sich der Herausforderung stellt, bis zu zehn TänzerInnen gleichzeitig einzubinden. Slava Martinovic hat sie in silbern glitzernde Unisex-Kostüme gehüllt; eine wilde Mischung aus Kutte, Rüstung und Couture. Kühle choreografische Konzentration und kraftvolle Tänzer sorgen für magische Momente.

Die gelangen auch Guy Weizman in Hülle und Fülle an einem per se verwunschenen Ort. Im alten Laienrefektorium zwischen imposanten, uralten Weinpressen lässt er Kindheitsträume, -ängste und unerfüllte Wünsche Gestalt annehmen. Hier ist das Publikum gefragt sich den Darbietungen zuzuwenden. Vielleicht dem unerbittlich schlotternden Ritter, der kraftvoll gegen die Schwerkraft anschaukelnden Frau, dem sich immer aufs Neue Selbst-Kostümierer? Oder jenem Glückssucher, der seine Hoffnung so innig auf jedes einzelne Federchen legt, mit dem er die unbarmherzig zur Gegenseite geneigte Waage umzustimmen versucht? Man kann auch innehalten und den passenden, geistlichen Klängen des Vocalconsorts Mainz lauschen … bis zum stilvollen Ausklang im Innenhof.

Veröffentlicht am 28.05.2018, von Isabelle von Neumann-Cosel in Homepage, Kritiken 2017/2018

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