HOMEPAGE



Gießen

TANZ IM TREPPENHAUS

Das Festival TanzArt ostwest 2018 in Gießen



Das Site-Specific-Projekt "CLOSE_INSIGHT" von Tiago Manquinho mit der Tanzcompagnie Gießen zu Musik von John Cage.


  • "CLOSE_INSIGHT" von Tiago Manquinho beim TanzArt ostwest 2018 Foto © Rolf K. Wegst
  • "CLOSE_INSIGHT" von Tiago Manquinho beim TanzArt ostwest 2018 Foto © Rolf K.Wegst
  • "CLOSE_INSIGHT" von Tiago Manquinho beim TanzArt ostwest 2018 Foto © Rolf K.Wegst
  • "CLOSE_INSIGHT" von Tiago Manquinho im Universitätsklinikum Gießen/Marburg Foto © Dagmar Klein
  • Daniel Heide bei "CLOSE_INSIGHT" von Tiago Manquinho beim TanzArt ostwest 2018 Foto © Dagmar Klein

Das TanzArt-ostwest-Festival ist eröffnet. Wie schon in den vergangenen Jahren steht am Anfang eine Site-Specific-Performance durch einen Gastchoreografen auf dem Programm. Der freischaffende Choreograf Tiago Manquinho hat mit der Tanzcompagnie Gießen ein ungewöhnliches Tanzstück an einem öffentlichen Ort geschaffen.

Bereits im vergangenen Jahr war die Specific Site im Universitätsklinikum Gießen/Marburg (UKGM) gefunden worden, im leer geräumten Gebäude der alten Orthopädie. In diesem Jahr war es jedoch ein viel genutzter Durchgangsort: Das gläserne Treppenhaus der Chirurgie. Ein Anbau der 1990er Jahre, der 1996 mit einem Kunstensemble in Blau von Nikolaus Koliusis (Stuttgart) ausgestattet wurde. Wie so oft bei Kunst im öffentlichen Raum geht das Interesse daran und das Wissen darum irgendwann verloren. Vor wenigen Jahren hat die Kunstbeauftragte des Uniklinikums, Dr. Susanne Ließegang, dafür gesorgt, dass die Foliensegel im Treppenhaus gereinigt und eine Koliusis-Sonderausstellung organisiert wurde, die im UKGM zu sehen ist. Auch die Idee zum Tanz im Treppenhaus stammt von ihr, hatte doch der Künstler erzählt, wie sehr ihn eine Begegnung mit John Cage und dessen Gedanken zur Kunst geprägt haben. Für "CLOSE_INSIGHT" wurde ein Musiker gefunden, der sich auf die Besonderheit der Situation einließ: Daniel Heide (Weimar). Er brachte sogar noch die beiden Flügel mit.

Gastchoreograf Manquinho entschied schon bei der ersten Besichtigung dieses spezifischen Ortes, dass die Zuschauer oben stehen und nach unten blicken sollten. Er hat die Choreografie also in der Aufsicht geplant und nicht in der üblichen Seitensicht. „Ich nutze damit nur die Tatsache, dass vieles beim zeitgenössischen Tanz am Boden stattfindet, was die Zuschauer sonst oft gar nicht sehen können.“ Das tänzerische Geschehen findet unten statt, rund um einen großen Ficus Benjamini, der auch mal die Sicht behindern kann. Von den oberen Treppenabsätzen haben die BesucherInnen die blauen Segel im Blickfeld. „Die Zuschauer sollen unterschiedliche Standorte ausprobieren. Das ist gewollt.“, erklärt der Choreograf. Tiago Manquinho hat selbst 20 Jahre als Tänzer auf der Bühne gestanden, choreografiert seit 2003 und unterrichtet insbesondere Contact Improvisation. Dieser besonders geschmeidige und auf Bewegungsimpulsen beruhende Tanzstil wird bei diesem Site-Specific-Stück deutlich. Manquinho hat auf darstellerische Momente weitgehend verzichtet und sich ganz auf den Tanz konzentriert.

Das Miteinander der Tanzenden findet oft in der Horizontalen statt, also auf dem Boden liegend, oder zumindest mit ausgreifenden Armen und Beinen. In den Gruppenszenen streben sie aufeinander zu und voneinander weg, durchdringen sich, verschmelzen zum Knäuel und lösen sich ebenso geschmeidig wieder ab. Thematisch geht es um die Situation im Klinikum, wo täglich Menschen allein oder in der Gruppe hinkommen, oft in angstbesetzten Stresssituationen. Für einen Moment geben sie einander Halt und gehen dann wieder eigene Wege.

Die live eingespielten Klavierwerke von John Cage bringen den hohen Raum beinahe zum Schwingen, die Akustik ist wunderbar. Zum eindringlichen und souveränen Klavierspiel von Heide gesellen sich noch amüsante darstellerische Momente. In den in Blautönen gehaltenen Kostümen von Aneta Kowalewska gaben Anna Jirmanova, Gina Maag, Clara Thierry, Michael D´Ambrosio, Marcel Casablanca Martinez, Lorenzo Rispolano und Antonio Spatuzzi von der Tanzcompagnie Gießen sowie die Gasttänzerin Maya Triay eine bravouröse Vorstellung.

Veröffentlicht am 13.05.2018, von Dagmar Klein in Homepage, Kritiken 2017/2018

Dieser Artikel wurde 2236 mal angesehen.



Kommentare zu "Tanz im Treppenhaus "



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung




    Ähnliche Beiträge

    RÜCKBLICKEND

    Das TanzArt ostwest Festival 2019

    Das Festival in Gießen war von atemberaubender Vielfalt. Gut 150 TänzerInnen und ChoreografInnen kamen innerhalb von zehn Tagen in die Lahn-Stadt. Vorstellungen fanden an insgesamt sechs verschiedenen Orten statt.

    Veröffentlicht am 11.06.2019, von Dagmar Klein


    GALA WIEDER EIN RAUSCHENDES TANZFEST

    TanzArt ostwest in Gießen

    Zum 15. Mal fand in Gießen das TanzArt ostwest Festival statt. Ballettdirektor Tarek Assam hatte es bei seinem Start in der Lahn-Stadt mitgebracht und es kontinuierlich ausgebaut. Die Strukturen haben sich entwickelt und gefestigt.

    Veröffentlicht am 22.05.2018, von Dagmar Klein


    EIN ALTER BEKANNTER IN NEUEM STÜCK

    Pick bloggt über Klaus Kinskis Stimme in Massimo Gerardis „Seid was ihr wollt“ und was ihm sonst noch aufgefallen ist bei TanzArt ostwest in Gießen

    Selbst erlebt hat er ihn vor vielen Jahren und so bringt die neue Begegnung mit Klaus Kinskis Rezitationen auch alte Erinnerungen hervor.

    Veröffentlicht am 09.06.2017, von Günter Pick


    EIN RUF NACH FREIHEIT

    „Minorities“ von Yang Zhen bei TanzArt ostwest in Gießen

    An der Universität der ethnischen Minderheiten Chinas erlebte Yang Zhen „das propagierte harmonische Zusammenleben verschiedener ethnischer Gruppen“ ganz direkt und kreierte aus dieser Erfahrung sein neues Stück.

    Veröffentlicht am 07.06.2017, von Dagmar Klein


    MOVEMENT NEVER LIES

    TanzArt ostwest 2017 in Gießen

    Das Austauschfestival zeigt sich international und vielfältig.

    Veröffentlicht am 06.06.2017, von Dagmar Klein


    TANZART OSTWEST IN GIEßEN ERÖFFNET

    Tanzcompagnie Gießen zeigt „Schlaflabor - InPatients Suite“ von Marcos Marco und „Seid was ihr wollt“ von Massimo Gerardi

    Mit Atmosphäre - einmal räumlich, einmal sprachlich - spielen die diesjährigen Gastchoreografen Marcos Marco und Massimo Gerardi.

    Veröffentlicht am 02.06.2017, von Dagmar Klein


    EINE KLEINE REVOLUTION

    Kooperation zwischen "TanzArt ostwest" und der Shenzhen Arts School

    Seit 2012 steht Tarek Assam als Leiter der "TanzArt ostwest" in regelmäßigem Austausch mit verschiedenen Städten und Tanzkompanien in China. Nun will er mit der Arts School in Shenzhen einen Lehrplan für zeitgenössischen Tanz erarbeiten.

    Veröffentlicht am 31.01.2017, von Dagmar Klein


    BEGEGNUNG DER TANZFORMEN

    Kooperation zwischen "TanzArt ostwest" und der Shenzhen Arts School

    Tillmann Becker war als erster Tanzpädagoge im Oktober an der Shenzhen Arts School. Seine Gruppe bestand aus Teilnehmern, die bereits in Gießen waren, also eine Ahnung von tänzerischer Improvisation hatten.

    Veröffentlicht am 31.01.2017, von Dagmar Klein


    TANZART OSTWEST IN GIEßEN ÜBERTRIFFT ALLES BISHERIGE

    Low Budget Tanzfestival zeigt enorme Spannweite des Bühnentanzes

    Das einwöchige Festival fand mit einer kontrastreichen und beeindruckenden Gala seinen Abschluss.

    Veröffentlicht am 17.05.2016, von Dagmar Klein


     

    AKTUELLE NEWS


    ADOLPHE BINDER BEKOMMT AUCH IM BERUFUNGSVERFAHREN RECHT

    Neues in der Causa Tanztheater Wuppertal
    Veröffentlicht am 19.08.2019, von tanznetz.de Redaktion


    JOHANN KRESNIK IST TOT

    Das deutsche Tanztheater hat einen seiner Pioniere verloren
    Veröffentlicht am 28.07.2019, von tanznetz.de Redaktion


    EHRUNG FÜR JOHANN KRESNIK

    "Goldenes Verdienstzeichen des Landes Wien" für den bedeutenden Vertreter des choreografischen Theaters
    Veröffentlicht am 12.07.2019, von Pressetext



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    SENSEFACTORY

    you have never experienced - Ein Bauhausprojekt im Muffatwerk München

    Von 4. bis 8. September 2019 vereint die großformatige Installation SENSEFACTORY im Muffatwerk Architektur, Sound, Geruch, Licht und KI-Technologie zu einem umfassenden multi-sensorischen Erlebnis – als Fortführung des „Theaters für die Sinne“, das László Moholy-Nagy in den 1920er-Jahren mit dem Bauhaus entwickelt hat.

    Veröffentlicht am 12.08.2019, von Pressetext

    LETZTE KOMMENTARE


    ADOLPHE BINDER BEKOMMT AUCH IM BERUFUNGSVERFAHREN RECHT

    Neues in der Causa Tanztheater Wuppertal
    Veröffentlicht am 19.08.2019, von tanznetz.de Redaktion


    ENGAGEMENT VERLOREN

    Sergei Polunin nicht mehr im "Schwanensee" an der Pariser Oper
    Veröffentlicht am 15.01.2019, von tanznetz.de Redaktion


    HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!

    Der Primaballerina Lynn Seymour zum 80. Geburtstag
    Veröffentlicht am 06.03.2019, von tanznetz.de Redaktion

    MEISTGELESEN (7 TAGE)


    ADOLPHE BINDER BEKOMMT AUCH IM BERUFUNGSVERFAHREN RECHT

    Neues in der Causa Tanztheater Wuppertal

    Veröffentlicht am 19.08.2019, von tanznetz.de Redaktion


    DAS WAR’S

    Rückblick auf die Tanzwerkstatt Europa 2019 in München

    Veröffentlicht am 15.08.2019, von Vesna Mlakar


    ZU EHREN TERPSICHORES

    "Terpsichore-Gala I" im Nationaltheater zum 10jährigen Bestehen des Bayerischen Staatsballetts

    Veröffentlicht am 09.10.1999, von Katja Schneider


    HELLMUTH MATIASEK FEIERT HEUTE SEINEN 85.GEBURTSTAG

    Pick bloggt über seinen langjährigen Intendanten Hellmuth Matiasek und reist in Gedanken von Rosenheim bis nach Japan

    Veröffentlicht am 15.05.2016, von Günter Pick


    RAUM, KLANG, TANZ

    Initiation der Elbphilharmonie-Foyers mit Sasha Waltz & Guests' „Figure Humaine“

    Veröffentlicht am 02.01.2017, von Annette Bopp



    BEI UNS IM SHOP